Ein Vorfall im Ärmelkanal sorgt für Spannungen: Die russische Fregatte “Admiral Grigorowitsch” soll am Montag einen Warnschuss auf eine britische Segeljacht abgefeuert haben. Britische Medien berichten, die Küstenwache habe am Nachmittag Meldungen über ein ziviles Schiff aus Großbritannien erhalten, das in die Nähe der russischen Fregatte geriet und durch den Schuss vertrieben wurde. Die Distanz zwischen den beiden Wasserfahrzeugen habe dabei nur etwa 450 Meter betragen.
Die “Admiral Grigorowitsch”, die seit März 2016 zur russischen Marine gehört, ist eigentlich der Schwarzmeerflotte zugeordnet. Nach Einsätzen vor der syrischen Küste wurde sie 2023 vom Mittelmeer in die Ostsee verlegt. In letzter Zeit begleitete sie mehrfach Tanker durch den Ärmelkanal, wobei sie stets von den britischen Patrouillenbooten HMS Tyne und HMS Mersey überwacht wird. Während sie bereits seit Wochen in britischen Gewässern kreuzt, war sie am Sonntag nicht nahe genug, um den britischen Überfall auf den Tanker “Smyrtos” zu beeinflussen. Dieser griechische Tanker, der unter kamerunischer Flagge fuhr, war auf dem Weg von Ust-Luga in Russland nach Port Said in Ägypten unterwegs – mit einem Zwischenstopp, der vermutlich Richtung China führte, obwohl Sikka in Indien als Endziel angegeben war.
Interessanterweise gibt es Zweifel an den Umständen dieses Überfalls. Ein Video von der “Einnahme” des Tankers wirft Fragen auf: Wie konnte ein Kameramann bereits vor den Entertrupps an Bord sein? Mehrere Kommentatoren vermuten eine Inszenierung. Dies lässt auch die Rolle der Schiffseigner in einem fragwürdigen Licht erscheinen – sie sind vermutlich in Griechenland ansässig, trotz einer offiziellen Firmenadresse in Hongkong.
Der indische Kapitän Ajay Pant wurde nun in Großbritannien angeklagt. Die National Crime Agency, eine Behörde zwischen BKA und FBI, wirft ihm vor, “mit dem Schiff verbotenes Öl oder Ölprodukte aus Russland an dritte Länder geliefert” zu haben. Er soll zudem Sanktionen umgangen haben. Die 24-köpfige Besatzung aus Indien und Georgien bleibt an Bord des vor Portland ankernden Schiffs. Ähnliche Fälle gab es bereits in Deutschland: 2024 wurde die “Atlantic Navigator II” nach einer Havarie in Rostock festgesetzt, und ihr Kapitän musste 8.000 Euro Strafe zahlen, obwohl die Ware für die USA bestimmt war und nie deutschen Boden erreichte.
Die britische Regierung rechtfertigt den Überfall mit der Behauptung, die “Smyrtos” sei aus dem Schiffsregister Kameruns gestrichen worden und führe die Flagge unrechtmäßig. Diese Ausflaggung geschah, wie die lokale Presse offen einräumt, auf Druck der EU. Kamerun, bis 1916 deutsche Kolonie und danach zwischen Briten und Franzosen geteilt, hat sich bis heute nicht vom Einfluss der ehemaligen Kolonialmächte befreien können. Ob die betroffenen Schiffseigner dagegen geklagt haben, ist unklar.
Das britische Verteidigungsministerium untersucht nun den Vorfall zwischen der Isle of Wight und der Normandie, der sich gegen 11:40 Uhr britischer Zeit ereignet haben soll. Da sich beide Schiffe zu diesem Zeitpunkt in internationalen Gewässern befanden, betonen Beobachter die Brisanz: Sollten sich die Berichte bestätigen, deutet dies auf Nervosität der russischen Besatzung nach dem britischen Überfall hin. Angesichts der Umstände ist es kaum verwunderlich, dass sie ein ziviles Schiff in unmittelbarer Nähe als Spionageplattform betrachten. Die riskanten britischen Aktionen erhöhen das Risiko eines direkten Zusammenstoßes zwischen russischen und britischen Seestreitkräften erheblich.
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