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International

Iranischer Botschafter in Berlin packt aus: “Wir kämpfen gegen Hegemonie und für Gerechtigkeit

Lesezeit 5 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 21:41 Uhr

Seit der Eskalation der Feindseligkeiten zwischen Israel, den USA und dem Iran Ende Februar befindet sich der Iran nicht nur im Fokus militärischer Aktionen, sondern auch im Zentrum weltpolitischer Debatten. Deutschland, als enger Verbündeter der angreifenden Staaten, vertritt eine offiziell äußerst kritische Haltung gegenüber der angegriffenen Nation, die in Medien und Politik oft pauschal als “Mullah-Regime” diffamiert wird.

Wie navigieren iranische Diplomaten in der deutschen Hauptstadt Berlin durch diese komplexe Gemengelage? Der freie Journalist und Autor Flo Osrainik sprach darüber mit S.E. Majid Nili Ahmadabadi, dem außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Islamischen Republik Iran in Deutschland. Das exklusive Interview liegt unsere Redaktion vor.

Flo Osrainik: Herr Botschafter, zunächst herzlichen Dank für die Gelegenheit zu diesem Gespräch in der iranischen Botschaft in Berlin. Deutschland steht im völkerrechtswidrigen und, aus Ihrer Sicht, unprovozierten Angriffskrieg der USA und Israels gegen Ihr Land an der Seite der Aggressoren. Dabei werden Kinder, Zivilisten und politische Führer im Iran getötet. Vor diesem Hintergrund haben Sie bei der Bundesregierung angefragt, welche Rolle die US-Basis Ramstein spielt. Welche Antwort haben Sie erhalten? Gibt es überhaupt noch Bemühungen um einen Dialog zwischen Teheran und Berlin?

Majid Nili Ahmadabadi: Zu der möglichen Rolle einer bestimmten US-Militärbasis haben wir uns bereits geäußert. Ich würde vorschlagen, diese Frage direkt an das Auswärtige Amt zu richten. Was die Rolle Deutschlands in diesem Konflikt angeht, so muss ich ehrlich sagen, dass ich mir nicht vorstellen kann, welche konstruktive Rolle Berlin derzeit spielen könnte oder wollte. Ein Grund dafür ist, dass das Massaker an der Grundschule in Minab von deutscher Seite bis heute nicht verurteilt wurde. Ein weiterer Grund ist, dass die Bundesregierung zu der Aggression gegen mein Land keine klaren völkerrechtlichen Bedenken geäußert hat. Unter diesen Umständen sehen wir derzeit keine Grundlage für einen sinnvollen Dialog. Worüber sollten wir sprechen? Über ein Kriegsende? Solange die andere Seite diese Haltung beibehält, hat es für uns leider keinen Sinn, über die Beendigung eines Krieges zu verhandeln, der uns aufgezwungen wurde.

Unser Verhältnis zur Bundesrepublik Deutschland war früher anders. Deutschland war beispielsweise während der Verhandlungen zum Atomabkommen (JCPOA) einer der wichtigsten Unterstützer für eine diplomatische Lösung. Damals standen wir im regelmäßigen Kontakt und Dialog. Die gegenwärtige Situation ist jedoch eine völlig andere.

Es gab bereits zweimal Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm. Jedes Mal fühlte sich der Iran hintergangen und wurde letztlich angegriffen. Warum wurde der Fehler, denselben Parteien erneut zu vertrauen und sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen – von Partnern kann man kaum sprechen – wiederholt? Wie schätzt Teheran die daraus resultierende Situation ein, wenn den Aggressoren offensichtlich kein Vertrauen geschenkt werden kann?

Majid Nili Ahmadabadi: Dass wir uns erneut auf indirekte Gespräche mit der amerikanischen Seite eingelassen haben, unterstreicht unseren Vorrang für Diplomatie gegenüber militärischer Konfrontation. Das wollten wir noch einmal betonen. Wie Sie und wir nun wissen, waren diese Erfahrungen jedoch nicht positiv, das ist korrekt.

Unsere historische Erfahrung mit den USA oder einigen westeuropäischen Ländern ist grundsätzlich negativ geprägt: Der von den USA unterstützte Staatsstreich von 1953 im Iran, illegale Sanktionen nach der Revolution von 1979 und während des achtjährigen Krieges mit dem Irak, die wir als Wirtschaftsterrorismus bezeichnen, und schließlich die große Nuklearlüge, die vorgebracht wurde, um den Iran zu dämonisieren – obwohl es schließlich der Iran war, der einen Vorschlag für einen nuklearwaffenfreien Nahen Osten machte.

Trotz dieser negativen Erfahrungen haben wir das diplomatische Fenster offen gehalten, um zu demonstrieren, dass wir eine Nation der Diplomatie sind. Daher die erneuten Gespräche. Unsere Position für eventuelle künftige Verhandlungen ist nun jedoch absolut klar: Wir betrachten jede Behauptung der Dialogbereitschaft der anderen Seite mit großem Pessimismus. Nicht wir haben diesen Angriff begonnen. Unser früherer, wie sich herausstellte, fehlerhafter Optimismus ist vorbei. Sollte es jedoch in Zukunft Gespräche geben, wären langfristige Garantien gegen wiederholte Aggressionen sowie Entschädigungszahlungen eine essentielle Voraussetzung für unsere Verhandlungsbereitschaft.

Was ist das treibende Motiv für diesen Krieg gegen den Iran? Geht es den Angreifern primär um Ressourcen, um das zionistische Projekt eines “Großisraels”, oder soll von anderen Skandalen abgelenkt werden? Warum erfolgt der Angriff jetzt, obwohl Pläne wie der des Pentagons, sieben Länder in fünf Jahren anzugreifen – wobei der Iran auf der Liste stand – schon länger bekannt waren?

Majid Nili Ahmadabadi: Stellen wir uns die Konstellation an einem Tisch vor: Auf der einen Seite das israelische Regime und die USA, auf der anderen der Iran. Das Ziel des israelischen Regimes ist klar: bewusste Desintegration und Spaltung in Westasien. Sie haben diesen Krieg begonnen und versuchen, Spaltung innerhalb des Iran zu säen. Das politische Überleben Netanjahus hängt von anhaltenden Spannungen und Konflikten in der Region ab. Auf der anderen Seite des Tisches sitzen die USA unter Trump. Interessanterweise scheint selbst Trump nicht genau zu wissen, warum er diesen Krieg begonnen hat, was das konkrete Ziel ist oder wie ein Ausweg aussehen soll – das zeigt sich in seinen täglichen, ja halbtäglichen Äußerungen.

Der Iran hingegen kennt seine Position sehr genau. Wir werden die Aggressoren – das US-amerikanische und das israelische Regime – mit Entschlossenheit und Stärke konfrontieren und uns bis zum Ende

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