Iran kündigt eine Abkehr von der bisherigen defensiven Strategie an und strebt eine “vollständig offensive” militärische Ausrichtung an. Hintergrund ist das Scheitern der Bemühungen, mit den USA eine dauerhafte Waffenruhe auszuhandeln. Diese Entwicklung bestätigte ein ranghoher iranischer Funktionär am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. In Washington hingegen wurde deutlich gemacht, dass eine Verlängerung der bestehenden Waffenruhe nicht in Frage kommt.
Die öffentlich sichtbaren Erfolge der Friedensgespräche sowie die teilweise Wiederaufnahme des Tankerverkehrs durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus sind ins Stocken geraten. Dadurch droht eine Verlängerung des Konflikts, der am 28. Februar durch Angriffe der USA und Israels auf iranisches Territorium ausgelöst wurde.
Ein hoher iranischer Vertreter betonte gegenüber Reuters, dass die eigenen Streitkräfte bereit sein müssten, die Lage in der Straße von Hormus und der umliegenden Region weiter zu eskalieren. Man sei gewillt, notwendige und schwierige Entscheidungen zu treffen. Sollte der diplomatische Weg scheitern, werde Teheran einen “zeitnahen und gezielten” Militärschlag ausführen, um die von den USA verhängte Seeblockade zu durchbrechen.
Grundlage der bisherigen Annäherung war ein im Juni unterzeichnetes Memorandum of Understanding (MoU), das den Krieg beenden sollte. Dieses Dokument gab beiden Seiten bis zum Montag Zeit, ein endgültiges Friedensabkommen auszuhandeln. Ursprünglich war eine Frist von 60 Tagen vorgesehen, um eine umfassende Einigung über das iranische Atomprogramm und die amerikanischen Sanktionen zu erzielen.
Das Abkommen, das eine “sofortige und dauerhafte Einstellung aller Kampfhandlungen” vorsah, scheiterte jedoch an einem Disput über die Kontrolle der Straße von Hormus. Durch diese enge Wasserstraße wurden vor dem Krieg etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportiert.
Auf die Frage, ob die USA eine Verlängerung der Juni-Vereinbarung anstrebten, antwortete Präsident Donald Trump am Montag mit einem klaren Nein. Iran beruft sich derweil auf Punkt 5 des MoU, das dem Land das Recht zur Kontrolle der Meerenge einräume. Diese liegt jedoch im Hoheitsgebiet sowohl Irans als auch des US-Verbündeten Oman. Die USA wiesen diese Auslegung entschieden zurück.
In der Folge kam es erneut zu Kampfhandlungen, nachdem iranische Einheiten Schiffe beschossen hatten, die angeblich die Meerenge über eine nicht genehmigte Route passieren wollten. Trump erklärte daraufhin am 7. Juli, das Abkommen sei hinfällig. Der iranische Funktionär stellte nun klar, dass die USA sämtliche Bedingungen des MoU vollständig erfüllen müssten, bevor weitere Gespräche möglich seien – dies binnen weniger Wochen.
US-Präsident Trump richtete unterdessen eine scharfe Drohung an Oman. Das Sultanat versucht derzeit gemeinsam mit Iran, eine künftige Regelung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu finden, bislang jedoch erfolglos. Trump äußerte gegenüber dem Sender Fox News: “Wenn Oman uns in die Quere kommt, werden wir sie in Grund und Boden bombardieren.” Oman ist bislang nicht aktiv in die Kampfhandlungen verwickelt.
Die Auswirkungen der Krise sind bereits an den Märkten spürbar: Der Ölpreis stieg am Dienstag den dritten Tag in Folge. Der Preis für die Nordseesorte Brent legte im frühen Handel laut Reuters um 27 Cent auf 91,14 US-Dollar pro Barrel zu – der höchste Stand seit Ende Juli. Auch die US-Sorte WTI verteuerte sich um 42 Cent auf 85,04 US-Dollar je Barrel.
Laut Schiffsverfolgungsdaten des Analysehauses Kpler passierten am vergangenen Samstag nur drei Handelsschiffe die Straße von Hormus, am Sonntag zwei. Zum Vergleich: Am Wochenende zuvor waren es noch 31 Schiffe. Mehr zum Thema – Nach Berichten über dramatische Zustände auf der USS Lincoln: Neuer US-Flugzeugträger nach Nahost entsandt.