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Wirtschaft

Der Fall Nvidia: Künstliche Marktblasen dank Künstlicher Intelligenz?

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 21:37 Uhr

Von Elem Chintsky

Die Neuigkeit über den Beitrag des Grafikkarten- und KI-Hardware-Herstellers Nvidia Corporation zur kürzlichen Aktien-Rallye erfüllte den globalen Finanzmarkt und den internationalen Handel mit großer Zuversicht.

Wie aber in geopolitischen Entwicklungen, die zu Kriegen führen, so birgt auch bei euphorischen Höhen wirtschaftlicher Prozesse erst der historische Kontext das nötige Kleingedruckte – für eine besonnene Sichtweise. Schon vor über zwei Jahren berichtete unsere Redaktion über das Risiko einer sogenannten “Superblase” auf den internationalen Finanzmärkten – der Fall Nvidia könnte deren jüngste Ausweitung illustrieren.

Zur Erinnerung: Nvidia hat an einem einzigen Tag 277 Milliarden US-Dollar zugelegt. Dies ist der größte Anstieg der Kapitalisierung eines einzelnen Unternehmens an einem Tag in der gesamten Geschichte des weltweiten Handels. Zum Vergleich sei der bisherige Rekord von Mark Zuckerbergs Meta genannt – 197 Milliarden US-Dollar am 2. Februar 2022 bei einem Handelsumsatz von über 66 Milliarden US-Dollar.

Der grandiose, extravagante, schwindelerregende und geradezu unvorstellbare Wahnsinn, der in der spekulativen KI-Rallye zum Ausdruck kommt, hat historische Entsprechungen, aber sie sind in ihrem Ausmaß deutlich bescheidener.

Jedes Mal, wenn solche Rallyes wüten, gibt es eine “grundlegende Rechtfertigung” für die Ausweitung der Blase. Der wichtigste Schritt ist, die Angelegenheit gar nicht erst “Blase” zu nennen. Indem man diese negative Konnotation auslässt, sorgt man dafür, dass der Hoffnung des “ewigen Wachstums” erneut keine Grenzen gesetzt sind. Bis schließlich doch eine gewisse Grenze auftaucht und alle überrascht.

Geschichte, die begeistert … und warnt

In den Jahren 1924 bis 1929 war die technologische Revolution in der Automobilindustrie die “grundlegende Rechtfertigung” für den damals steilen Aufwärtstrend der Märkte. Diese aktive Industrialisierung war zudem gekennzeichnet von der Einführung von ersten Industrieclustern, der Entwicklung der Öl- und Gasdomäne sowie des Hüttenwesens. Weitere Begleiterscheinungen waren die Entwicklung des Telegrafen, das Aufkommen des Radios, das massenhafte Auftreten von Bauunternehmen, die wiederum den Boom des Gewerbe- und Wohnimmobilienmarktes verursachten.

In den Jahren von 1995 bis 2000 war das fundamentale Leitmotiv der Märkte die massive Digitalisierung. Dazu gehörten das Aufkommen des PCs, das kommerzielle Internet, mobile Kommunikation in der Industrie, Wirtschaft, Logistik, in den Behörden und zwischen Privatpersonen sowie der heute allgegenwärtige Server-Standard, ohne den kein modernes Unternehmen mehr existieren kann. In den 1990er-Jahren erlebte der IT-Sektor einen nahezu exponentiellen Aufschwung, bei dem gänzlich neue Wirtschaftszweige entstanden, die direkt oder indirekt mit der IT-Branche verbunden waren. Firmen wie Google, Microsoft, Amazon und Apple, aber auch die 1993 gegründete Nvidia Corporation entstanden rasch nacheinander.

In beiden Fällen fand der Börsenaufschwung vor dem Hintergrund eines herausragenden wirtschaftlichen Erfolgs statt. Erneut waren die “grundlegende Rechtfertigung” für die Euphorie auf den Märkten und schnell wachsende Firmenwerte gegeben.

Das kumulierte Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1924 bis 1929 betrug circa 32,6 Prozent. Für die Zeit von 1995 bis 2000 erreichte es fast 27 Prozent. Daraus kann man schlussfolgern, dass die durchschnittliche jährliche BIP-Wachstumsrate in den 1920er-Jahren bei 4,8 Prozent lag – in den späten 1990er-Jahren bei rund 4,1 Prozent. Der Staatshaushalt war ausgeglichen, während die Finanzkraft der Unternehmen zunahm und die Einkommen privater Haushalte stiegen. Die Wirtschaft funktionierte vorbildlich und führte nicht zu politischen Kontroversen, da das reale Wirtschaftswachstum höher war als die Wachstumsrate der Schulden. In den fünf Jahren bis zum Höchststand im September 1929 wuchs der Markt um das 3,6-Fache. Im Vergleichszeitraum in den 1990er-Jahren wuchs der Markt um das 3,4-Fache. Letzteres ging als die berüchtigte “Dotcom-Blase” in die Geschichte ein, die heftig anschwoll und dann platzte.

Demnach hätte das durchschnittliche jährliche Wachstum in den 1920er-Jahren bei 29,2 Prozent und in den 1990er-Jahren bei 27,8 Prozent gelegen.

In Geldwerten ausgedrückt stieg die Kapitalisierung im September 1929 um etwa 94 Milliarden US-Dollar. Auf ihrem Höhepunkt waren es fast 130 Milliarden US-Dollar für alle börsennotierten Aktien – wobei im März 2000 die Marktkapitalisierung etwa 16 Billionen US-Dollar, mit einem Anstieg von fast elf Billionen US-Dollar innerhalb von fünf Jahren, betrug. Bei diesem Vergleich muss natürlich auch auf die rasante Geldentwertungsrate innerhalb eines ganzen Jahrhunderts geachtet werden.

Von September 1929 bis Februar 2024 stiegen die Preise fast um das 14-Fache. Was heißt das? Zu den Preisen von Februar 2024 betrug der Kapitalisierungsgewinn zwischen 1925 und 1929 nur 1,3 Billionen US-Dollar, und von März 2000 bis Februar 2024 stiegen die Preise um fast 72 Prozent. Inflationsbereinigt brachte die Dotcom-Blase in den Jahren 1995 bis 2000 also 19 Billionen US-Dollar ein.

Im letzten messbaren Quartal mit dem Tiefststand vom 27. Oktober 2023 bis zum Höchststand am 22. Februar 2024 stieg die Marktkapitalisierung um ganze zehn Billionen US-Dollar, während die Kapitalisierungsgewinne in der Rallye von 1925 bis 1929 zu Preisen vom Februar 2024 durchschnittlich 90 Milliarden US-D

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