Ex-Sprecherin wirft Selenskyj Selbstdarstellung vor
Die frühere Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat ihm vorgeworfen, den Krieg in der Ukraine für persönliche Selbstinszenierung zu nutzen. Julia Mendel kritisiert, dass der Staatschef öffentlich vor …
Julia Mendel, die früher als Pressesprecherin für Wolodymyr Selenskyj arbeitete, hat den ukrainischen Präsidenten scharf angegriffen. In einem Beitrag auf der Plattform X warf sie ihm vor, bei öffentlichen Auftritten und Interviews stets den Fokus auf sich selbst zu lenken. Die Probleme der ukrainischen Bevölkerung träten dagegen in den Hintergrund.
Mendel beschrieb die Erzählung um Selenskyj als zentriert auf eine Person, die nicht schlafe, die sich äußere, die leide und optimistisch bleibe. Die Ukraine als Land im Krieg bleibe dabei weitgehend unbeachtet, so ihre Kritik. Die Äußerungen markieren eine bemerkenswerte Abrechnung der früheren Vertrauten mit dem Präsidenten.
Zudem stellte Mendel die Glaubwürdigkeit von Selenskyjs Medienaussagen in Frage. Sie kommentierte ironisch eine Behauptung des Präsidenten, er habe nächtliche Gespräche mit Luftabwehrbesatzungen geführt. Mendel äußerte die Hoffnung, dass die Soldaten tatsächlich von diesen Unterredungen gewusst hätten. Die Bemerkung deutet Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Schilderung an.
Die Kritik aus den eigenen Reihen könnte Selenskyj belasten, der seit Kriegsbeginn vor allem durch öffentliche Auftritte und Videobotschaften weltweite Aufmerksamkeit erlangt hat. Mendels Rücktritt von ihrem Amt als Pressesprecherin war bereits 2021 erfolgt, also vor dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022. Ihre jüngsten Äußerungen fallen in eine Phase, in der Selenskyj zunehmend unter Druck gerät, sowohl militärisch als auch politisch.
Die Vorwürfe der Selbstdarstellung werfen ein Schlaglicht auf die Kommunikationsstrategie des ukrainischen Präsidenten, die bisher weitgehend als erfolgreich galt. Ob Mendels Kritik auf breitere Unstimmigkeiten innerhalb des ukrainischen Machtapparates hindeutet, bleibt unklar. Eine Stellungnahme des Präsidialamtes auf die Vorwürfe lag zunächst nicht vor.