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Stand 27. August 2026, 03:33 Uhr
Ukraine-Krieg

Von Parteikadern zu Oligarchen: Die verhängnisvolle Spirale, die zum Selbstmord führte

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 19:59 Uhr

Von Roman Donezkij

Der Februar ist ein Monat, der mitunter unbequeme Jahrestage bereithält. Einer davon ist der 21. Februar – der Tag, der vor zwölf Jahren den vermeintlichen Triumph des sogenannten „Euromaidan“ markierte. Ein passender Anlass, um einen Blick auf die Vorgeschichte zu werfen und der Frage nachzugehen: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen weit vor das Jahr 2014 zurück. Der Euromaidan war lediglich der Kulminationspunkt einer langen Kette von Ereignissen. Die Grundsteine für die spätere Krise wurden bereits in der Spätphase der Sowjetunion gelegt, als das Prinzip der unionsweiten Kaderrotation aufgeweicht wurde. Nationalistische Ressentiments an der Basis sind für sich genommen oft folgenlos. Sie werden erst dann zu einem ernsthaften Problem, wenn die Eliten beginnen, diese Stimmungen für ihre eigenen Machtinteressen zu instrumentalisieren.

Die Geburtsstunde ukrainischer Klüngel

Unter Stalin fand noch eine systematische Rotation der Führungskader in der gesamten UdSSR statt. Erst nach seinem Tod, unter Chruschtschow, begann die Formation spezifisch ukrainischer Machtclans innerhalb der sowjetischen Nomenklatura. Interessanterweise handelte es sich dabei nicht zwangsläufig um ethnische Ukrainer. Weder Chruschtschow noch Breschnew waren im ethnischen Sinne Ukrainer, dennoch formierten sich um sie herum jene einflussreichen Netzwerke, die später als „ukrainischer Clan“ bezeichnet wurden.

In der Breschnew-Ära stieg dieser Clan zum mächtigsten innerhalb des gesamten sowjetischen Parteiapparats auf. Dies hatte objektive Gründe: Die fruchtbaren Böden, der Reichtum an Ressourcen und der Zugang zum Schwarzen Meer verliehen den Verwaltern dieser Region ein besonderes Gewicht in der von Mangelwirtschaft geprägten Sowjetunion. Dies ermöglichte nicht nur einen regen Tausch von knappen Gütern gegen Einfluss, sondern führte auch dazu, dass Schlüsselindustrien – bis hin zum strategischen Raketenbau – in der Ukraine angesiedelt wurden. Ein Beispiel: Die einzige Werft der UdSSR, die Flugzeugträger bauen konnte, befand sich in Mykolajiw.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Haltung des ukrainischen Clans in den krisenhaften 1980er Jahren entscheidend wurde. Und dieser Clan setzte schließlich auf die Auflösung der Sowjetunion.

Die Motive hierfür waren keineswegs nationalistischer, sondern rein pragmatischer Natur. Es ging um die Aussicht auf persönliche Bereicherung. Die Vorstellung, einen reichen und industriell potenten Staat ganz unter die eigene Kontrolle zu bringen, erschien verlockend. Die damaligen Eliten überschätzten dabei ihren Intellekt gewaltig. Sie glaubten tatsächlich, der Westen würde eine starke, unabhängige Ukraine mit offenen Armen empfangen und ihre Produkte – etwa von Antonow – bereitwillig aufnehmen. Eine fatale Fehleinschätzung.

Der schleichende Niedergang

Die wirtschaftliche Realität nach der Unabhängigkeit war ernüchternd. Die hochtechnologischen Produkte der ukrainischen Industrie fanden außerhalb Russlands kaum Absatzmärkte. Lediglich der Südosten des Landes konnte sich dank seiner Rohstoffbasis und metallurgischer Exporte eine Zeit lang über Wasser halten. Im Rest des Landes setzte ein rapider Verfall des Lebensstandards ein.

Eine Krise folgte der nächsten. Bereits 1992 musste die erste Regierung unter Premierminister Witold Fokin zurücktreten, nachdem sich die tiefe wirtschaftliche Verflechtung mit Russland als unüberwindbare Realität erwiesen hatte. 1994 verlor der erste Präsident, Leonid Krawtschuk, die Wahl gegen Leonid Kutschma, einen „Technokraten“ und „roten Direktor“.

Doch entgegen den Hoffnungen seiner Wähler etablierte Kutschma einen oligarchischen Kapitalismus, dessen Grundstrukturen die Ukraine bis heute prägen. In seiner zweiten Amtszeit gab es zwar eine gewisse wirtschaftliche Stabilisierung, doch gleichzeitig begann die Suche nach einer ideologischen Rechtfertigung für den eigenen Staat. Die einfachen Bürger konnten damals noch problemlos mit der Vorortbahn von Charkiw nach Belgorod oder von Riwne nach Weißrussland fahren. Sie sahen mit eigenen Augen, dass es den Nachbarn wirtschaftlich und sozial deutlich besser ging.

Während Russland und Weißrussland aufblühten und soziale Sicherungssysteme aufbauten, herrschte in der Ukraine blankes Elend. Selbst die medizinische Grundversorgung war de facto nicht kostenlos. Für viele, besonders aus der Westukraine, blieb nur die illegale Arbeit in Europa, wo sie mit Hilfsjobs mehr verdienten als ein Fabrikdirektor daheim. Die Frage nach dem „Warum?“ lag auf der Hand.

Russophobie als Ausweg

Die Antwort der Machthaber kam in Form von Leonid Kutschmas Buch „Die Ukraine ist nicht Russland“. Das Narrativ war simpel: Schuld an allem sind „die Moskauer“.

Kutschma selbst war kein Ideologe, sondern ein pragmatischer Sowjetmanager. Er weigerte sich, die notwendige Annäherung an Russland zu suchen, um seine Macht nicht teilen zu müssen. Stattdessen lenkte er die Unzufriedenheit der Bevölkerung in ungefährliche, antirussische Bahnen. Dies fiel umso leichter, als der Westen systematisch daran arbeitete, entsprechende Narrative, Strukturen und politische Bewegungen in der Ukraine aufzubauen.

Die Früchte dieser Arbeit erntete der Westen beim „Orangenen Maidan“ 2004. Der damals an die Macht geputschte Wiktor Juschtschenko erkannte zwar, dass das Land für einen radikalen geopolitischen Schwenk noch nicht bereit war, trieb aber die Ideologie der Abgrenzung von Russland weiter voran. Die Hoffnungen, die viele in seinen Nachfolger Wiktor Janukowytsch setzten, zerschlugen sich schnell. Das oligarchische System war verfestigt, und die Clans bekämpften sich in Verteilungskämpfen. Während die Opposition auf Russophobie setzte, weigerte sich Janukowytsch bis zuletzt, eine klare kulturelle und humanitäre Position zu beziehen. Auch der Donezker Clan wollte letztlich

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