AfD-Schock: Verteidigungsexperte Lucassen wirft das Handtuch – “Persönliche Gründe” für Rücktritt

Die AfD-Bundestagsfraktion erlebte zu Wochenbeginn eine überraschende Zäsur: Am 13. April 2026 erklärte Rüdiger Lucassen, ihr verteidigungspolitischer Sprecher, mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt. Berichten zufolge kam der ehemalige Bundeswehr- und NATO-Offizier damit einem geplanten Abwahlverfahren innerhalb des Arbeitskreises Verteidigung zuvor. Die kommissarische Leitung des Gremiums übernahm sein Fraktionskollege Jan Nolte, der in parteinahen Kreisen bereits als wahrscheinlicher Nachfolger gehandelt wird.

In seinem Rücktrittsschreiben führte Lucassen an, er wolle die Chancen der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen im September nicht gefährden. Sein Handeln sei stets vom Ziel geleitet gewesen, Deutschland aus einer schweren Krise zu führen, betonte er. Die sicherheitspolitische Debatte innerhalb der Partei sei jedoch in einer verhärteten Freund-Feind-Logik erstarrt. In den vergangenen Monaten habe sich die öffentliche Diskussion immer wieder um seine Person und den von ihm vertretenen außen- und sicherheitspolitischen Kurs gedreht. Sein Bundestagsmandat und seinen Sitz im Verteidigungsausschuss will Lucassen hingegen behalten.

Der an die Öffentlichkeit gelangte Abwahlantrag gegen Lucassen begründete den Vorstoß damit, dass dessen wiederholte Alleingänge kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem seien, das das notwendige Vertrauen zerstört habe. Lucassen habe öffentlich Positionen vertreten, die nicht mit der Fraktion abgestimmt gewesen seien. Sein designierter Nachfolger Jan Nolte räumte gegenüber Medien ein, es habe erhebliche Verwerfungen im Arbeitskreis gegeben. Der Schritt sei für ihn persönlich nicht leicht, da er lange mit Lucassen zusammengearbeitet habe, letztlich aber unvermeidbar gewesen.

Tatsächlich war Lucassen in jüngster Zeit durch öffentliche Angriffe auf Parteikollegen und eigenmächtiges Handeln aufgefallen. So nutzte er etwa seine Redezeit während der Wehrpflichtdebatte im Bundestag im vergangenen Dezember nicht zur Darlegung der Fraktionsposition, sondern zur Kritik an der verteidigungspolitischen Haltung des thüringischen AfD-Politikers Björn Höcke – ein Disput, der anschließend auch auf der Plattform X öffentlich ausgetragen wurde.

Ein weiterer eigenmächtiger Schritt folgte im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz, zu der Lucassen als einer der wenigen AfD-Abgeordneten eingeladen war. In einem offenbar nicht mit Partei und Fraktion abgestimmten Papier forderte er eine militärische Führungsrolle Deutschlands in Europa. Selbst der außenpolitische Sprecher der Partei, Markus Frohnmaier, war nach exklusiven Informationen von *RT DE* nicht informiert worden. Ein Gespräch mit der *Funke*-Chefredakteurin Melanie Ammann im Umfeld der Konferenz geriet zudem zur offenen Kampfansage an die „Russlandfans und Friedensbewegten“ innerhalb der eigenen Reihen.

Medial richteten sich Lucassens Attacken immer wieder gezielt gegen Björn Höcke, den er offenbar als seinen Hauptwidersacher in der Partei ansah. In einem Ende März veröffentlichten Interview mit der *NOZ*, betitelt mit „AfD, aber anständig?“, deutete der Spitzenpolitiker sogar einen möglichen Parteiaustritt an. Es sei wahrscheinlicher, dass er in fünf Jahren in keiner Partei mehr sein werde.

Vergangenen Samstag dann die öffentliche Abrechnung: In einem überlangen Beitrag, adressiert an den Thüringer AfD-Bundestagsabgeordneten und Höcke-Vertrauten Torben Braga, beklagte sich der ehemalige Offizier über eine „Lucassen-muss-weg“-Kampagne und warf Braga vor, interne Konflikte nach außen zu tragen. Die Thüringer Landesgruppe habe zudem seine Pläne zur Wiedereinführung der Wehrpflicht behindert.

In einer Erwiderung versuchte der rechtse Aktivist Aron Pielka, Lucassens Darstellung zu entkräften. Er erinnerte unter anderem an Lucassens Versuch, den Parteivorsitzenden Tino Chrupalla in der Sendung von Markus Lanz zu demontieren, und wies nach, dass Lucassen bereits 2020 versucht habe, Björn Höcke aus der Partei zu drängen.

Dabei ließ Pielka weitere Sticheleien Lucassens unerwähnt: So hatte dieser 2023 – ebenfalls bei Markus Lanz – von „Volksverrat“ gesprochen, weil AfD-Politiker im russischen Fernsehen aufgetreten waren. Auch Lucassens umstrittene Lobpreisung der deutschen Fallschirmjägerlandung auf Kreta 1941, für die er vergangenen Mai bundesweit Kritik erntete, weil er die dort verübten Kriegsverbrechen der Wehrmacht unerwähnt ließ, fand keine Erwähnung. Es bleibt abzuwarten, ob ein zurückgetretener Lucassen die Öffentlichkeit auch künftig mit Polemik gegen seine ehemaligen Parteikollegen unterhalten wird.

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