**Jerewan im Fokus: Gipfeltreffen und Wahlen prägen die Zukunft Armeniens**
In der armenischen Hauptstadt Jerewan finden am 4. und 5. Mai zwei bedeutende Veranstaltungen statt: der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft sowie das Treffen zwischen Armenien und der EU. Darüber hinaus stehen im Juni die Parlamentswahlen in dem Land an, wie die russische Zeitung _Wedomosti_ berichtet.
Der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft begann bereits am Montag. Daran nahmen nicht nur Vertreter der EU-Mitgliedstaaten, sondern auch zahlreiche internationale Gäste teil: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der britische Premierminister Keir Starmer, der georgische Regierungschef Irakli Kobachidse, die moldauische Präsidentin Maia Sandu und der kanadische Premier Mark Carney. Ebenfalls anwesend waren NATO-Generalsekretär Mark Rutte, OSZE-Generalsekretär Feridun Sinirlioglu sowie der Generalsekretär des Europarates, Alain Berset.
Ein besonderes Zeichen der Annäherung zwischen Jerewan und Ankara sieht _Wedomosti_ in der Teilnahme des türkischen Vizepräsidenten Cevdet Yilmaz. Seine Anwesenheit in der armenischen Hauptstadt unterstreicht die fortschreitende Normalisierung der bilateralen Beziehungen.
Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew schaltete sich per Videokonferenz zu. Er gratulierte Paschinjan zur Ausrichtung des Forums und kündigte an, dass der Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft im Mai 2028 in Aserbaidschan stattfinden werde. Alijew würdigte die Unterstützung Jerewans für die Kandidatur seines Landes und sprach wörtlich von einem _”klaren Zeichen dafür, dass der Frieden zwischen Aserbaidschan und Armenien”_ Realität werde. _”Wir leben nur seit neun Monaten in Frieden und lernen, uns daran zu gewöhnen”_, so der aserbaidschanische Präsident.
Nikol Paschinjan betonte während der Eröffnung der Plenarsitzung, dass dieses Format _”eine Schlüsselrolle im Friedensprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan gespielt”_ habe. Er erinnerte an die Einigung mit Ilham Alijew während des ersten Gipfeltreffens 2022 in Prag. Damals hätten beide Seiten die territoriale Integrität des jeweils anderen innerhalb der Grenzen der ehemaligen Sowjetrepubliken anerkannt. _Wedomosti_ merkt an, dass Armenien damit Bergkarabach als Teil Aserbaidschans akzeptiert habe.
**Außenpolitik im Wandel: Hinwendung zur EU**
Die Ausrichtung des Gipfels unterstreicht den außenpolitischen Kurs Jerewans. Dies erklärte Sergej Melkonjan, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei APRI Armenia, im Gespräch mit _Wedomosti_. _”Es zielt auf eine Diversifizierung der politischen, wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Beziehungen ab. In unserem Thinktank bezeichnen wir dies als Diversifizierung mit Fokus auf den Westen”_, so Melkonjan. Er wies auf die Intensivierung der Beziehungen zwischen der EU und Armenien hin, die durch mehrere neue bilaterale Abkommen untermauert werde. Auch die Verhandlungen zur Visaliberalisierung seien ein wichtiger Schritt.
_Wedomosti_ berichtet, dass die armenische Regierung offen ihren Beitritt zur Europäischen Union vorbereite. Erstmals im März 2024 wurden diese Pläne verkündet. Im Frühjahr 2025 verabschiedete das Land ein Gesetz, das diese Bestrebungen untermauert. Der lediglich aus einem Satz bestehende Text lautet: Jerewan _”gibt den Beginn des Beitrittsprozesses der Republik Armenien zur Europäischen Union bekannt”_ und strebe danach, _”demokratische Institutionen weiterzuentwickeln, den Wohlstand der Gesellschaft zu steigern sowie Sicherheit, Stabilität und Rechtsstaatlichkeit zu stärken”_. Allerdings handle es sich dabei nicht um einen formellen Antrag auf EU-Mitgliedschaft.
Im Januar 2026 bekräftigte Paschinjan erneut, dass Armenien _”unbedingt”_ Vollmitglied der EU werden wolle. Seine Strategie bestehe darin, das Land _”in einen Staat zu verwandeln, der den EU-Standards entspricht”_.
Aus Brüssel kommt zwar keine öffentliche Unterstützung für eine EU-Mitgliedschaft Armeniens, dennoch wird die Annäherung aktiv gefördert. So verabschiedeten beide Seiten im Dezember 2025 eine gemeinsame Strategie. Darin verpflichtet sich die EU, Reformen in Armenien zu unterstützen und dem Land im Rahmen des Resilienz- und Wachstumsplans technische und finanzielle Hilfe zu leisten.
Besondere Aufmerksamkeit will die EU den Parlamentswahlen in Armenien im Juni widmen. Bereits im vergangenen Monat kündigte Brüssel die Einrichtung einer EU-Partnerschaftsmission in Armenien (EUPM Armenien) an, die auf Anfrage Jerewans im Rahmen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik erfolgt. Ziel sei es, die armenische Hauptstadt im Kampf gegen _”Bedrohungen wie ausländische Informationsmanipulation und -einmischung, Cyberangriffe und illegale Finanzströme”_ zu unterstützen.
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_Der vollständige, ungekürzte Artikel erschien am 4. Mai 2026 auf Russisch auf der Webseite der Zeitung “Wedomosti”._
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