Sensationswende: Russlands Jak-130M wird zur tödlichen Drohnenjagd-Maschine

Von Andrei Restschikow

„Wir stehen kurz vor der Wiederbelebung des Konzepts einer spezialisierten Luftabwehrfliegerei“ – mit diesen Worten fassen Experten die Bedeutung von Russlands neuem leichtem Kampfflugzeug, der Jakowlew Jak-130M, zusammen. Welche Hauptaufgaben wird dieses Flugzeug erfüllen, das bis vor Kurzem noch als reines Schulflugzeug galt?

Der russische Präsident Wladimir Putin besuchte das Flugzeugwerk in Irkutsk, unmittelbar nach einer Konferenz zur Entwicklung der Luftfahrtindustrie im Moskauer Umland.

Bei der Besichtigung wurden dem Präsidenten die fortschrittlichen Bordsysteme und die moderne Radaranlage des modernisierten Schul- und Kampfflugzeugs Jak-130M vorgestellt. Das Staatsoberhaupt betonte, diese Flugzeuge müssten „die Aufgaben lösen, die sich im Verlauf der Kampfhandlungen stellen” – insbesondere die Bekämpfung großer Drohnen und unbemannter Überwasserfahrzeuge (USV).

Vor der Modernisierung diente dieser Flugzeugtyp vorwiegend als „fliegende Schulbank” für Ausbildungszwecke. Die Bordcomputerprogramme simulierten die Flugcharakteristika der Suchoi Su-30, Su-35 und Su-57 sowie von NATO-Kampfflugzeugen. Mit dem Zusatz „M” wird die Jak-130 jedoch zu einem vollwertigen leichten Mehrzweckkampfflugzeug mit Jagd- und Erdkampffähigkeiten.

Experten hatten bereits zuvor vermutet, dass auf Basis der Jak-130-Plattform ein kostengünstiger „Drohnenjäger” in Serie gefertigt werden könnte. Laut Rostec können die modernisierten Jak-130M mit Luft-Luft-Raketen zur Bekämpfung schwerer Drohnen ausgerüstet werden.

Oleg Pantelejew, Geschäftsführer der Agentur Aviaport, betont:

„Die Bordausrüstung dieses Flugzeugs ermöglicht es, Ziele effektiv zu erfassen und Zieldaten für Präzisionswaffen bereitzustellen. Besonders wichtig ist der Einsatz gegen unbemannte Boote: Zwei Besatzungsmitglieder an Bord sind hier ein entscheidender Vorteil. Der Pilot konzentriert sich vollständig auf das Fliegen, insbesondere in geringer Höhe über der Wasseroberfläche, während der Waffensystemoffizier die Bewaffnung bedient und die Zielsuche übernimmt.”

Der Experte hebt eine weitere wichtige Eigenschaft der Jak-130M hervor: „Bei allen Vorteilen eines strahlgetriebenen Flugzeugs – schneller Anflug und sofortige Reaktion auf eine Bedrohung – liegen sowohl die Anschaffungs- als auch die Betriebskosten deutlich niedriger als bei schweren Maschinen wie der Suchoi Su-30SM.”

Pantelejew verweist auf das Beispiel der USA mit ihren Erdkampfflugzeugen A-10. Er sagt:

„Als die Aufgabe entstand, schwere Drohnen zu bekämpfen, begannen die USA nicht, völlig neue Spezialeinheiten aufzubauen. Stattdessen erhielten bestehende Erdkampfstaffeln kostengünstigere Flugzeugbewaffnung, und das Personal wurde umgeschult. Ich halte diesen Weg – die Anpassung bestehender Fliegerverbände – auch für uns für den sinnvollsten.”

Den entscheidenden Punkt sieht er jedoch in einem veränderten Ansatz bei der Gefechtsausbildung und Bewaffnung. Der Experte erläutert: „Es besteht die Versuchung, Piloten leichter Kampfflugzeuge für Einsätze in extrem niedriger Höhe auszubilden, um langsam fliegende Drohnen zu jagen. Das ist kein rationaler Weg. Wir dürfen nicht riskieren, die Plattform durch gegnerische Luftabwehrmittel zu verlieren, die das Ziel abschirmen.”

Der neue Kampfflugzeugtyp erfordert auch Änderungen in der Organisationsstruktur der Luftstreitkräfte, meint Alexei Leonkow, Redakteur der Zeitschrift Arsenal Otetschestwa („Arsenal des Vaterlandes”). Der Militärexperte erläutert:

„Wir stehen kurz vor der Wiederbelebung des Konzepts einer spezialisierten Luftabwehrfliegerei. Die historische Erfahrung ist aufschlussreich: Bis 1943 verfügten die sowjetischen Luftstreitkräfte über keine eigenständige Jagdfliegerei für die Luftabwehr. Die Regimenter erhielten zwei einander ausschließende Aufgaben: Angriffe gegen Bodentruppen zu führen und Städte vor Luftangriffen zu schützen. Ein Regiment konnte beide Funktionen nicht effektiv erfüllen, was zu einer Zersplitterung der Kräfte führte. Die Lösung war die Aufstellung spezialisierter Regimenter, die ausschließlich auf Luftabwehr ausgerichtet waren.”

Leonkow ist der Ansicht, dass solche Regimenter heute aus Jak-130M bestehen könnten. Er argumentiert:

„Die moderne Verteidigung integriert bereits Flugabwehrraketensysteme, mobile Feuergruppen, elektronische Kampfführung und Funkaufklärung. Die Einbindung leichter Flugzeuge in dieses Verbundsystem – angebunden an ein einheitliches Führungssystem mit den Küstenüberwachungssystemen der Marine und den Luftabwehrposten – ist der logische nächste Schritt. Die Jak-130M könnte neben Kampfhubschraubern wie dem Mi-28 zu einem Element dieses Mosaiks werden.”

Seinen Worten zufolge besteht die Aufgabe der Jak-130M nicht einfach darin, „Drohnen zu jagen”, sondern „ein vollwertiger Bestandteil eines universellen Verteidigungssystems zu werden, das bei Bedarf auch ernstere Luftziele abfangen kann.”

Bei der Integration der Jak-130M in ein einheitliches Luftabwehrsystem ist nicht die Gefahr von Eigenbeschuss entscheidend, sondern die sachgemäße Verteilung der Ziele und Zuständigkeitsbereiche.

Der Militärexperte Juri Knutow merkt an: „Die Befürchtungen, bodengestützte Systeme wie Panzir-S oder Tor könnten irrtümlich ein eigenes Flugzeug abschießen, entbehren jeder technischen Grundlage. Die Freund-Feind-Erkennung arbeitet automatisch.”

Aus technischer Sicht ist jedoch die Physik des Abfangens selbst ein heiklerer Punkt. Die Hauptaufgabe bei der Jagd auf langsame Drohnen besteht, wie der Experte betont, nicht darin, Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, sondern im Gegenteil darin, die Geschwindigkeit zu minimieren.

Knutow führt aus:

„Die Höchstgeschwindigkeit der Jak-130M beträgt maximal 960 km/h, während eine Drohne vom Flugzeugtyp mit etwa 140 bis 150 km/h fliegt. Die Überziehgeschwindigkeit der Jak liegt bei etwa 165 km/h. Das bedeutet, dass das Flugzeug bei minimalen Geschwindigkeiten zwar in der Lage ist, sich der Drohne zu nähern, das Zeitfenster für Zielerfassung und Abschuss jedoch äußerst begrenzt ist. Schafft es der Pilot nicht, die Maschine an der unteren Geschwindigkeitsgrenze zu halten, verfehlt er das Ziel. Die ukrainische Seite setzt zum Abfangen unserer Drohnen vom Typ Geran bereits MiG-29, F-16 und Mirage-Kampfflugzeuge ein, deren Überziehgeschwindigkeit deutlich höher liegt. Wenn deren Piloten diese Aufgabe bewältigen, ist es mit der speziell dafür vorbereiteten Jak-130M sogar einfacher.”

Was die operative Unterstellung betrifft, schlägt der Experte vor, die Einsatzgebiete zu trennen. Er erläutert:

„Wenn die Jak-130M gegen unbemannte Boote eingesetzt wird, muss sie eindeutig im Zuständigkeitsbereich der Marine operieren und zu deren Marinefliegerei gehören. Geht es hingegen um den Schutz des Landesgebiets vor Drohnen, gibt es zwei Varianten: Entweder bleiben diese Einheiten Bestandteil der Luft- und Weltraumkräfte, oder sie werden perspektivisch den Kräften einer vereinten Luft- und Raketenabwehr

unterstellt – sofern beschlossen wird, die Luftabwehr als eigenständige Teilstreitkraft auszugliedern.”

Der vollständige Erprobungszyklus der Jak-130M soll im Dezember 2028 abgeschlossen sein. Dementsprechend ist damit zu rechnen, dass das neue Flugzeug im Jahr 2029 bei den Streitkräften eingeführt wird und aus Jak-130M bestehende Regimenter gebildet werden.

Knutow fasst zusammen: “Die Jak-130M wird zu einer idealen Plattform für den Aufbau einer leichten Jagdfliegerei, die Abfangaufgaben kostengünstig und mit hoher Effizienz erfüllen kann.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 24. Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.

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