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International

Warum man dem Westen nicht zutrauen kann, dass er seine roten Linien nicht selbst überschreitet

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 21:27 Uhr

Von Tarik Cyril Amar

Der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sind sich öffentlich darüber uneinig, wie sie die Ukraine – die vom Westen rücksichtslos als geopolitischer Rammbock eingesetzt wird – in ihrem Konflikt mit Russland unterstützen sollen. Macron nutzte ein von ihm einberufenes EU-Sondertreffen – Gerüchten zufolge angeregt vom ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij – um zu erklären, dass die Entsendung westlicher Kampftruppen in die Ukraine eine Option sei.

Natürlich hat der Westen bereits Truppen vor Ort, darunter auch solche, die dürftig zu Freiwilligen und Söldnern erklärt wurden oder sich auf andere Weise am Konflikt beteiligen – zum Beispiel bei der Planung gezielter Angriffe gegen Russland, wie kürzlich durchgesickerte US-Dokumente bestätigt haben. Aber ein offenes Eingreifen von Bodentruppen des Westens wäre eine ernste Eskalation. Dies würde Russland und die NATO auf direkten Konfrontationskurs bringen, was eine nukleare Eskalation zu einer realen Möglichkeit machen würde.

Russland hat aus pragmatischen Gründen ein gewisses Maß an westlicher Intervention toleriert. Im Wesentlichen geht es Moskau darum, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen und gleichzeitig einen offenen Konflikt mit der NATO zu vermeiden. Der Kreml ist bereit, einen gewissen Preis für die faktische militärische Einmischung des Westens zu zahlen, solange er zuversichtlich bleibt, den Gegner auf dem ukrainischen Schlachtfeld besiegen zu können. Tatsächlich hat diese Strategie den zusätzlichen Vorteil, dass der Westen seine eigenen Ressourcen dezimiert, während das russische Militär hervorragende praktische Erfahrungen sammeln kann, wie man westliche Militärtechnik neutralisiert – einschließlich der viel gepriesenen “Wunderwaffen”.

Man muss den Verlautbarungen Moskaus nicht unbedingt Glauben schenken, sondern einfach eine elementare Logik heranziehen, um zu verstehen, dass es für diese Art der kalkulierten Toleranz eine ebenso kalkulierte Grenze gibt. Sollte die russische Führung zu dem Schluss kommen, dass westliche Streitkräfte in der Ukraine ihre militärischen Ziele gefährden – anstatt sie nur zu erschweren –, so würde dies den Preis für bestimmte westliche Länder erhöhen.

Provoziert Deutschland einen “ernüchternden Angriff” Russlands?

Nehmen wir als Beispiel Deutschland: Berlin ist mit Abstand der größte Finanzförderer der Ukraine innerhalb der Staaten der EU – zumindest was die Zusagen betrifft. Doch militärisch begnügt sich Russland vorerst damit, die deutschen Leopard-Panzer bei ihrer Ankunft auf dem Schlachtfeld zu Schrott zu schießen. Und in gewisser Weise kann man die Bestrafung für die deutsche Einmischung getrost der deutschen Regierung überlassen: Deutschland hat nebst massiven Einbußen in seiner Wirtschaft auch Schaden bei seinem internationalen Ansehen hinnehmen müssen.

Doch wenn Berlin in seiner Unterstützung für die Ukraine noch weiter gehen würde, dann würden sich die Berechnungen in Moskau ändern. In diesem Fall könnte ein “ernüchternder Angriff” – um einen Begriff aus der russischen Militärdoktrin zu verwenden – auf deutsche Streitkräfte und deutsches Territorium möglich werden, wenn auch zunächst sehr wahrscheinlich nicht nuklear, es sei denn, die deutschen Massenmedien bringen die deutschen Bürger zum Nachdenken. Die innenpolitischen Folgen eines solchen Angriffs wären unvorhersehbar. Die Deutschen könnten sich entweder trotzig um ihre Flagge scharen oder offen gegen eine bereits zutiefst unpopuläre Regierung rebellieren, die nationale Interessen mit beispielloser Unverblümtheit der Washingtoner Geopolitik geopfert hat.

Wenn Sie denken, dass das oben Beschriebene gar etwas zu dramatisch klingt, dann verweise ich auf jemanden, der Ihre Selbstzufriedenheit offensichtlich nicht teilt: auf den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz. Genervt von der Provokation von Macron, gab Scholz diesem umgehend Kontra, was vielsagend ist. Innerhalb von 24 Stunden nach der überraschenden französischen Erklärung schloss Scholz öffentlich die Entsendung von Bodentruppen europäischer Staaten und der NATO aus und betonte, dass dies als eine rote Linie vereinbart worden sei.

Darüber hinaus hat der Kanzler bei dieser Gelegenheit bekräftigt, dass Deutschland seine Taurus-Marschflugkörper nicht an Kiew liefern wird, was von fanatischen Befürwortern in Deutschland vehement gefordert wird. Mit der militärischen Fähigkeit, Moskau anzugreifen, haben diese deutschen Marschflugkörper in ukrainischer Hand – im Verbund mit den hypothetischen Bodentruppen von Macron – laut Scholz eines

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