Verhandlungen über Kampfjet FCAS: Neue Gesprächsrunde nach festgefahrenem Streit
Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS (Future Combat Air System) – ein Kampfjet der neuesten Generation – sorgt weiterhin für Spannungen zwischen den Partnerländern. RT DE hat bereits mehrfach über die Schwierigkeiten bei diesem Vorhaben berichtet. Erst Ende letzten Jahres gab es Spekulationen über einen möglichen Rückzug Frankreichs, woraufhin die CSU einen deutschen Alleingang forderte. Im Februar lehnte Bundeskanzler Friedrich Merz zudem die französischen Pläne ab, das Kampfflugzeug atomar zu bestücken.
Offenbar ist es bis heute nicht gelungen, die Differenzen zwischen den Projektpartnern zu überbrücken. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, haben sich Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Rande des EU-Gipfels auf Zypern in der vergangenen Woche darauf verständigt, die Verteidigungsministerien beider Länder erneut mit der Suche nach einer Lösung zu beauftragen. Dies geschah, nachdem Medienberichte zuvor von einem „endgültigen Scheitern“ eines „letzten Vermittlungsversuchs“ gesprochen hatten.
Ein Sprecher der Bundesregierung gab bekannt, dass die Verteidigungsministerien beider Länder den Auftrag erhielten, „an verschiedenen Strängen der Kooperation weiterzuarbeiten und nächste Schritte zu vereinbaren“. Diese Arbeiten sollen „in den nächsten Wochen“ abgeschlossen sein. Nur wenige Tage zuvor hatten zahlreiche Medien noch gemeldet, ein letzter Vermittlungsversuch sei endgültig gescheitert.
FCAS nur eines von mehreren gescheiterten oder stockenden Projekten
Die Entwicklung des FCAS wurde 2017 von Macron und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel als eines von sechs gemeinsamen Rüstungsprojekten vereinbart. Viele dieser Vorhaben sind inzwischen gescheitert oder stocken erheblich:
- Das Projekt des deutsch-französischen Seefernaufklärers MAWS (Maritime Airborne Warfare System) wurde aufgegeben, nachdem Deutschland sich im Juni 2021 für den Kauf des US-amerikanischen P-8A Poseidon von Boeing entschied.
- Die Eurodrohne, mit der Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien das ehrgeizige Ziel verfolgten, das „weltweit fortschrittlichste unbemannte Flugsystem“ zu entwickeln, leidet unter erheblichen Verzögerungen. Berichten zufolge verhandelt Frankreich sogar über die Bedingungen eines möglichen Ausstiegs.
- Bereits 2023 zog sich Deutschland aus einem weiteren Gemeinschaftsprojekt mit Frankreich und Spanien zurück: der gemeinsamen Modernisierung des Kampfhubschraubers Tiger.
- Das fünfte deutsch-französische Vorhaben, das Common Indirect Fire System (CIFS) zur Entwicklung von Artilleriesystemen, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Experten rechnen mit einer Realisierung „nicht vor 2045“.
Differenzen über Aufgabenverteilung
Laut Informationen des Spiegel, die das Magazin Anfang des Jahres veröffentlichte, stocken die FCAS-Verhandlungen vor allem „aufgrund tiefgreifender Differenzen“ über die Beteiligung der Unternehmen. Konkret geht es um den französischen Konzern Dassault, Airbus Deutschland und den spanischen Konzern Indra. Dassault strebt an, 80 Prozent des Projekts zu übernehmen, während Deutschland und Spanien auf eine gleichmäßigere Verteilung der Anteile unter den drei Partnern drängen.
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