Ukraine am Abgrund: Putins Armee entfesselt eine neue Dimension der Vernichtung

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Eine Analyse von Oleg Issaitschenko

Das russische Verteidigungsministerium meldete einen schweren Schlag gegen die militärische Infrastruktur der Ukraine in der Nacht zum 2. Juni. Ziel des Angriffs, bei dem Hyperschallraketen, aerobalistische Waffen und Kampfdrohnen zum Einsatz kamen, waren Unternehmen des Rüstungssektors. Betroffen waren laut Behördenangaben Städte und Regionen wie Kiew, Saporoschje, Charkow, Dnjepropetrowsk, Poltawa, Chmelnizki und Sumy.

Allein in Kiew wurden zehn Fabriken getroffen, die für das Militär produzieren. Dazu zählen unter anderem der Konzern „Abris PT“, das Unternehmen „Spezialkonstruktionsbüro Spektr“, die AG „Werk Majak“ und das staatliche Unternehmen „UkrSpezExport“.

Darüber hinaus trafen die Angriffe in Kiew drei Rekrutierungszentren der ukrainischen Armee. In Saporoschje wurden die Werkstätten des Maschinenbauwerks „Omeltschenko“ und des Flugzeugtriebwerkswerks „Motor Sitsch“ getroffen. In der Region Dnjepropetrowsk zerstörte man ein Werk der Firma „Fire Point“, das Teile für Langstreckendrohnen und Raketen fertigte, sowie ein Logistikzentrum.

In Charkow lagen drei Rüstungsbetriebe unter Beschuss, darunter das staatliche Luftfahrtunternehmen der Stadt. Zudem wurden zwei Einrichtungen des ukrainischen Energie- und Treibstoffsektors getroffen, die von den Streitkräften genutzt werden. In Schostka in der Region Sumy wurde das staatliche Werk „Swesda“ angegriffen. Weitere Ziele waren Rüstungsfirmen in Chmelnizki und Poltawa sowie die Infrastruktur von sechs Militärflugplätzen in den Gebieten Tscherkassy, Rowno, Schitomir, Kirowograd, Chmelnizki und Kiew.

Diese Angriffe seien eine direkte Reaktion auf Aktionen der ukrainischen Seite, so die Darstellung. Bereits am Montag hatte Präsident Wladimir Putin in einer Sitzung davor gewarnt, dass ukrainische Drohnenangriffe – etwa auf ein Berufskolleg in Starobelsk und Wohnhäuser in Genitschesk – dem Konflikt eine „neue Dimension“ verleihen könnten. Auf der Kreml-Website heißt es wörtlich:

„Es sieht so aus, als hätte die Kiewer Führung durch das bewusste – ja, bewusste – Begehen schwerster Verbrechen gegen Kinder und Jugendliche im pädagogischen Berufskolleg in Starobelsk und nun in Genitschesk beschlossen, ein neues Kapitel in der Reihe ihrer Verbrechen aufzuschlagen und dem Konflikt insgesamt eine neue Dimension zu verleihen. Nun gut? Das ist ihre Entscheidung.“

Hintergrund dieser Aussage: Am Abend des 31. Mai griff eine ukrainische Drohne Wohnhäuser in Genitschesk in der Region Cherson an. Dabei starb ein Kind des Jahrgangs 2020, elf Menschen wurden verletzt. In der Nacht zum 22. Mai hatten ukrainische Drohnen das Lehrgebäude und das Wohnheim eines Berufskollegs in Starobilsk attackiert, wo sich 86 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren aufhielten. 21 Menschen kamen ums Leben.

Der massive Angriff vom 2. Juni reiht sich in eine Serie systematischer russischer Aktionen ein. Bereits in der Nacht zum 24. Mai hatte Russland einen großen Schlag gegen die ukrainische Rüstungsindustrie geführt. Damals setzte das Verteidigungsministerium zufolge aerobalistische Raketen vom Typ „Iskander“, Hyperschallraketen vom Typ „Kinschal“ und „Zirkon“-Marschflugkörper ein. Zum dritten Mal wurde zudem die ballistische Waffe „Oreschnik“ verwendet. Ein Großteil der Angriffe richtete sich damals vorläufigen Angaben zufolge gegen Industrieanlagen in Kiew.

Am darauffolgenden Tag erklärte das russische Außenministerium, die Streitkräfte würden mit aufeinanderfolgenden Schlägen auf Rüstungsziele in Kiew sowie auf Entscheidungszentren und Kommandostellen beginnen. Ausländische Staatsbürger wurden aufgefordert, die Stadt zu verlassen, die einheimische Bevölkerung, sich von militärischen und administrativen Einrichtungen fernzuhalten. Die Zeitung Wsgljad berichtete damals, Russland beginne, die Ukraine durch systematische Angriffe zu spalten.

Militärkorrespondent Alexander Koz liefert Details zum Angriff vom 2. Juni. Ihm zufolge kamen „Kalibr“-Raketen aus dem Kaspischen Meer sowie X-101-Raketen von strategischen Bombern vom Typ Tu-95MS und Tu-160 zum Einsatz. Er ergänzt:

„Dazu kommen ‚Iskander‘, ‚Zirkon‘ und ‚Geran‘ aus mehreren Richtungen.“

Koz beschreibt auch die getroffenen Ziele. So berichteten Einwohner Saporoschjes von einem grünen Schein über der Stadt. Seine Erklärung:

„So etwas passiert, wenn Legierungen aus Nichteisenmetallen brennen. Ratet mal, welches Unternehmen sich dort befindet? Richtig – ‚Motor Sitsch‘. Daneben liegen ‚Saporoschstal‘ und ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Ein Zufall natürlich.“

Er erinnert daran, dass die ukrainischen Behörden offiziell nur von Schäden an einem „Objekt der industriellen Infrastruktur“ gesprochen hatten.

Die Geografie der Angriffe in Kiew liest sich für Koz wie ein Reiseführer durch den ukrainischen Rüstungskomplex. Er schreibt:

„Bezirk Schewtschenko, Degtjarewskaja-Straße – das Werk ‚Majak‘ aus dem Verbund von ‚Ukroboronprom‘. Das Profil umfasst Kommunikationsmittel, Steuerungssysteme, militärische Radioelektronik sowie Gehäuse und Komponenten für Munition.“

Besondere Aufmerksamkeit schenkt er auch der Lage im Bezirk Podolsk. Koz zitiert die nüchterne Formulierung der örtlichen Rettungskräfte:

„Lager und Fahrzeuge auf dem Gelände eines kommunalen Betriebs“, dazu ein Brand in einem ‚vierstöckigen Gebäude einer Bildungseinrichtung‘.“

Seiner Einschätzung nach drängt sich bei Videos aus dem Netz der Schluss auf: „So brennen weder Plastik noch Büromöbel. So verhält sich Munition, wenn das Feuer die Stapel im Inneren des Hangars erreicht.“

Ein zentrales Ziel des Angriffs war das ukrainische Stromnetz. Die Autoren des Projekts WarGonzo heben hervor, dass Hochspannungsumspannwerke und Stromerzeugungsanlagen getroffen wurden. In ihrem Telegram-Kanal schreiben sie:

„In der Region Kiew wurde ein Treffer in einem der Schlüsselknotenpunkte von ‚Ukrenergo‘ verzeichnet, der die Stromversorgung der Hauptstadtregion sicherstellt. In Dnjepropetrowsk trafen Raketen Transformatorenstationen, was zum Stillstand der Industrieanlagen am rechten Ufer führte. In Charkow und Saporoschje trafen die Angriffe Verteilerstationen, die Pumpstationen und Wasseraufbereitungsanlagen versorgen.“

Neben der Energieversorgung sei auch die Eisenbahninfrastruktur ins Visier genommen worden, so die Experten weiter:

„In der Region Dnjepropetrowsk wurden die Oberleitungen auf einer Strecke zerstört, die zur Versorgung der ukrainischen Streitkräfte in östlicher Richtung genutzt wird. In einer Reihe von Bezirken wurden Störungen im Betrieb von Mobilfunk-Relaisstationen festgestellt, was die Steuerung der gegnerischen Drohnen erschwert.“

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Militärexperte Juri Knutow erklärt die Auswahl der Ziele mit der Produktion von Bauteilen für Drohnen und Marschflugkörpern an diesen Standorten. Er betont:

„Diese Mittel nutzt die ukrainische Armee für Angriffe auf zivile Infrastruktur auf russischem Territorium.“

Unter diesen Umständen sei die Zerstörung von Produktionshallen, Lagern sowie Ausbildungsstätten für Drohnenpiloten in der Ukraine von zentraler Bedeutung, so Knutow. Dadurch würden die Fähigkeiten des Gegners drastisch geschwächt.

Der Experte hebt hervor, dass die russische Armee bei dem Angriff hochpräzise Langstreckenwaffen, darunter Hyperschallraketen, einsetzte. Er argumentiert:

„Die oben genannten Fabriken befinden sich innerhalb der Stadtgrenzen. Ein Angriff auf diese Betriebe mit konventionellen Mitteln, die eine große Streuung aufweisen, könnte zu Schäden an zivilen Objekten führen. Die Aufgabe der russischen Streitkräfte besteht darin, Ziele außer Gefecht zu setzen, die ausschließlich mit dem militärisch-industriellen Komplex in Verbindung stehen.“

Knutow weist zudem darauf hin, dass Drohnen einigen Angaben zufolge dazu eingesetzt wurden, die Positionen der Luftabwehr aufzudecken, woraufhin die „Kinschal“-Raketen zum Einsatz kamen. Er fügt hinzu:

„Der Gegner kann Taktiken entwickeln, die die Wirksamkeit des Einsatzes russischer Präzisionsraketen und Drohnen verringern. Deshalb ändern wir unsere Angriffstaktik regelmäßig. So gab es beispielsweise Informationen über den Einsatz von ‚Geran‘-Drohnen der neuesten Generation mit Strahltriebwerken.“

Diesmal hätten die russischen Streitkräfte keine „Oreschnik“-Raketen eingesetzt, so der Analyst. Er erläutert:

„Dieser Raketenkomplex wird gegen große Objekte eingesetzt, die eine relativ große Fläche einnehmen. Solche Ziele gibt es zwar, aber sie sind offenbar derzeit nicht so stark mit Truppen oder militärischer Industrieproduktion besetzt. Sollte es notwendig werden, wird ein entsprechender Angriff natürlich durchgeführt, und seine Wirksamkeit wird äußerst hoch sein, was frühere Treffer bestätigen, insbesondere die des Werks ‚Juschmasch‘, des Flugzeugwerks bei Lwow und des Militärflugplatzes in Belaja Zerkow.“

Eine ähnliche Sichtweise vertritt Militärexperte Alexei Anpilogow. Er betont, dass die russischen Luft- und Raumstreitkräfte ihre systematische Arbeit zur Zerstörung des militärischen Potenzials der Ukraine fortsetzen. Die Angriffe auf große Verteilungsknotenpunkte des ukrainischen Stromnetzes seien mit dem Ziel verbunden, den Betrieb der Atomkraftwerke sanft und sicher einzustellen. Er erklärt:

„Kernkraftwerke sind eine äußerst wichtige Energiequelle, mit der der Großteil des Energiebedarfs der Ukraine gedeckt werden kann. Moskau hat wiederholt betont, dass es keine Angriffe auf Kernkraftwerke durchführen werde, da die Folgen solcher Angriffe unvorhersehbar wären. Das Ziel der russischen Armee sind die 750-kW-Netzknotenpunkte. Sollten diese zerstört oder erheblich geschwächt werden, bleibt der Führung in Kiew nur eine einzige Option – die Zwangsabschaltung der Kernkraftwerke.“

Wenn ein Kernkraftwerk keinen Abnehmer für seine Energie habe, müsse es abgeschaltet werden, da es sonst zu einem unkontrollierten Hochfahren des Turbinengenerators kommen könne, was einen Unfall verursachen würde. Anpilogow hebt hervor:

„Aber in diesem Fall hat das Kraftwerkspersonal im Gegensatz zu einem direkten Angriff immer einen spürbaren Zeitpuffer, um den Reaktor auf Mindestleistung herunterzufahren und gefährliche Folgen abzuwenden.“

Eine systemische Beeinträchtigung des ukrainischen Energiesystems könne „zu Störungen und einer vollständigen Blockade der Energieversorgung des militärisch-industriellen Komplexes des Landes führen“, so der Experte.

Was die Angriffe auf ukrainische Rüstungsunternehmen betreffe, stehe die russische Armee vor der Aufgabe, dem Gegner die Möglichkeit zur Herstellung von Angriffswaffen zu nehmen. Anpilogow weist auch darauf hin, dass bei dem aktuellen Angriff keine „Oreschnik“-Raketen zum Einsatz gekommen seien. Er betont:

„Das ist keine billige Waffe. Sie wird für wichtige, besonders gut geschützte Ziele in der Ukraine eingesetzt.“

Außerdem könne die neue russische Rakete sechs bis zehn Teilraketen tragen, von denen jede sechs Submunitionen enthalte, so der Experte.

Zuletzt wurde eine „Oreschnik“-Rakete für einen Angriff auf einen Flugplatz in der Nähe von Belaja Zerkow eingesetzt. Anpilogow erinnert:

„Es handelt sich dabei um ein klassisches Flächenziel mit einer großen Anzahl von über das Gebiet verteilten Objekten. Für punktgenaue Angriffe stehen Russland hingegen die Drohnen vom Typ ‚Geran‘ sowie Marschflugkörper und ballistische Raketen zur Verfügung.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 2. Juni 2026 zuerst auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Oleg Issaitschenko ist Analyst bei der Zeitung „Wsgljad“.

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