Die anhaltende Trockenperiode und die außergewöhnliche Hitze dieses Sommers setzen die Schweizer Alpwirtschaft massiv unter Druck.
Weil Wasser und Weidegras knapp werden, müssen zahlreiche Älpler ihr Vieh deutlich früher als üblich ins Tal treiben. Die Folge ist ein spürbarer Anstieg der Schlachtzahlen.
Besonders hart getroffen sind Gebiete wie St. Gallen, der Jura und Teile Graubündens. Auf der Alp Oberchäsern im Kanton St. Gallen steht Jeanette Jöhl mit ihren 120 Tieren vor einem historisch frühen Abtrieb.
“Wir sparen Wasser wie verrückt”, berichtet sie.
Bleibt Regen aus, führt kein Weg am vorzeitigen Abtrieb vorbei. Ähnlich ergeht es anderen Höfen: Fredi Louis aus Ennetbühl hat bereits rund die Hälfte seiner Kühe, vor allem frisch abgekalbte Tiere, ins Tal gebracht.
Die Futterknappheit schlägt direkt auf die Wirtschaftlichkeit durch. Viele Bauern können teures Zukaufsheu auf Dauer nicht stemmen. Deshalb werden mehr Tiere zur Schlachtung gemeldet. Proviande verzeichnet diese Woche 230 Stück mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Um einen Preissturz abzuwenden, hat der Fleischvermarkter die Richtpreise für Muni und Kühe um jeweils 20 Rappen gesenkt.
SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh drängt auf langfristige Lösungen. Als Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands appelliert er an Investitionen in Wasserspeicher und Auffangbecken.
“Wasser ist unsere wichtigste Ressource“, sagt Wandfluh.
Er plant einen Vorstoß im Nationalrat, um die finanzielle Unterstützung des Bundes für solche Maßnahmen auszubauen. Außerdem sollen Almen mit freien Kapazitäten Tiere aus Notbetrieben übernehmen können.
Trotz vereinzelter Gewitter in der Zentralschweiz bleibt die Lage vielerorts angespannt. Viele Betriebe haben bereits nach dem Dürrejahr 2018 in bessere Quellen und Tränken investiert – doch bei anhaltender Trockenheit ist das oft nicht genug.
Die aktuelle Situation offenbart die Verletzlichkeit der traditionellen Alpwirtschaft. Ohne rasche Anpassungen und politische Unterstützung drohen weitere Herdenverkleinerungen und finanzielle Verluste für die Bergbauern.
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