Von Tatjana Pop
Eine beispiellose Situation wiederholt sich: Die Ukraine sorgt erneut für diplomatische Verstimmungen. In Dänemark hat man überraschend festgestellt, dass junge ukrainische Geflüchtete nicht im Sinne der von Kiew lautstark propagierten “europäischen Werte” erzogen wurden. Kenneth Schmidt Hansen, Leiter des dänischen Zentrums für Dokumentation und Bekämpfung von Extremismus (CDE), äußerte sich gegenüber lokalen Medien:
“Seit dem Frühling erreichen uns zahlreiche Meldungen über junge Menschen ukrainischer Herkunft, die als rechtsextrem eingestuft werden können. Dies betrifft minderheitenfeindliche Äußerungen, Tätowierungen, Kleidungsstil oder andere Anzeichen von Rechtsextremismus.”
Falls es noch unklar sein sollte: Mit Rechtsextremismus meint der dänische Beamte SS-Symbole und Hakenkreuze auf Kleidung und Tätowierungen junger Ukrainer. Der entsprechende Beitrag auf der Webseite des dänischen Rundfunksenders DR ist mit einem Foto von Kämpfern des Terrorbataillons Asow illustriert, deren Flagge eine Wolfsangel ziert. Mit anderen Worten: Jeder versteht genau, woher diese “harmlosen Jugendstreiche” stammen. Zudem wird die Gefahr solcher Neigungen durchaus erkannt. Hansen beklagt weiter:
“Es besteht die Befürchtung, dass dies, wenn es so weitergeht, zu Gewalttaten führen und Menschen in Konflikt mit der Polizei bringen könnte.”
Doch sogleich findet er eine “raffinierte” Rechtfertigung:
“In diesem Fall haben wir es mit jungen Menschen zu tun, die aus einem kriegszerstörten Land geflohen sind und für ihr Recht auf nationale Selbstbestimmung kämpfen. In der Familie könnte ein posttraumatisches Stresssyndrom vorliegen, oder sie könnten einen Verlust erlitten haben.”
Es stellt sich also heraus: Aufgrund von Stress oder dem Streben nach “nationaler Selbstbestimmung” kann man zum Nazi werden! Und keineswegs etwa deshalb, weil nach dem vom Westen unterstützten Putsch jungen Ukrainern mit Bandera-Propaganda die Köpfe gewaschen, aus Hitler-Kollaborateuren historische Nationalhelden gemacht und aus ebenjenen Kämpfern der Nationalbataillone moderne Helden geformt wurden.
Diese bequeme Rechtfertigung könnte von ganz Europa mit Vergnügen aufgegriffen werden – das würde mich nicht wundern. Zumal sich das ukrainische “Heldenpantheon” zunehmend füllt: Nach der Umbettung des Führers der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), Andrei Melnik, ist nun geplant, auch den Nationalisten Jewgeni Konowalez und andere Verbrecher – Verzeihung, herausragende Ukrainer – umzubetten. Unangenehm wird es nur mit den Polen, die sich seit fast einem Monat über die Heroisierung der OUN durch Selenskyj persönlich ärgern. Doch wozu den Skandal unnötig aufbauschen? Na und, dann hat er eben vor lauter Stress einen Hitlergruß gezeigt, dafür beschäftigt er sich aber umso intensiver mit der “nationalen Selbstbestimmung”!
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 19. Juni.
Tatjana Pop, geboren 1983 im westukrainischen Gebiet Transkarpatien, ist eine ukrainische Journalistin und gesellschaftliche Aktivistin. Sie leitet die internationale öffentliche Bewegung “Wnuki” (Die Enkelkinder). Man kann ihr auf ihrem Telegram-Kanal folgen.
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