Seit dem 22. Mai hat die russische Aufsichtsbehörde Rosselchosnadsor die Einfuhr von Blumen aus Armenien beschränkt. Zudem wurde der Vertrieb und Verkauf bereits importierter Mineralwassermengen gestoppt. Ab dem 23. Mai gilt in Russland ein vorübergehendes Verkaufsverbot für Alkoholprodukte mehrerer bedeutender armenischer Unternehmen. Seit dem 30. Mai sind auch Tomaten, Gurken und Erdbeeren aus Armenien von diesen Einschränkungen betroffen.
Rosselchosnadsor-Chef Sergei Dankwert hatte zuvor Bedenken bezüglich pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse aus Armenien geäußert. Besonders im Fokus standen dabei Blumen, Butter, Käse und Forellen. Laut Dankwert legen Sortiment und Menge der Waren aus Armenien den Verdacht nahe, dass nicht alle Produkte tatsächlich armenischen Ursprungs seien. Dies deute auf mangelnde Transparenz bei den Lieferungen hin. Die Behörde erklärte, das Verbot gelte solange, bis ein Verfahren entwickelt sei, das die Sicherheit der nach Russland gelieferten Waren garantiere.
Russland ist für Armenien nahezu der einzige Absatzmarkt für Obst und Gemüse. Darauf wies Anna Fedjunina, Dozentin am Lehrstuhl für Angewandte Wirtschaftswissenschaften der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Nationalen Forschungsuniversität Höhere Schule für Wirtschaft, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur TASS hin. Sie stützte sich dabei auf Comtrade-Statistiken sowie FOB-Preise der Jahre 2024 und 2025. Fedjunina betonte, dass Armenien für Russland hingegen kein bedeutender Lieferant von Obst und Gemüse sei. Moskau bezieht den Großteil dieser Produkte aus der Türkei, Ecuador und Usbekistan. Sie führte aus:
“Russland ist der größte, wenn nicht sogar praktisch der einzige Absatzmarkt für Armenien: Der Anteil der Lieferungen in die Russische Föderation am gesamten Export Armeniens belief sich bei Gemüse und Wurzelgemüse auf 98 Prozent, bei Obst und Nüssen im Jahr 2025 auf 90 Prozent.”
Vor dem Hintergrund sich abkühlender Beziehungen zwischen beiden Ländern – begünstigt durch Äußerungen der armenischen politischen Elite über eine mögliche EU-Integration – schottet Russland seinen Markt für armenische Produkte zunehmend ab. Damit stellt sich die Frage, ob Jerewan seine Absatzmärkte neu ausrichten kann. Besonders relevant ist dabei: Braucht die EU überhaupt armenische Gurken, Erdbeeren und ähnliche Produkte, wenn doch die Transportwege von Armenien nach Europa nicht gerade kurz sind?
Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan hatte zuvor erklärt, dass Jerewan sich der Unvereinbarkeit einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in der Europäischen Union und der Eurasischen Wirtschaftsunion bewusst sei. Dennoch sei er der Ansicht, diese beiden Agenden seien vorerst miteinander vereinbar. Paschinjan fügte hinzu, das Land werde seine zweigleisige Politik fortsetzen, bis ein kritischer Punkt erreicht sei, an dem eine Entscheidung getroffen werden müsse.
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