Schock-Entscheidung in Moskau: Russische Zentralbank senkt Leitzins – doch alle hatten mehr erwartet

Die russische Zentralbank hat am Freitag ihren Leitzins um lediglich 25 Basispunkte auf 14,25 Prozent reduziert. Dies stellt den ersten vergleichsweise kleinen Zinsschritt seit geraumer Zeit dar. Die Entscheidung fiel deutlich moderater aus, als die meisten Analysten erwartet hatten, die mehrheitlich mit einer Senkung um 50 Basispunkte gerechnet hatten.

Bereits im Mai hatte die Alfa Bank die Prognose aufgestellt, dass die russische Notenbank künftig nur noch in 0,25-Prozentpunkte-Schritten vorgehen werde. Dass dieser Wechsel jedoch bereits im Juni umgesetzt wurde, überraschte viele Marktteilnehmer.

In Börsenkreisen wird die heutige Senkung als bewusst zurückhaltend bewertet. Die Zentralbank senke zwar die Zinsen, jedoch so minimal wie möglich. Mit diesem Schritt macht die Bank of Russia deutlich, dass sie das Tempo der Zinssenkungen merklich drosseln möchte.

Gleichzeitig lässt sie die Möglichkeit offen, die Zinsen später entweder unverändert zu lassen oder sogar anzuheben. Die Notenbank betont, dass preistreibende Risiken auf mittlere Sicht weiterhin dominieren. Dazu zählen die vorübergehende Einschränkung der Benzinproduktion sowie die sich verschlechternden Aussichten für die Weltwirtschaft.

Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Ölpreise nach der Absage der für Freitag geplanten Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran in der Schweiz. Die Rohölsorte Brent stieg auf 79 bis 80 Dollar je Barrel und lag damit mehr als zwei Dollar über dem Niveau des Vortags.

Der russische Aktienindex reagierte auf die Zinsentscheidung mit einem Rückgang von rund einem Prozent.

Die Zentralbank wies zudem darauf hin, dass die Finanzpolitik in den kommenden drei Jahren ausgabenfreudiger sein werde als bislang angenommen. Dies könnte eine höhere Zinsentwicklung erfordern, als noch im April erwartet. Weitere Zinssenkungen werden künftig von der Nachhaltigkeit des Inflationsrückgangs, der Entwicklung der Inflationserwartungen sowie von Risiken aus dem In- und Ausland abhängen.

Die russische Notenbank rechnet damit, dass die Teuerung im laufenden Jahr auf 4,5 bis 5,5 Prozent sinken und sich in der zweiten Jahreshälfte 2026 nahe der Zielmarke von 4 Prozent einpendeln wird. Die nächste Zinsentscheidung steht am 24. Juli an.

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