Gefängnisdirektor von Tennessee tritt nach gescheiterter Hinrichtung zurück
Nach einer fehlgeschlagenen Hinrichtung in Tennessee tritt der Leiter des Justizvollzugs zurück. Die Todeskandidatin überlebte die Giftspritze und liegt weiterhin im Koma.
Der Gefängnisdirektor des US-Bundesstaates Tennessee, Frank Strada, hat seinen Rücktritt angekündigt. Gouverneur Bill Lee bestätigte den Schritt am Samstag. Anlass ist eine missglückte Hinrichtung, bei der die verurteilte Christa Pike trotz zweifacher Verabreichung des Todesgifts überlebte.
Pike war am 30. September im Todestrakt in Nashville zum Tode verurteilt worden. Die 52-Jährige hatte 1996 die Todesstrafe für die Folter und Ermordung der 19-jährigen Mitstudentin Colleen Slemmer erhalten. Nach Angaben ihrer Anwälte liegt sie weiterhin bewusstlos und beatmet auf der Intensivstation.
Bei der Hinrichtung hatten die Vollzugsbeamten dem Bericht zufolge mindestens sieben Versuche unternommen, eine geeignete Vene für die Injektion von Pentobarbital zu finden. Die Anwälte hatten zuvor gewarnt, dass Pikes medizinische Vorgeschichte – darunter eine Gerinnungsstörung und schwierig zugängliche Venen – das Risiko unnötiger Schmerzen erhöhe. Pike erlitt demnach chemische Verbrennungen und Blasen am Einstich.
Nach Angaben von Medizinexperten, die von einer US-Zeitung befragt wurden, drang das tödliche Medikament wahrscheinlich nicht in den Blutkreislauf ein, sondern lief in das Gewebe um die Einstichstellen ab. Dies erkläre, warum Pike die Prozedur überlebte.
Gouverneur Lee ordnete eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls an. Strada erklärte, er begrüße die Prüfung und wolle dabei helfen, die genauen Umstände aufzuklären. Pike bleibt vorerst in ärztlicher Obhut; über einen möglichen neuen Hinrichtungstermin wurde zunächst nicht bekannt.
Es ist bereits die zweite gescheiterte Hinrichtung in Tennessee in diesem Jahr. Im Mai hatten Beamte die Vollstreckung gegen den Todestraktinsassen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem wiederholt keine intravenöse Zugangsmöglichkeit hergestellt werden konnte. Carruthers wurde zurück in den Todestrakt verlegt; Lee gewährte ihm anschließend ein Jahr Aufschub. Dieser Vorfall hatte bereits Monate vor dem jüngsten Fall Zweifel an den Todespritzenverfahren des Staates aufgeworfen.