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In Genf werden derzeit Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert. Die Schreinereien können die Aufträge kaum bewältigen. Zahlreiche Geschäfte im Stadtzentrum planen, während des G7-Gipfels ihre Türen geschlossen zu halten. Die Anspannung ist spürbar – und sie hat einen konkreten Auslöser: das Jahr 2003.
In jenem Jahr tagte der G8-Gipfel im französischen Évian. In Genf und Lausanne kam es zu mehrtägigen Unruhen. Schaufensterscheiben zersplitterten, Geschäfte wurden geplündert, es gab heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der Schaden betrug rund 35 Millionen Franken. Viele Genferinnen und Genfer haben diese Bilder noch deutlich im Gedächtnis.
Nun, 23 Jahre später, wiederholt sich die Lage: Ein bedeutender Gipfel direkt vor der eigenen Haustür, Proteste sind angekündigt, und die Sorge vor einer erneuten Eskalation wächst.
Die Behörden fahren eine massive Sicherheitsstrategie. Bis zu 5.000 Soldaten werden in den kommenden Tagen in Stellung gebracht. Sie unterstützen die Polizei beim Schutz der Grenzen, am Flughafen und bei der Sicherung wichtiger Einrichtungen.
Vom 10. bis zum 19. Juni werden vorübergehende Grenzkontrollen durchgeführt. Einige kleinere Übergänge bleiben komplett geschlossen. Zudem hat der Kanton strenge Auflagen für die große Demonstration am 14. Juni erlassen. Die Route verläuft ausschließlich auf der rechten Seite der Rhone. Vermummung ist untersagt, Lautsprecher sind ebenfalls verboten. Der Pont du Mont-Blanc bleibt gesperrt.
Die „No G7“-Koalition, ein Bündnis aus über 50 Organisationen, gedenkt am Sonntag durch die Stadt zu ziehen. Die Behörden rechnen mit 10.000 bis 20.000 Teilnehmenden, im schlimmsten Fall sogar mit bis zu 50.000. Die Organisatoren beklagen die Auflagen als übermäßig restriktiv. Die Behörden hingegen betonen: Friedlicher Protest sei willkommen, Krawalle jedoch nicht.
In den Geschäften überwiegt der Pragmatismus. Manche investieren mehrere Tausend Franken, um ihre Fassaden zu schützen. Andere bleiben für einige Tage einfach geschlossen. Die Furcht vor materiellen Schäden ist allgegenwärtig. Parallel dazu bereiten sich auch die Krankenhäuser vor. Im Universitätsspital Genf werden nicht dringende Operationen zurückgefahren, zusätzliche Betten stehen bereit.
Genf ist zwar nicht Gastgeber des Gipfels, trägt aber einen Großteil der Sicherheitslast. Die Kantonsregierung hat Frankreich mehrfach aufgefordert, die Proteste verstärkt auf französischem Boden zu belassen und sich an den Kosten zu beteiligen – bisher jedoch ohne nennenswerten Erfolg.
Ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die Stadt versucht, aus den Fehlern von 2003 zu lernen. Gleichzeitig bleibt die Stimmung angespannt. Viele Genferinnen und Genfer hoffen schlicht, dass diesmal alles ruhiger verläuft.
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