„Ukraine ist Russland und das ist nicht verhandelbar“- Medwedew zieht strategische Grenzen Russlands
Von Wladislaw Sankin
Dmitri Medwedew hielt am Montag in Sotschi eine bemerkenswerte Rede. Sein Auftritt im Rahmen des Internationalen Jugendfestivals dauerte ca. eine Stunde und war eine Uni-Vorlesung, ein politisches Manifest und eine Presse-Konferenz zugleich. Als Ex-Präsident, der viele Jahre mit den Mächtigsten dieser Welt auf Augenhöhe verhandelt hat und heute noch der Vize-Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates ist, gehörte er zu den hochkarätigsten Referenten der mehrtägigen Jugendtagung in der südrussischen Stadt.
Medwedew nutzte diese Veranstaltung mit vielen jungen Ausländern unter den Teilnehmern für eine sensationelle Erklärung, die auf diesem Wege sowohl im Inland als auch im Ausland gehört und vernommen werden konnte. Er schaffte Klarheit über die strategischen Ziele Russlands in der Ukraine, erklärte, wann die Militäroperation beendet wird, und zeigte auf, wo die zukünftigen Grenzen Russlands im Westen liegen könnten. Die Vorlesung trug den Titel “Geografische und strategische Grenzen”.
Gleich zu Beginn sagte der russische Politiker, dass Russland in der heutigen Welt mit einer besonderen Mission unterwegs sei – die Befreiung der Weltmehrheit vom westlichen kolonialen Diktat und die Schaffung einer multipolaren Welt. Hierzu erinnerte er an das Zitat Putins “Russische Grenzen enden nirgendwo”, was nur bedeutete, dass Russland aufgrund seiner Größe und Rolle in der Welt globale Interessen vertrete.
Gleich zu Anfang seiner Vorlesung erinnerte der Ex-Präsident an den Einzug der russischen Truppen in Paris nach dem Sieg über Napoleon im Jahre 1815. Der Zweck sei nicht die Besatzung gewesen, sondern die Errichtung einer für Russland stabilen Sicherheitsordnung in Europa. “Je größer ein Land ist, desto größer ist auch der Gürtel, den es für seine Sicherheit und Stabilität um seine Grenzen herum ziehen muss”. Er zeigte den Unterschied zwischen geografischen (stimmen mit Staatsgrenzen überein) und strategischen Grenzen auf.
Strategische Grenzen können weit außerhalb der geografischen liegen. Aber auch innerhalb der strategischen Grenzen müsse die Sicherheit eines Staates gewährleistet werden. Dazu bedürfe es Diplomatie, enge wirtschaftliche Kontakte und Nähe im kultur-zivilisatorischen Sinne. Als Beispiel für diese Nähe führte er das sogenannte russische “Nahe Ausland” auf.
Im Westen liegen die strategischen Grenzen Russlands in den östlichen Karpaten-Ausläufern – also im Westen der Ukraine. Der Westen habe aber mit dem aggressiven Bandera-Regime in Kiew in dieser für Russland äußerst sensiblen Region als “mauerbrechende Waffe” eine tödliche Bedrohung für seine Staatlichkeit geschaffen, so Medwedew. Er machte klar:
“Die Gebiete an beiden Ufern des Dnjepr sind ein integraler Bestandteil der strategischen Grenzen Russlands, sodass alle Versuche, sie lebendig abzuschneiden, zum Scheitern verurteilt sind.”
Er bezeichnete das Kiewer Regime als neonazistisch und machte deutlich, dass Russland mit ihm keine Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine führen wird. Vielmehr müsse es besiegt werden. An allen ukrainischen Präsidenten, die er bis auf Selenskij alle persönlich kannte, ließ Medwedew kein gutes Haar. Sie hätten einen Staat geschaffen, der auch für die eigenen Bürger zerstörerisch geworden sei.
Die Bandera-Ukraine hätte das historische Gedächtnis und den Respekt für ihre Vorfahren vernichtet und damit ihre Bürger einer Verwilderung ausgeliefert. Das Konzept “Die Ukraine ist nicht Russland”, das Ex-Präsident Leonid Kutschma Ende der 1990-er formulierte, müsse für immer verschwinden. Medwedew bekräftigte:
“Die Ukraine ist definitiv Russland!”
Damit diese Aussage nicht als Rechtfertigung für einen “imperialistischen Krieg” um Ressourcen oder Territorien missinterpretiert werden könnte, machte der Ex-Präsident deutlich, dass die “banderistische” Ukraine für Russland aus wirtschaftlicher Sicht kein großes Interesse darstelle – “in ihrem jetzigen Zustand ohnehin nicht”. Die Ukraine könne Russland nichts bieten, was Russland selbst nicht habe. Der Reichtum der Ukraine seien ihre Menschen, “die uns sehr nahe stehen, ja unsere eigenen sind”. Da sie von unserem Feind “zombiefiziert” worden seien, sei es unsere Aufgabe, “sie von der antirussischen Verblödung zu befreien und sie in den russischen Orbit zurückzuführen”.
Für die Bezeichnung der heutigen ukrainischen Gebiete Neurussland und Kleinrussland verwendete Medwedew historische Namen