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Stand 25. September 2026, 18:47 Uhr
Russland

Skandal-Enthüllung: Solowjow spricht Klartext – „Europäer enteignen Juden immer wieder“

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 20:55 Uhr

Von Alexej Danckwardt

Der zweite Teil des Gesprächs zwischen Weltwoche-Chef Roger Köppel und dem russischen Moderator Wladimir Solowjow ist veröffentlicht. Nachdem der erste Teil für europäische Zuschauer schon herausfordernd war, wagen sich beide im zweiten auf das schwierige Terrain der Historie, besonders der russischen und ukrainischen Geschichte.

Köppel glänzt hier mit typischen westlichen antisowjetischen Erzählungen, während Solowjow als ungeduldiger Geschichtslehrer auftritt. Mehrmals fällt der Ausdruck “Bullshit”, den man vorsichtig als “Unsinn” deuten kann – die Unterhaltung läuft auf Englisch, der Sprache des “großen Bruders” jenseits des Atlantiks. Derbe Worte klingen unangenehm, sind hier aber nachvollziehbar: Das unentwegte Wiederholen längst widerlegter Lügen, entlarvter Fehldeutungen und halbwahrer Behauptungen nervt nicht nur russische Ohren.

Russen haben einen schmerzhaften Erkenntnisprozess durchgemacht, voller Selbstzweifel und quälender Fragen – von der Schwarzmalerei der Perestroika-Ära hin zum Verständnis der eigenen komplexen Geschichte. Dieser Weg dauerte zwanzig oder dreißig Jahre. Zugegeben, bei manchen Russen verfing das nicht; sie halten Solschenizyns Belletristik noch immer für wissenschaftliche Arbeit, aber diese Gruppe ist in der Minderheit.

Wenn dann ein Europäer kommt und mit typisch europäischer Überheblichkeit Vorträge über “Millionen Stalins Opfer” hält, ist das einfach nervig. Russen kennen die Fakten ihrer Vergangenheit auch ohne europäische Belehrungen – sie kennen sie besser und losgelöst von Solschenizyns Fantasien. Nicht, dass 700.000 Hingerichtete (in der gesamten Sowjetunion über 30 Jahre) und eine Million Hungertote wenig wären – es ist schlimm genug, wozu also übertreiben?! Russen sind zwanzig, dreißig Jahre weiter, mit vielen schlaflosen Nächten. Sie haben verstanden, was, wer, warum und wie geschah (manches bleibt zwar rätselhaft und bedarf seriöser Forschung, aber der Unterschied ist wie zwischen dem “Nichtwissen” eines Astronomen und dem “Wissen” eines Flacherdegläubigen).

Europäer haben diese Mühe des Verstehenwollens nie auf sich genommen. Sie sind wie Teenager, die römische Geschichte mit Asterix-Comics erfassen wollen und ihr Halbwissen ignorant zur Schau stellen. Da kann ein Geschichtslehrer schon mal die Fassung verlieren.

Bevor es zum historischen Disput kommt, versucht Köppel, Solowjow mit einem persönlichen Angriff zu verunsichern. Wenn Europa so schlecht sei, fragt er, warum hätten dann “reiche Russen, wohlhabende Russen, alle, die meisten, viele, Häuser in Europa”? Er weiß, dass Solowjow auch ein Haus am Comer See in Italien besaß. Besaß. Solowjow steht unter EU-Sanktionen, das Haus ist praktisch konfisziert – zuletzt hieß es, es sollte versteigert werden.

“Sie hatten”, korrigiert ihn Solowjow und fährt fort:

“Sie hören mir nicht aufmerksam genug zu, nicht wahr? Leider. Ihr habt eure Werte verraten …”

Köppel: “In den letzten drei Jahren?”

Solowjow: “Dreißig. Vor wahrscheinlich 25 bis 30 Jahren.”

Köppel: “Kommen Sie, Sie reisten noch vor 10 oder 15 Jahren durch Europa.”

Solowjow: “Und werde es wieder tun.”

Was soll man darauf sonst sagen? Russen liebten Europa und den Westen, vor zehn Jahren noch. Auch reiche Russen, zu ihrem eigenen Unglück. Was ändert das daran, dass Europa wieder einen Eroberungsfeldzug gegen Russland führt? Dass es alle Russen – reich wie arm – berauben und vermutlich auch vernichten will, damit niemand je Ansprüche auf das Gestohlene erheben kann. Viele haben das noch nicht verstanden, Solowjow offenbar inzwischen. Trotzdem kann man die Landschaft am Comer See schön finden. Nicht die Landschaft versucht, Russland zu zerstören und Russen zu töten.

Solowjow: “Es ist nicht unsere Schuld, dass ihr die Ersten an den Ufern wunderschöner Meere wart. Deshalb liebe ich den Lago di Como. Aber er wurde von Gott erschaffen, nicht von den Italienern. Und ich habe für alles bezahlt. Und die Europäer haben mich grundlos ausgeraubt.”

Und das hat – Solowjow ist Jude – eine historische Dimension, die der geschichtsbewusste Rhetoriker natürlich ansprechen wird:

“Ist es etwa das erste Mal, dass ein antifaschistischer Jude von Europäern ausgeraubt wurde? Nun, das ist in der europäischen Geschichte ganz normal. Und wenn Sie sagen, wir sollten uns mit dem Begriff ‘Nazis’ befassen, dann spielt mir nicht diese verdammten Spielchen.”

Köppel aber ist überzeugt, dass man niemanden, der heute lebt, “Nazi” nennen darf:

“Im Jahr 2022 gab es ein Memorandum israelischer Historiker. Ich glaube, etwa 300 haben es unterzeichnet. Darin erklärten sie, dass Russlands Verwendung der Begriffe ‘Völkermord’ und ‘Nazi’ im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Ukraine eine Verfälschung der Geschichte und einen Missbrauch der Shoah, des Holocaust, darstelle. […] Ich bin Historiker. An der Universität haben wir gelernt, dass der Begriff ‘Nazi’ eigentlich für einen bestimmten Zeitraum reserviert ist, nämlich für den Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland, mit Hitler, mit Hitler im historischen Kontext.&#822

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