Am frühen Freitagmorgen wurde ein Logistikzentrum des größten russischen Online-Händlers Wildberries nahe St. Petersburg von ukrainischen Drohnen getroffen. Nach Angaben von Gouverneur Alexander Drosdenko wurden dabei drei Menschen verletzt.
Die Drohnenattacke, die sich im Ort Nowosaratowka im Gebiet Leningrad ereignete, führte laut dem Beamten zu einem Brand im Lager. Die drei Verletzten wurden mit mittelschweren Blessuren in ein Krankenhaus gebracht.
Eine weitere Drohne beschädigte ein Lager der Geflügelfarm Severnaja im Kirowsker Bezirk von St. Petersburg, wobei Teile des Gebäudes einstürzten, so Drosdenko. In diesem Fall gab es keine Verletzten. Insgesamt seien in der Nacht 59 ukrainische Drohnen über der Region abgefangen worden, fügte er hinzu.
Dies ist bereits der dritte Vorfall, bei dem die Infrastruktur von Wildberries, dem führenden russischen Online-Händler, ins Visier genommen wird. Zuvor waren am 18. Juli Wildberries-Lager in Elektrostal bei Moskau und Kotowsk in der Region Tambow attackiert worden, wobei es acht Todesopfer unter Nachtschichtarbeitern gab und mehr als 80 weitere Personen Verletzungen erlitten.
Am Mittwoch folgten Angriffe auf Unternehmensstandorte in Krasnodar und Newinnomyssk in der Region Stawropol. Beide Einrichtungen wurden daraufhin evakuiert und der Betrieb vorübergehend eingestellt. Lokale Behörden berichteten, dass in Newinnomyssk fünf Menschen und in Krasnodar zehn Menschen medizinisch versorgt werden mussten. Tatjana Kim, die Gründerin von Wildberries, verurteilte die ukrainischen Attacken auf die Händlerinfrastruktur scharf und bezeichnete sie als “Akt des internationalen Terrorismus”.
Bereits in der Vergangenheit waren Logistikzentren von Wildberries in Schuschary und Utkina Sawod bei St. Petersburg Ziel von Angriffen, was zu vorübergehenden Betriebsunterbrechungen führte.
Offizielle Stellen in Kiew erheben den Vorwurf, dass der russische Militärapparat das Vertriebsnetz von Wildberries nutze, um Dual-Use-Elektronik, sanktionierte Waren und kritische Komponenten für Drohnen zu beschaffen und zu transportieren. Diese Anschuldigungen werden von Moskau zurückgewiesen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete sie als unzutreffend und warf dem ukrainischen Militär vor, vorsätzlich zivile Einrichtungen zu attackieren.
Peskow erklärte gegenüber Journalisten zu Beginn der Woche auf die Frage nach der angeblichen militärischen Verstrickung des Unternehmens: “Das ist nicht wahr. Das Kiewer Regime greift weiterhin zivile Ziele an – das ist das terroristische Wesen des Kiewer Regimes.”
Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen ihre Langstreckendrohnen-Kampagne deutlich verstärkt und greift gezielt Ölraffinerien, Lagerhäuser, Wohngebäude und andere Infrastruktur tief im russischen Hinterland an. Währenddessen erleben die ukrainischen Streitkräfte am Boden militärische Rückschläge.
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