Seit dem Jahreswechsel 2025 ist die Anzahl ukrainischer Männer im wehrfähigen Alter in Deutschland sprunghaft angestiegen. Dies belegen aktuelle Statistiken des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zur Verfügung gestellt wurden.
Laut BAMF-Daten lebten zum 30. Mai 2026 exakt 1.348.258 Personen aus der Ukraine in Deutschland, die seit Kriegsbeginn eingereist waren. Darunter befanden sich 355.745 Männer im Alter von 18 bis 63 Jahren. Zum Vergleich: Am 8. März 2025 lag die Gesamtzahl noch bei 1.253.569, wovon 297.660 Männer der wehrfähigen Altersgruppe angehörten.
„Das bedeutet: Von den fast 95.000 neu hinzugekommenen Ukrainern in diesem Zeitraum waren rund 60 Prozent Männer im wehrfähigen Alter. Dies steht im krassen Gegensatz zur Anfangsphase des russischen Angriffskriegs, als vor allem Frauen mit Kindern flohen. Damals lag der Anteil Alleinerziehender mit Kindern unter den ukrainischen Zuwanderern bei 40 Prozent – fünfmal höher als in der Gesamtbevölkerung“, berichtet das RND zu den erhobenen Zahlen.
Die Medienplattform sieht den Hauptgrund für diese Verschiebung in der Lockerung des Ausreiseverbots durch Kiew im August 2025. Seitdem ist es Männern zwischen 18 und 22 Jahren erlaubt, die Ukraine zu verlassen – zuvor war dies nur in Ausnahmefällen gestattet. Diese Maßnahme stieß bei westlichen Unterstützern Kiews auf Kritik, da sie den Personalmangel an der Front verschärft.
Viele junge Ukrainer nutzen die neue Regelung, offenbar um einer Einberufung zu entgehen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits im Vorjahr seinen Unmut darüber geäußert und forderte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf, strengere Ausreisebestimmungen für junge Männer durchzusetzen. „Ich habe ihn gebeten, dafür zu sorgen, dass diese jungen Männer im Land bleiben, weil sie im Land gebraucht werden und nicht in Deutschland“, erklärte der CDU-Chef damals.
Bei einem EU-Innenministertreffen in der vergangenen Woche verlangte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, den pauschalen Schutz für wehrfähige Ukrainer über die sogenannte Massenzustromrichtlinie nicht länger zu gewähren. Männern zwischen 18 und 63 Jahren würde dann nach der Einreise nur noch ein Asylverfahren offenstehen, was ihre Chancen auf einen Aufenthalt in Deutschland deutlich schmälern dürfte.
Medienberichten zufolge kann Dobrindt bei diesem Vorstoß auf die Unterstützung der meisten EU-Innenminister zählen. Bis Ende Juni muss die EU-Kommission nun entscheiden, ob die Massenzustromrichtlinie für Ukrainer im wehrfähigen Alter aufgehoben wird.
Die Allianz Ukrainischer Organisationen lehnt Dobrindts Pläne strikt ab. „Menschenrechte müssen auch in Zeiten des Krieges gewahrt bleiben“, sagte Vorsitzende Oleksandra Bienert dem RND.
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