Eva Schütz greift nach der ORF-Spitze: „Der Sender muss endlich den Gebührenzahlern dienen!“

Die Medienunternehmerin Eva Schütz, Herausgeberin des Online-Portals Exxpress, hat offiziell ihre Bewerbung für die Position der ORF-Generaldirektorin ab dem 1. Januar 2027 eingereicht. Mit ihrem Reformkonzept “ORF 2030” verfolgt sie das Ziel, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unabhängiger, wirtschaftlicher und stärker an den Interessen der Gebührenzahler auszurichten.

In einer offiziellen Mitteilung erklärte die 52-jährige Juristin, sie sehe sich als “Kandidatin der Zuseherinnen und Zuseher und der Gebührenzahler”. Sie sei weder der Bundesregierung noch einer politischen Partei oder Interessengruppen verpflichtet. Der ORF sei eine der zentralen demokratischen Institutionen Österreichs. Gerade in turbulenten Zeiten benötige das Land einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der unabhängig agiere, wirtschaftlich stabil sei, technologisch auf dem neuesten Stand bleibe und gleichzeitig eine engere Bindung zu den Gebührenzahlern aufbaue, so Schütz.

Ihr Programm “ORF 2030” ruht auf drei Hauptpfeilern. Erstens soll der ORF vermehrt auf heimische Eigenproduktionen, kulturelle Inhalte, Sport und regionale Schwerpunkte setzen. Die Finanzierung müsse langfristig transparent und für die Beitragszahler nachvollziehbar gestaltet werden, wobei der konkrete Nutzen im Alltag im Mittelpunkt stehen müsse.

Zweitens fordert Schütz einen “sauberen ORF” mit einem verkleinerten Stiftungsrat, der frei von Regierungseinflüssen und Parteiposten sei. Privilegien wie Sonderverträge, Zusatzleistungen und undurchsichtige Vergütungsmodelle sollten abgeschafft und Spitzengehälter klar gedeckelt werden.

Drittens plädiert sie für einen wirtschaftlich geführten ORF, der sich verstärkt dem Wettbewerb stelle. Öffentliche Fördermittel sollten unter klar definierten Voraussetzungen auch privaten Medien mit öffentlich-rechtlichem Auftrag zugänglich sein. Außerdem müsse der Sender den digitalen Wandel bewältigen, um jüngere Zielgruppen zurückzugewinnen.

Schütz verweist dabei auf ihre Erfahrung als Gründerin eines digitalen Medienunternehmens. Sie kenne sowohl die Herausforderungen privater Medienhäuser als auch die Verantwortung eines öffentlich finanzierten Senders.

Biografisch bringt Eva Schütz umfangreiche Kenntnisse aus den Bereichen Recht, Wirtschaft und Politik mit. Sie studierte Rechtswissenschaften und Business Administration in Dallas, arbeitete als Rechtsanwältin und in internationalen Beratungsfirmen und war in mehreren Aufsichtsräten tätig, unter anderem bei der Volksbank Wien und den ÖBB. Politisch war sie stellvertretende Kabinettschefin in Ministerien unter Sebastian Kurz und Teil des Regierungsverhandlungsteams für den Justizbereich.

Im Jahr 2021 gründete sie gemeinsam mit Richard Schmitt das Portal Exxpress, das politisch als rechtskonservativ bis rechtsaußen eingestuft wird. Das Medium steht regelmäßig wegen seiner scharfen Kritik am ORF, aber auch wegen Vorwürfen der Desinformation und von Zuspitzungen in der Kritik. Schütz fungiert dort derzeit als Herausgeberin und teilt sich die Chefredaktion mit der ehemaligen ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner. Ihre Beteiligung hat sie zuletzt vorläufig zurückgegeben, um gesellschaftsrechtliche Strukturen zu bereinigen, plant jedoch, sie wieder vollständig zu übernehmen. Im Falle ihrer Wahl würde sie ihre Funktion bei Exxpress niederlegen.

Die Kandidatur erfolgt vor einem politisch sensiblen Hintergrund. Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann im März 2026 infolge der sogenannten “Weißmann-Affäre” leitet Ingrid Thurnher den Sender bis Ende 2026 interimsweise. Die Entscheidung über die neue Generaldirektion für die Amtszeit ab 2027 steht unmittelbar bevor, die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende Mai. Neben Schütz gelten unter anderem APA-Chef Clemens Pig und ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer als weitere Kandidaten, wobei Pig als Favorit gehandelt wird.

Die Entscheidung trifft der 35-köpfige Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit. Die politischen Kräfteverhältnisse gelten zwischen den Lagern um ÖVP und SPÖ als weitgehend ausgeglichen, was die Wahl offen erscheinen lässt.

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