ESC 2026 in Österreich: Skandal! Boykott-Plakate überschwemmen Wien

Wien zeigt sich im Vorfeld des 70. Eurovision Song Contest 2026 von einer ganz ungewohnten Seite. In verschiedenen Stadtteilen hängen an Laternen und Masten Plakate, die den Wettbewerb scharf angreifen. In kräftigen Farben prangt ein gebrochenes Herz im Stil des bekannten Eurovision-Logos, begleitet von der Aufschrift “BOYCOTT euroVISION”.

Unter dem Motiv steht der Vorwurf, der Wettbewerb mache sich mitschuldig an Besatzung, Apartheid und Gewaltverbrechen. Ergänzt wird der Text durch die Aussage, dass Kultur politisch sei – und der Eurovision Song Contest ebenso.

Als angebliche Absender tauchen auf den Plakaten fiktive Organisationen mit Namen wie “European Double Standards Union” und eine “Menschliche Rechte Vereinigung” auf. Ironisch wird die Gastgeberstadt als “City of Genocide & Occupation” bezeichnet.

Bilder der Plakate verbreiteten sich rasant über soziale Netzwerke, unter anderem durch einen Beitrag des Accounts _@EurovisionNewZ_ vom 8. Mai 2026. Die Aufnahmen aus Wien erregten innerhalb kürzester Zeit großes Aufsehen.

In den Kommentaren zeigen sich gemischte Reaktionen. Ein Teil der Nutzer weist die Aktion als überzogen zurück, andere sehen darin einen bewussten politischen Appell im öffentlichen Raum.

Der Eurovision Song Contest 2026 findet vom 12. bis 16. Mai in der Wiener Stadthalle statt. Geplant sind zwei Halbfinale am 12. und 14. Mai sowie das Finale am 16. Mai. Israel tritt mit der Sängerin Noam Bettan und dem Titel “Michelle” an. Diese Teilnahme steht seit Monaten im Zentrum von Auseinandersetzungen rund um den Wettbewerb.

Fünf Länder haben ihre Teilnahme abgesagt: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien. Es ist einer der größten Rückzüge in der Geschichte des Wettbewerbs. Die Regierungen und Rundfunkanstalten dieser Länder begründen ihre Entscheidung mit dem Vorgehen Israels im Gazakonflikt.

Eine breite Unterstützung der Protestbewegung kommt von mehr als 1.100 Musikerinnen, Musikern und Kulturschaffenden, die einen offenen Brief unterzeichnet haben. Unter den Namen finden sich unter anderem Massive Attack, Brian Eno, Roger Waters, Macklemore, Sigur Rós und Paloma Faith. In dem Schreiben wird dazu aufgerufen, den Wettbewerb zu boykottieren, solange Israel teilnimmt.

Die Kampagne “No Music For Genocide” richtet sich zudem gegen die European Broadcasting Union und wirft ihr unterschiedliche Maßstäbe im Umgang mit Staaten vor, im Vergleich zur Suspendierung Russlands.

In Wien rechnet die Polizei während der Veranstaltung mit größeren Demonstrationen. Besonders rund um das Finale werden mehrere Tausend Teilnehmer erwartet. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden deutlich ausgeweitet. Dazu gehören Drohnen-Flugverbotszonen, verstärkte Kontrollen an den Veranstaltungsorten sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen in der Stadt.

Trotz der Boykotte nehmen 35 Länder am Wettbewerb teil. Es ist die niedrigste Beteiligung seit der Erweiterung des Formats im Jahr 2004. Bulgarien, Moldau und Rumänien kehren zurück, während mehrere Länder fehlen. Die Europäische Rundfunkunion betont weiterhin den Anspruch, den Wettbewerb außerhalb politischer Debatten zu halten, und verweist darauf, dass die Verantwortung für politische Aussagen bei den einzelnen Teilnehmern liege.

In den sozialen Netzwerken erhält die Protestbewegung breite Unterstützung. Viele Nutzer teilen Inhalte, Fotos und Aufrufe und weisen darauf hin, dass die Aktionen in Teilen der europäischen Medien kaum oder nur zurückhaltend dargestellt würden. Der Eindruck einer selektiven Berichterstattung verstärkt die Dynamik online zusätzlich.

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