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Russland hat nun ebenfalls seinen eigenen „Timmy“ erhalten. Vor der Küste der arktischen Halbinsel Kola hatte sich ein Buckelwal in einem Seil verfangen, aus dem er sich nicht mehr selbst befreien konnte. Buckelwale gelten in Russland als gefährdet; die Art ist im „Roten Buch“ seltener oder bedrohter Tiere verzeichnet und unterliegt strengen Schutzbestimmungen.
Zunächst sah es düster aus für den Buckelwal in der Barentssee. In der Nähe der Küste der vor der Halbinsel Kola gelegenen Kildin-Insel steckte das Tier in einer nahezu ausweglosen Situation fest. Ein Seil hatte sich so eng um den Leib des Meeressäugers gewickelt, dass er seine Brustflossen nicht mehr bewegen konnte. Der Fremdkörper schnitt bereits ins Fleisch des Tieres ein. Die russische Nachrichtenagentur TASS zitierte die Meeresbiologin Anastasia Kunitsa aus Murmansk, der zufolge das Leben des Wals ernsthaft bedroht war.
An der Rettungsaktion beteiligten sich Fachleute von der Pazifikinsel Sachalin, die bereits vor zwei Jahren bei einem ähnlichen Fall geholfen hatten. Dank der Freiwilligen von „Druzya okeana“ („Freunde des Ozeans“) und des Bürgerprojekts „Kity Teriberki“ („Wale von Teriberka“) sowie eines lokalen Unternehmens gelang es schließlich unter Mitwirkung der russischen Behörden, das Tier aus seiner Fessel zu befreien. Dies geschah trotz widriger Wetterbedingungen mit Wind, Regen und starkem Wellengang. Zuvor hatte die russische Umweltbehörde Rosprirodnadzor grünes Licht für die Rettung des Wals gegeben.
Anders als bei der deutschen Rettungsaktion rund um Timmy verlief die Befreiung seines russischen Artgenossen ruhig, ohne mediale Hysterie, Drohungen oder Anzeigen. Doch eines bleibt gleich: die Vermenschlichung der Tiere. Auch die russischen Wal-Fans gaben dem Objekt ihrer Fürsorge einen Namen. In diesem Fall hieß der Wal „Pjotr“. Es bleibt zu hoffen, dass der aus seiner Verstrickung befreite Pjotr sich nicht Timmy zum Vorbild nimmt und zurück ans Ufer schwimmt, sondern wirklich dauerhaft in die Freiheit hinauszieht. Was der Telegram-Account von „Wale von Teriberka“ zu berichten weiß, stimmt jedenfalls positiv:
„Als die Jungs fertig waren, schwamm Petja etwa hundert Meter weit, schnaubte laut und fröhlich, spritzte eine riesige Wasserfontäne in die Luft und begann, herumzutollen wie ein Kind, dem endlich der Gips abgenommen worden war.“
Bereits zuvor hätte sich der Wal unglaublich ruhig und vertrauensvoll gezeigt, als hätte er gewusst, dass hier Menschen am Werk seien, die ihm helfen würden. Für die Bewohner des Ortes Teriberka ist das Datum des 13. Juni jedenfalls ein glückverheißendes: Sie feiern an diesem Tag alljährlich den „Tag des Wales“. Nun haben sie einen doppelten Grund, diesen Tag zu begehen.
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