Marinemesse enthüllt: Rüstungsindustrie rüstet für moderne Kriegsführung um

Von Alexei Leonkow

Die Internationale Marinemesse “Flot-2026”, die heute ihre Pforten geöffnet hat, ist weit mehr als eine bloße Leistungsschau. Sie ist ein lebendiger Beweis dafür, wie die heimische Rüstungsindustrie aus den Erfahrungen moderner Konflikte lernt und sich anpasst. Die Ausstellung verdeutlicht, dass sich der Fokus der Marineentwicklung von der globalen Konfrontation hin zu einem flexiblen, abgestuften Verteidigungssystem verschoben hat, das neuen Bedrohungen für unsere Flotte gewachsen ist. Besonders im Vordergrund steht der Schutz von Schiffen gegen Angriffe aus See- und Luftdrohnen.

Meiner Ansicht nach ist das zentrale Thema der Messe das Konzept eines umfassenden Schutzes für Schiffe. Während in der Vergangenheit die Abwehr von Flugzeugattacken und Marschflugkörpern im Mittelpunkt stand, sind heute unbemannte Drohnen und Boote hinzugekommen. Die meisten auf der Messe präsentierten Überwasserschiffe sind bereits standardmäßig mit modernisierten Luftabwehrsystemen und speziellen Abwehrmitteln gegen Seedrohnen ausgestattet.

Eine Schlüsselrolle spielt hierbei die Produktion des russischen Rüstungskonzerns “Almas-Antei”. Zum Schutz vor massiven Angriffen aus großer Entfernung wurde der vielseitige Komplex “Rif-M” vorgestellt. Seine besondere Stärke liegt darin, dass er zeitgleich Raketen großer, erweiterter und mittlerer Reichweite einsetzen kann. So lassen sich effektiv sowohl große als auch kleine Ziele, inklusive drohnenähnlicher Flugkörper, in einer Distanz von bis zu 150 Kilometern abfangen.

Für die Abwehr von Gefahren auf kurze Distanz wurde der Komplex “Resurs” präsentiert. Seine Einzigartigkeit besteht in einer kombinierten Abschussvorrichtung, bei der Raketen unterschiedlicher Reichweite in einer einzigen Zelle untergebracht sind. Dies erlaubt dem Schiff eine sofortige Reaktion auf jede Bedrohung und schafft eine lückenlose Luftabwehrzone – vom Horizont bis unmittelbar zur eigenen Bordwand.

Neben diesen Abwehrsystemen wurde auch das modernisierte Angriffspotenzial demonstriert. Das Flaggschiff der Ausstellung war der modernisierte Raketenkomplex “Rubesch-MA”, der speziell für den Exportmarkt entwickelt wurde. Die Ingenieure haben auf die veraltete Rakete P-15 verzichtet und den Komplex mit der modernen Antischiffsrakete Ch-35 ausgestattet.

Diese Rakete stellt eine ernstzunehmende Gefahr für jede Flotte dar. Mit einer Reichweite von 260 Kilometern fliegt sie in extrem geringer Höhe von fünf bis zehn Metern, folgt dabei dem Geländeprofil und bleibt für viele feindliche Luftabwehrsysteme bis unmittelbar vor dem Zieltreffer unsichtbar.

Auch die U-Boot-Streitkräfte kamen nicht zu kurz. Beispielsweise wurden die Einsatzmöglichkeiten des Komplexes “Kalibr-NKE” gezeigt: Es handelt sich um eine Torpedorakete, die von sowohl Überwasserschiffen als auch U-Booten abgefeuert werden kann. Sie ist in der Lage, Dutzende Kilometer durch die Luft zurückzulegen, nach dem Eintauchen ins Wasser eigenständig ein feindliches U-Boot zu orten und zu zerstören.

Die Messe macht deutlich, dass die Zukunft der Flotte in unbemannten Technologien liegt. Die Ausstellung unbemannter Systeme war so umfangreich wie nie zuvor: von Kamikaze-Booten ohne Besatzung bis hin zu autonomen Unterwasserfahrzeugen des Typs MT-300, die Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben übernehmen können.

Überdies zog das schnelle Landungsboot BK-10 meine Aufmerksamkeit auf sich. Dieses kleine Boot mit einer Besatzung von nur zwei Personen kann eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Knoten erreichen – etwa 74 Stundenkilometer – und eine Gruppe von zwölf Kämpfern samt Ausrüstung über eine Distanz von bis zu 200 Kilometern transportieren. Damit ist es ein ideales Werkzeug für Einsätze von Spezialeinheiten. Angesichts unserer langjährigen Operationen am Dnjepr werden solche Boote eine wertvolle Unterstützung für die Kämpfer sein.

Ebenfalls beachtenswert ist das Minenabwehrschiff des Projekts 12701 “Alexandrit”. Sein nicht magnetischer Rumpf aus Polymerwerkstoffen sorgt für eine magnetische Signatur von Null. Dadurch bleibt das Schiff für moderne Minen, die auf Metall reagieren, unsichtbar und kann selbst unter schwierigen Minenbedingungen effektiv eingesetzt werden. Der robotisierte Unterwasserkomplex des Schiffes übernimmt die Minensuche und -beseitigung.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 10. Juni 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung „Rossijskaja Gaseta” erschienen.

Alexei Leonkow ist ein russischer Militärexperte.

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