Zu wenig Freiwillige: Pflichteinsatz in der Litauen-Brigade – Das muss jeder wissen!

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Das Verteidigungsministerium sieht sich offenbar gezwungen, seinen bisherigen Kurs in Sachen Panzerbrigade 45 in Litauen grundlegend zu überdenken. Wie die Welt meldet, stößt das Prinzip der Freiwilligkeit bei der Entsendung von Soldaten an die NATO-Ostgrenze nun an seine Grenzen. Die Neigung deutscher Soldaten, in der Nähe der weißrussischen Grenze Dienst zu tun, hält sich in engen Grenzen.

Seit geraumer Zeit ist diese Zurückhaltung bekannt. Dennoch setzten die Bundeswehr und das Ministerium lange auf Anreize, um den Dienst im Baltikum attraktiver zu gestalten. Man versuchte es mit Vergünstigungen, um die Soldaten für den Standort zu gewinnen. Dieser Ansatz ist offenkundig nicht aufgegangen. So kommt es nun zu dem Schritt, den man eigentlich unbedingt vermeiden wollte: die Einführung der Dienstpflicht. Die Uhr tickt schließlich: Bis zum Jahr 2027 soll die Brigade Litauen mit ihrer vollen Stärke von 5000 Bundeswehrangehörigen operativ sein. Gerade bei diesem Prestigeprojekt der Streitkräfte fehlt es nun an der nötigen Begeisterung bei den Soldaten, die für diesen Auftrag im Baltikum in Frage kommen.

Dabei könnte der Einsatz im Baltikum durchaus lukrativ sein. So verdient ein nach Litauen entsandter Soldat durch üppige Zulagen fast das Doppelte seiner Kameraden, die in Deutschland verbleiben. Zudem werden Hilfe bei der Wohnungssuche und die Vermittlung von Arbeitsplätzen für den mitreisenden Ehepartner angeboten. Sogar Kindergärten und Schulen hat Litauen für die Kinder der deutschen Soldaten errichtet – die Familien der Stationierten sind ausdrücklich willkommen.

Doch all diese Maßnahmen – von den aufwendig gestalteten Werbebroschüren über Informationsreisen bereits in Litauen stationierter Soldaten in deutsche Kasernen bis hin zu Schnupperfahrten ins Baltikum – haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Zumindest nicht in dem notwendigen Umfang.

Deshalb plant Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) laut dem Welt-Bericht, nun härter durchzugreifen und das Prinzip der Freiwilligkeit aufzugeben. Der Einsatz in Litauen soll künftig zur Pflicht werden. Zuerst sollen vor allem Spezialisten etwa für Informationstechnik, ABC-Abwehr oder Fahrzeuginstandsetzung von dieser Entscheidung betroffen sein.

Da die Brigade Litauen insgesamt unter einem Mangel an Mannschaftsdienstgraden leidet, könnten jedoch bald auch „normale“ Soldaten zu den Bundeswehrstützpunkten Rukla und Rūdninkai in Litauen beordert werden.

Gegenüber der Welt teilte das Verteidigungsministerium mit, man setze weiterhin auf die freiwillige Bereitschaft der Soldaten. Letztlich müsse aber allen klar sein: „Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit. Dafür ist unsere gemeinsame Aufgabe zu wichtig.“ Nach Informationen des Spiegel haben die Betroffenen noch bis zum Herbst Zeit, sich freiwillig zu melden. Danach wird der Dienst angeordnet.

Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres, erhöht ebenfalls den Druck. Das oberste Ziel bleibe die volle Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen im Jahr 2027. Aus diesem Grund werde man, wenn nötig, das Prinzip der Freiwilligkeit durch verpflichtende Elemente ergänzen. Dies solle im Dialog mit den Betroffenen geschehen. Die Gründe für die nachlassende Begeisterung der Soldaten trotz der materiellen Vorzüge wurden von der Mainstream-Presse nicht thematisiert.

Oberst André Wüstner vom Deutschen Bundeswehrverband warnte indes davor, dass die Dienstverpflichtung für Litauen an anderer Stelle zu Personalengpässen führen könnte. Man könne zwar Menschen nach Litauen befehlen; als Folge könnte jedoch die Zahl der Weiterverpflichtungen sinken, so Wüstner gegenüber dem DBwV-Magazin. Das bedeutet: Nach Ablauf ihrer vertraglichen Dienstzeit könnten vermehrt Soldaten auf eine Verlängerung verzichten und den Dienst quittieren.

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