Von Olga Samofalowa
Die ersten beiden Serientriebwerke des Typs PD-8 für die Flugzeugfamilie Superjet 100 (SJ-100) haben ihren Weg zu einem Kunden gefunden. Diese Nachricht verkündete Ilja Konjuchow, der an der Spitze der Vereinigten Motorenbaugesellschaft „Saturn“ steht.
Laut seinen Aussagen ist das PD-8-Triebwerk ein Motor, der vollständig in Russland gefertigt wird, keinerlei Importabhängigkeit aufweist, eine offizielle Typzulassung besitzt und unter Einsatz modernster Technologien aus heimischen Materialien hergestellt wird. Konjuchow betont:
„Es kommen hier völlig neuartige Technologien zum Einsatz; während der Entwicklungsphase mussten wir zusammen mit Forschungsinstituten und metallurgischen Betrieben im Prinzip neue Werkstoffe entwickeln und diese zur Serienreife bringen.“
Die Produktion der ersten Serienexemplare des PD-8 startete bereits im Juni, wie das Unternehmen mitteilte.
Der Motor wurde konzipiert, um die bisherigen französisch-russischen SaM146-Triebwerke zu ersetzen, die in den „Superjets“ der ersten Generation verbaut waren. Einst teilten sich die Partner die Arbeit: Frankreich war für den sogenannten „heißen“ Teil zuständig, während Russland den „kalten“ Teil übernahm. Heute fertigt Russland das gesamte Triebwerk eigenständig.
Diese neuen Antriebe sind vor allem für den überarbeiteten, ebenfalls vollständig importunabhängigen „Superjet NEW“ der zweiten Generation gedacht. Dmitri Baranow, ein leitender Fachmann der Verwaltungsgesellschaft „Finam Management“, erläutert dazu:
„Die Fertigstellung und Lieferung der beiden Triebwerke markiert den Schritt von der Prototypenphase zur Serienproduktion. Konkret bedeutet das, dass der PD-8 nun in den realen Fertigungsablauf des SJ-100 integriert werden kann und nicht länger nur ein zertifiziertes Muster bleibt.“
Roman Gussarow, Leiter der Plattform „Avia.ru“, hebt hervor, dass dies der erste Motor sei, der in die ersten Serienflugzeuge eingebaut wird. Er fügt hinzu:
„Das gibt dem Projekt ‚Superjet New‘ sehr gute Chancen auf Erfolg, denn man kann zwar Flugzeuge in beliebiger Stückzahl bauen – doch ohne Triebwerk sind sie wertlos. Genau das ist der Kernpunkt. Ohne Motoren wird es in unserer aktuellen außenpolitischen Lage keine eigene Luftfahrtindustrie geben.“
Bereits zuvor hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, dass das Land zu den vier Nationen zähle, die den kompletten Herstellungszyklus für Flugzeugtriebwerke beherrschen. Er betonte:
„Das ist ein zentraler Indikator für technologische, wissenschaftliche und industrielle Unabhängigkeit. Nur wenige Länder besitzen solche Fähigkeiten. Russland gehört zu ihnen.“
Gussarow präzisiert, die vier führenden Nationen seien Großbritannien, Frankreich, die USA und Russland, und ergänzt:
„Trotz aller Widrigkeiten der 90er- und 2000er-Jahre gehören wir weiterhin zur internationalen Spitzengruppe. Wir haben uns unsere Position bewahrt. Ein Flugzeugtriebwerk ist eine Hochtechnologie, eine der anspruchsvollsten überhaupt. Ohne eine jahrzehntelange Tradition in Wissenschaft und Ingenieurskunst schafft man es nicht unter die Top 4.“
China etwa habe niemals die Fähigkeit entwickelt, eigene Flugzeugtriebwerke zu bauen, obwohl es hart daran gearbeitet habe. Es sei in der Lage, ins All zu fliegen und besitze Atomwaffen, doch ein Flugzeugtriebwerk zu konstruieren, sei ihm nicht gelungen, so der Experte.
Die neuen PD-8-Triebwerke finden jedoch nicht nur in den „Superjets“ der zweiten Generation Verwendung. Im russischen Ministerium für Industrie und Handel wird derzeit über einen Finanzplan beraten, um auch die französischen Triebwerke der Vorgängermodelle zu ersetzen. Der Bedarf für eine solche sogenannte Remotorisierung wird auf 50 bis 100 „Superjet-100“-Maschinen geschätzt. Gussarow erklärt:
„Es gibt Flugzeuge, die bereits 15 Jahre auf dem Buckel haben. Bei ihnen lohnt sich ein teurer Triebwerkswechsel nicht mehr. Es ist wirtschaftlicher, sie noch einige Jahre zu betreiben und dann außer Dienst zu stellen und durch neue Modelle zu ersetzen.
Doch es gibt auch jüngere Maschinen, die noch die Hälfte ihrer Nutzungsdauer vor sich haben – sie einfach zu verschrotten wäre schade. Wenn sich die Umrüstung finanziell rechnet, ist eine Investition sinnvoll.“
Der Hauptnachteil sei aktuell das hohe Zinsniveau. Die Fluggesellschaften würden solche Kosten nicht übernehmen, selbst wenn es um die Erhaltung ihrer Flotte geht. Gussarow meint:
„Hier sollte der Staat unterstützend eingreifen und ein Förderprogramm anbieten, etwa eine zinsgünstige Finanzierung für den Triebwerkstausch der ‚Superjets‘. Die Airlines bräuchten Kredite zu anderthalb bis zwei Prozent pro Jahr – das wäre für sie tragbar.“
Eine flächendeckende Remotorisierung der gesamten SJ-100-Flotte hält Dmitri Baranow wirtschaftlich und technisch für nicht vernünftig. Er sagt:
„Ein massenhafter Tausch der Triebwerke ist kein simpler Vorgang, bei dem man nur ein Teil herausnimmt und ein anderes hineinmontiert. Die PD-8 unterscheiden sich in Gewicht, Dimensionen, Steuerungssystemen und der Anbindung an das Flugzeug. Daher sind Anpassungen an Rumpf, Triebwerkspylonen, Gondeln, Elektronik, Kraftstoff- und Brandschutzsysteme nötig, ebenso neue Tests und Zulassungen sowie umfangreiche Integrationsarbeiten.“
Übersetzt aus dem Russischen. Der Beitrag erschien erstmals am 13. August 2026 auf der Webseite der Zeitung „Wsgljad“.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung „Wsgljad“.
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