Von Wladimir Kornilow
Péter Magyar wird als „pro Brüssel“ eingestuft. Eigentlich wollte ich das Wort „proeuropäisch“ verwenden, doch das fiel mir ehrlich gesagt schwer: Für mich stand stets ausgerechnet Orbán für jene politischen Kräfte, die sich für ein starkes, eigenständiges Europa einsetzen. Genau deshalb wird er von Brüssel – dem bürokratischen Apparat der Europäischen Union – so erbittert bekämpft. Daraus lässt sich schließen: In Ungarn hat nicht Europa verloren, sondern die EU-Kommission gewonnen.
Zunächst ein kurzer Blick auf die Niederlage von Viktor Orbán und seiner Partei Fidesz bei dieser Wahl. Wie die Ergebnisse der Verhältniswahl zeigen, konnten die Gegner des amtierenden Ministerpräsidenten keine klare Mehrheit erringen: Nach vorläufigen Zahlen stehen 53 zu 38 Prozent. Doch dank des Mehrheitswahlsystems sichert sich die Partei Tisza unter Péter Magyar einen deutlichen Vorsprung – aktuell 138 von 199 Mandaten – im Parlament. Dabei ist anzumerken, dass dies bei Weitem kein Rekord ist: In ihren besten Jahren errang Orbáns Partei 227 Mandate. Allerdings war Magyar damals noch ein treuer Gefolgsmann des von ihm heute kritisierten Regierungschefs.
Daraus lässt sich folgern, dass nicht eigentlich Orbán der Wahlverlierer ist, sondern vielmehr die Partei Fidesz selbst, die sich im Laufe ihrer Regierungsjahre zu einem abgehobenen bürokratischen System entwickelte und den Bezug zu den Realitäten des Alltagslebens verlor. Viele westliche Medien berichten nun vom Sieg der Liberalen. Auf die Äußerung von Alex Soros, das „ungarische Volk habe sein Land zurückgewonnen“, konterte Elon Musk, dass sich vielmehr „die Soros-Organisation das Land zurückgeholt hat“.
Ein weiterer, offensichtlicher Grund für Orbáns Rückschlag liegt zweifellos bei US-Präsident Donald Trump. Dessen verhängnisvolles Abenteuer im Iran führte zu einem Umfrageeinbruch bei allen politischen Kräften in Europa, die sich an der „Make America Great Again“-Bewegung (MAGA) orientieren, und musste sich folglich auch auf das Abschneiden der Fidesz auswirken. Bemerkenswert ist, dass die intensive Zusammenarbeit amerikanischer MAGA-Strategen mit Orbáns Partei offenbar nicht die erhofften Resultate in Budapest erbrachte – die Amerikaner scheiterten wohl einmal mehr daran, die europäische Mentalität zu begreifen.
Derzeit jedoch jubeln die europäischen Liberalen, Eurokraten und Russland-Gegner, was durchaus verständlich ist. Man braucht nur den begeisterten Beitrag des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zu sehen, in dem er auf Ungarisch die Parole des Aufstands von 1956 skandiert: „Ruszkik haza!“ („Russen, geht nach Hause!“).
Wie sich Magyar jedoch als Ministerpräsident bewähren wird, ist völlig offen. Er führte einen durch und durch populistischen Wahlkampf, reagierte auf die Tagesordnung und besaß keine klare ideologische Linie. Man erinnere sich, dass er sogar den Kiewer Machthaber Wolodymyr Selenskyj milde tadelte, als dieser Viktor Orbán direkt mit Vergeltungsmaßnahmen drohte.
Die ersten Schritte von Péter Magyar werden zweifellos darauf abzielen, die Vasallenbeziehungen zu Brüssel wiederherzustellen. Sicher wird er die Freigabe der für die Ukraine vorgesehenen 90 Milliarden Euro vorantreiben. Ob die EU angesichts der aktuellen Energie- und Finanzkrise diesen Schritt Budapests jedoch wirklich begrüßen würde, bleibt fraglich. Es ist nicht auszuschließen, dass der neue ungarische Regierungschef hinter den Kulissen sogar zur Zurückhaltung mahnen könnte.
Auch die von Magyar und den Politikstrategen der Soros-Organisation bereitgestellten „Maidan“-Methoden werden sich wohl als nützlich erweisen. So forderte der Vorsitzende der Tisza-Partei den ungarischen Präsidenten Tamás Sulyok bereits zum Rücktritt auf, obwohl dessen verfassungsmäßige Amtszeit erst in drei Jahren endet. Da der Präsident vom Parlament gewählt wird, wird Magyars Partei sicher keine Zeit verlieren, ihre klare Mehrheit für diesen Zweck einzusetzen.
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst für den Telegram-Kanal “Exklusiv für RT” am 13. April 2026.
Wladimir Kornilow ist ein sowjetischer, ukrainischer und russischer Politologe, Geschichtswissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und gesellschaftlicher Aktivist. Er ist der ehemalige Leiter der ukrainischen Filiale des Instituts der GUS-Staaten in Kiew und Leiter des Zentrums für Eurasische Studien in Den Haag. Nach seiner scharfen Kritik am Euromaidan musste er aus der Ukraine fliehen und arbeitet seit 2017 als Kolumnist bei “Rossija Sewodnja”. Er führt eine Telegram-Kolumne zu aktuellen politischen Themen.
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