Mercedes in der Krise: Sonderzahlung gestoppt, längere Arbeitszeiten im Anmarsch

Der Autobauer Mercedes-Benz mit Sitz in Stuttgart bewertet seine aktuelle Situation als “dramatisch”. In einem internen Schreiben an die Belegschaft in Deutschland, das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt, informierte der Vorstand über eine Verschiebung der für Ende Juli geplanten Sonderzahlung auf das nächste Jahr. Diese Zahlung, der sogenannte “Transformationsbaustein”, entspricht 18,4 Prozent des durchschnittlichen individuellen Monatsgehalts und wird jährlich ausgezahlt.

Darüber hinaus plant die Unternehmensführung, in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen, um eine Ausweitung der Arbeitszeit ohne finanziellen Ausgleich zu erörtern. Aktuell beträgt die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit der Beschäftigten 35 Stunden. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Sparprogramms, das der Konzern aufgrund massiver Kostendrucke umsetzt.

In dem Schreiben betont der Vorstand, dass die strukturellen Kosten in Deutschland, vor allem die Arbeitskosten, im globalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig seien. Das Unternehmen müsse daher weiterhin energisch daran arbeiten, Ausgaben zu reduzieren, um bei den Produktpreisen konkurrieren zu können. “Trotz aller Bemühungen bleibt die Lage in Deutschland dramatisch”, heißt es darin. Jede Entscheidung über die Vergabe neuer Produkte oder die Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtere die relative Kostenposition des Unternehmens.

Die finanziellen Kennzahlen untermauern diese Einschätzung: Im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. Bereits im Vorjahr war der Gewinn um fast die Hälfte eingebrochen – von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro. Als Hauptbelastungsfaktoren nennt Mercedes-Benz hohe Zölle, negative Wechselkurseffekte und den zunehmenden Wettbewerb, insbesondere in China. Auch Absatz und Umsätze zeigen einen rückläufigen Trend. Diese Entwicklung zwingt den Autobauer zu drastischen Maßnahmen.

Die Branche steht insgesamt unter Druck. Auch der Konkurrent Volkswagen kämpft mit erheblichen Problemen. Laut einem Bericht des Manager Magazins vom Freitag könnte das Unternehmen bis zu 100.000 seiner rund 657.000 Arbeitsplätze streichen. Besonders betroffen wäre das Werk in Zwickau mit etwa 8.000 Beschäftigten. Ein VW-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren, verwies aber auf eine “tiefgreifende Transformation” der Autoindustrie und jährliche Belastungen von zweistelligen Milliardenbeträgen durch Zölle, Wettbewerb und schwächere Märkte.

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