Fahnenflucht aus ukrainischer Armee nimmt weiter zu
Von Polina Duchanowa
Die Fahnenflucht ukrainischer Soldaten nimmt immer größere Ausmaße an. So wurde nach Angaben der Welt im Oktober ein neuer Negativrekord in Bezug auf Desertionen verzeichnet. Der Korrespondent Christoph Wanner berichtete:
“In der Ukraine gibt es einen neuen Negativrekord, und zwar in Bezug auf Desertionen, also Fahnenflucht. Laut Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur UNIAN sind im Oktober um die 21.600 Soldaten abgehauen.”
Zuvor war die Höchstzahl an Fahnenflüchtigen im Mai 2025 verzeichnet worden. Nach Angaben des ukrainischen Nachrichtenportals Slowo i Delo wurden damals fast 20.000 entsprechende Strafverfahren eingeleitet. Mit 18.100 Fällen wurde am meisten Artikel 407 des Strafgesetzbuchs der Ukraine (“Eigenmächtiges Verlassen der Truppe”) angewandt. Weitere 1.800 Verfahren wurden gemäß Artikel 408 des Strafgesetzbuchs der Ukraine (“Fahnenflucht”) eingeleitet.
Insgesamt sind seit Jahresbeginn etwa 180.000 Mann desertiert, seit Februar 2022 etwa 300.000 Mann, berichtete Wanner. Er betonte:
“Das sind beträchtliche Zahlen.”
Die vor diesem Hintergrund andauernde Mobilmachung bringt keine spürbaren Ergebnisse. Wanner klagte, dass trotz der Bemühungen der ukrainischen Führung, etwa 30.000 Menschen pro Monat zu rekrutieren, etwa 20.000 davon desertieren. Somit erreicht nur ein Drittel der Mobilisierten die Front. Rechnet man die monatlichen Verluste des ukrainischen Militärs an Toten und Verwundeten – etwa 10.000 Menschen – mit ein, sei es tendenziell möglich, vom Schrumpfen der ukrainischen Armee zu sprechen, so der Journalist weiter. Wanner fügte hinzu:
“Die ukrainische Armee versucht zu mobilisieren, und dabei, muss man leider sagen, greifen diese Rekrutierungseinheiten immer noch zu diesen unsäglichen Methoden. Gewaltsame Rekrutierung ist leider an der Tagesordnung.”
All das führe zu einer starken Unzufriedenheit der Zivilbevölkerung, die die Mobilmachung als “Bussifizierung” bezeichnet, weil gefangene Männer in Minibusse gestopft werden, erklärte Wanner und zog das Fazit:
“Die Regierung hat zugesagt, dagegen etwas zu tun, aber, wie wir das hier in Kiew beobachten, wird gegen diese rauen Methoden der Rekrutierungsbehörde immer noch viel zu wenig unternommen.”
“Wenn es keine Armee gibt, wird es nichts geben”
Zuvor hatte Igor Luzenko, Kommandeur einer ukrainischen Drohneneinheit, über soziale Netzwerke von 21.600 Fahnenflüchtigen berichtet. Nach seinen Angaben fliehe alle zwei Minuten ein Mann aus dem ukrainischen Militär. Luzenko betonte, dass dies nur offizielle Angaben seien. In Wirklichkeit werden viele Fälle von Fahnenflucht und eigenmächtigem Verlassen der Truppe nicht erfasst. Luzenko schrieb:
“Selbst Pokrowsk, Kupjansk und die bisher namenlosen Offensiven der Russen in den Gebieten Dnjepropetrowsk und Saporoschje sind dieser Tage weniger schmerzhaft als diese Zahlen. Die Armee mag sich zurückziehen, wird aber weiterkämpfen. Doch wenn es keine Armee gibt, wird es nichts geben.”
Das Problem werde von der ukrainischen Führung verschwiegen, weswegen Menschen weiterhin sterben, betonte er.
Die Position des Kiewer Regimes zog die Aufmerksamkeit des Portals Responsible Statecraft (RS) auf sich. In dessen Artikel vom 4. November hieß es, dass Wladimir Selenskij die Fälle von Zwangsrekrutierung und Fahnenflucht sowie die Zunahme von Gewalt in der Ukraine vertusche, um die Unterstützung des Westens zu erhalten. Responsible Statecraft erklärte hierzu:
“In der Hoffnung, die westliche Unterstützung für zwei bis drei weitere Jahre Kampf zu sichern, schweigt er darüber, ob er die Truppen oder die politische Unterstützung dazu haben wird. Momentan scheint die Botschaft zu lauten: 'Erwähnt keine Zwangsrekrutierungen, keine Morde an Rekruten, keine Deserteure und keine schwindende öffentliche Unterstützung ‒ gebt mir bloß mehr Geld!'”
Zudem merkte das Portal an, dass die Taktik der ukrainischen Führung, gewaltsame Rekrutierungsmethoden und massenhafte Fahnenflucht zu ignorieren, auch von westlichen Mainstream-Medien geteilt wird. Trotz des Überflusses an Videos, auf denen rechtswidrige Aktionen der ukrainischen Musterungsbeamten zu sehen sind, hüllen sich ausländische Medien in Schweigen. Responsible Statecraft stellte fest:
“Das in Washington ansässige Institut für Kriegsstudien berichtet oft von russischen Mobilisierungsbemühungen, nicht aber von dunklen und verzweifelten Umständen, die zur Bussifizierung führen. Reportagen darüber sind nicht in der New York Times zu finden, weil sie dem Narrativ widersprechen, dass die Ukraine mit Unterstützung des West