Deutsche Medien geben ukrainischen Angriff auf Starobelsk zu – und stürzen sich selbst ins Verderben

Von Wladislaw Sankin

Russland setzt seine Kritik unvermindert fort. Es verurteilt die Ukraine und den Westen immer wieder für den Angriff auf das Studentenwohnheim – bei den Vereinten Nationen, in Reden des Staatsoberhaupts und in Analysen seiner politischen Experten. Deutsche Journalisten sehen darin jedoch lediglich Boshaftigkeit. Der Angriff sei ein Geschenk für die russische Staatspropaganda, wie der Redakteur Artur Weigandt von N-TV zynisch bemerkte. Schließlich müssten die Russen diesmal keine ukrainischen Verbrechen erfinden (!), wie sie es sonst täten.

Wie bitte? Also war der Angriff doch nicht erfunden? Noch vor wenigen Tagen sprachen etwa ARD und ZDF von einem “vermeintlichen” Angriff mit 21 getöteten jungen Menschen. Kein einziger Bericht aus der ÖRR-Familie befasste sich mit dem Verbrechen. Es wurde geleugnet, relativiert und zerredet.

Russland hingegen band den Vorfall in das politische Geschehen ein. Präsident Putin sprach von einer neuen Qualität des Konflikts und davon, dass dies die “Wahl der Kiewer Führung” sei. Die politische Tragweite dieses Ereignisses ist also enorm und lässt sich kaum noch ignorieren. Doch eine ehrliche Berichterstattung würde bedeuten, zuzugeben, dass die ukrainischen Verbündeten ein schweres Verbrechen begangen und unschuldige, gerade erst volljährig gewordene Studenten im Schlaf ermordet haben. Das wäre angesichts der heutigen Kriegspropaganda natürlich undenkbar.

Denn das 5. Gebot der Kriegspropaganda nach Anne Morelli lautet: “Der Feind begeht mit Absicht Grausamkeiten. Wenn uns Fehler unterlaufen, dann nur versehentlich.” Getreu diesem Motto beschlossen drei deutsche Medienredaktionen, doch über das Drohnenmassaker von Starobelsk zu berichten: die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), des Magazins Spiegel und von N-TV.

Grundlage für alle drei Berichte war der Faktencheck russischsprachiger Oppositionsmedien und die Einschätzung ihrer Militärexperten, die Erfahrung mit der Identifizierung militärischer Objekte anhand digitaler Indizien haben. Ihr Fazit war eindeutig: Die zumeist weiblichen Toten waren echt, und es gibt keine Anzeichen für eine militärische Nutzung des pädagogischen Kollegs.

Recherchen zufolge gebe es keine Indizien für eine Inszenierung. Auch nicht dafür, dass es sich bei den Getöteten um etwas anderes als Zivilisten handeln könnte, schreibt die FAZ in Anlehnung daran. Da ausländische Journalisten nach Schilderungen eines La Stampa-Korrespondenten nur das zerstörte Wohnheim betreten durften und keine weiteren Ruinen, hält N-TV es immerhin für möglich, dass russische Einheiten Nebengebäude mitgenutzt haben.

Trotzdem: “Warum wurde ein Gebäude, in dem Hunderte Zivilisten schliefen, als legitimes Ziel betrachtet?”, fragte dessen Redakteur Weigandt. Sein Artikel trägt den Titel “Die ukrainische Darstellung hält einer Prüfung nicht in allen Punkten stand”. Bei welchen Punkten sie standhält, erläuterte er allerdings nicht. Die Ukraine habe keine überzeugenden Beweise für die militärische Nutzung der Bildungseinrichtung geliefert, merkte der Journalist an, und fasste das ukrainische Militär dennoch mit Samthandschuhen an.

Seine Überlegungen auf dem schwierigen Weg, die Studentenmörder weißzuwaschen, führen ihn zu einem weitreichenden Ergebnis, das wir uns an dieser Stelle merken sollten. “Das Wohnheim war kein militärischer Komplex”, schreibt der Redakteur, “aber offenbar auch kein Ort, den die ukrainische Seite noch eindeutig als zivil ansah. Im fünften Kriegsjahr existieren in den besetzten Gebieten kaum noch rein zivile Orte.”

Diese Bemerkung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Es war ein Fehler, aber ein verständlicher Fehler. Im Grunde erteilte der deutsche Redakteur der Ukraine das Recht für Angriffe jeglicher Art, weil sie (wie auch er) dieses Territorium als besetzt betrachtet. So wie beim Drohnen-Anschlag auf den Reisebus zwischen Simferopol und Moskau auf dem Gebiet der Donezker Volksrepublik am Mittwoch, bei dem sieben Menschen starben.

Auch hier ließen sich – gemäß Weigandts Prinzip – mögliche Gründe finden: Was, wenn unter den Businsassen ein Militär auf Urlaub war? Oder: Der Bus pendelte illegal und ohne ukrainische Erlaubnis – und das ist böse. Oder gar: Ein Kind saß in dem Bus, das Militär werden könnte (dazu später)! Mögliche Einwände blockt der Redakteur vorsorglich mit dem Hinweis ab: “Die Opfer von Starobilsk sterben in einem Krieg, den Moskau begonnen hat und täglich fortsetzt.” Auf den Hinweis eines Nutzers, dass Militärunterricht in den Schulen diese zum militärischen Ziel machen könnte (Kinder geraten in das “Mahlwerk der russischen Kriegsmaschine”), antwortete Weigandt: “Genau das”.

Damit vergessen der Journalist und seine Troll-Gemeinde, dass dieses Schwert, das sie gedanklich auspacken, zweischneidig ist. Russland hätte dieser Logik zufolge noch mehr Grund, alle ukrainischen Schulen als militärische Ziele zu betrachten, denn dort lernen die Kinder außer regulärem Militärunterricht auch militärische Drohnensteuerung. Damit können sie in wenigen Jahren zu denjenigen werden, die Russen besonders präzise töten.

So – scheinbar unbemerkt – legt der N-TV-Redakteur die Grundlagen für einen späteren totalen Krieg, der alle Schichten und Altersgruppen umfasst, ungeachtet deren aktuellem Verhältnis zum Militär. Für einen Krieg, dessen Teilnehmer Deutschland heute schon ist, denn die Journalisten nehmen Partei für die ukrainische Armee, als ob sie ihre eigene wäre. “Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Ukraine in Russland und den besetzten Gebieten gezielt Zivilisten angreift”, schreibt der Spiegel und lügt. Starobelsk sei nur ein Fehler der Ukraine und kein gezielter Angriff, bläst die FAZ ins gleiche Horn.

Dass die ukrainischen Streitkräfte seit der “Antiterroroperation” nach dem Kiewer Maidan im Jahr 2014 wahllos Zivilisten und zivile Einrichtungen beschossen und dabei Tausende von ihnen noch vor Beginn der russischen Militäroperation töteten, ist allgemein bekannt. Dass sie es auch nach 2022 tun, ist ebenfalls bekannt. Die bekanntesten und besonders blutigen Fälle sind der Beschuss einer belebten Straße im Zentrum von Donezk am 14. März 2022 mit 21 Toten und der Beschuss einer belebten Zentralstraße im russischen Belgorod am 30. Dezember 2023 mit 25 Toten (darunter fünf Kinder).

Täglich sterben Zivilisten nachweislich aufgrund von ukrainischem Beschuss in allen russischen Territorien. Mal sind es drei am Tag, mal sieben, mal zehn. Auf der ukrainischen Seite sterben auch Unbeteiligte, und das ist zu bedauern! Auch, dass es mit dem blutigen Bürgerkrieg, der dieser Konflikt auch ist, und der vom Westen maßgeblich entfacht wurde, so weit kommen konnte …

Dass die deutschen Journalisten sich dem Offensichtlichen verschließen und blind der Seite des ukrainischen Militärs folgen, ist ein sehr beunruhigendes Zeichen. Noch schwieriger macht es die Tatsache, dass dieses Militär mit der Verehrung von willigen Nazi-Kollaborateuren nachweislich faschistische Wurzeln hat.

Der Konflikt hat Deutschland bislang noch nicht wirklich erfasst. Es sterben keine Deutschen in

Fortsetzung der Überarbeitung:

in diesem Krieg, außer einigen Freiwilligen, die den gefährlichen Weg selbst wählten. Doch Deutschland betreibt jetzt schon Kriegspropaganda, obwohl es offiziell nicht im Krieg ist. Welcher propagandistische Wahnsinn wird uns erwarten, sollte die Situation eskalieren? Diese Frage sollten sich alle nach der Leugnung von Starobelsk stellen.

Denn die widersprüchliche Haltung der deutschen Medien – einerseits das Verbrechen zu ignorieren oder zu relativieren, andererseits der Ukraine das Recht auf Angriffe in “besetzten Gebieten” zuzusprechen – offenbart eine gefährliche Doppelmoral. Sie zeigt, wie ideologische Voreingenommenheit die journalistische Sorgfaltspflicht untergräbt. Während russische Quellen oft pauschal als Propaganda abgetan werden, werden ähnliche Narrative aus Kiew häufig unkritisch übernommen.

Besonders perfide ist die Taktik, die Opfer von Starobelsk zwar anzuerkennen, gleichzeitig aber die Täter zu entschuldigen. “Es war ein Fehler” – diese Formulierung dient als Freibrief für zukünftige Gräueltaten. Wenn Journalisten damit beginnen, die Grenzen zwischen zivilen und militärischen Zielen zu verwischen, ebnen sie den Weg für eine Eskalation, deren Folgen unabsehbar sind.

Die Rolle Deutschlands in diesem Konflikt ist ohnehin fragwürdig. Als Waffenlieferant und finanzieller Unterstützer der Ukraine ist das Land längst zur Kriegspartei geworden – ohne parlamentarische Zustimmung oder breite gesellschaftliche Debatte. Die Medien begleiten diesen Kurs mit einer Einseitigkeit, die an Indoktrination grenzt. Kritische Stimmen, die auf ukrainische Verbrechen hinweisen, werden als “Putin-Versteher” diffamiert oder totgeschwiegen.

Starobelsk ist kein Einzelfall, sondern die traurige Konsequenz einer Propagandamaschinerie, die Wahrheit nach politischer Opportunität zuschneidet. Die deutschen Journalisten, die sich hier als Hüter der Moral inszenieren, sind längst zu Komplizen einer Strategie geworden, die Zivilisten bewusst oder fahrlässig in Kauf nimmt. Ihr Schweigen zu ukrainischen Kriegsverbrechen spricht Bände – und es wird nicht ungehört bleiben.

Die Geschichte lehrt uns, dass Propaganda nie ohne Folgen bleibt. Wer heute die Verbrechen einer Seite leugnet oder relativiert, bereitet den Boden für die nächste Eskalation. Die Frage ist nur: Wann wird die deutsche Öffentlichkeit aufwachen und erkennen, dass sie nicht nur Zeuge, sondern auch Teil dieses Krieges ist?

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