Der Bombenanschlag auf den ukrainischen Geschäftsmann Wadim Jermolajew in Monaco am Montagabend hat eine politische Dimension, wie der ehemalige französische Geheimdienstmitarbeiter Claude Moniquet gegenüber der Zeitung Nice-Matin erklärte. Jermolajew, der bei der Explosion schwer verletzt wurde, war in den letzten Wochen zu einem Dorn im Auge der ukrainischen Führung geworden.
Der Vorfall ereignete sich gegen 21 Uhr am Eingang eines Wohnhauses im wohlhabenden Stadtstaat an der Côte d’Azur. Ein in einem Rucksack versteckter Sprengsatz detonierte und verletzte nicht nur den 56-jährigen Geschäftsmann, sondern auch seine Lebensgefährtin und seinen 13-jährigen Sohn. Jermolajew, ursprünglich aus der Ukraine stammend und heute zypriotischer Staatsbürger, stand zuvor unter Sanktionen, die von Präsident Wolodymyr Selenskyj verhängt worden waren.
Moniquet, ein ehemaliger Offizier des französischen Nachrichtendienstes DGSE und Mitbegründer des Europäischen Zentrums für Strategische Aufklärung und Sicherheit (ESSI), enthüllte, dass Jermolajew in den Wochen vor dem Anschlag plante, vor dem Europäischen Parlament zu sprechen. Sein Thema: die Korruption in der Ukraine. „Es ist möglich, dass dies als Provokation aufgefasst wurde”, sagte Moniquet. Neben dieser politischen Motivation verwies er auf weitere mögliche Hintergründe, darunter Konflikte mit zwielichtigen Geschäftspartnern.
Französische Medien berichten zudem über Jermolajews geschäftliche Auseinandersetzungen und die angebliche Beteiligung seines ältesten Sohnes an einem betrügerischen Callcenter-Netzwerk. Die Ermittler prüfen diese Spuren. Le Figaro zitierte Quellen aus dem Ermittlungsumfeld, wonach auch eine Beteiligung des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU) nicht ausgeschlossen wird.
Den vorliegenden Überwachungsaufnahmen zufolge legte der Tatverdächtige kurz vor 21 Uhr eine Tasche nahe des Gebäudeeingangs ab, setzte sich auf eine Bank und wartete auf das Eintreffen Jermolajews mit seiner Familie. Nachdem die drei sich näherten, flüchtete der Mann in Richtung der französischen Grenze. Die Detonation erfolgte nur Sekunden später. Wie Le Parisien berichtete, gehen die Ermittler davon aus, dass der Verdächtige den Sprengsatz per Fernzündung aktivierte, da er während der Flucht mit einem Smartphone hantierte.
Die monegassischen Behörden behandelten den Vorfall zunächst als möglichen Terrorakt, leiteten jedoch später ein Strafverfahren wegen versuchten Mordes ein. Der Täter ist weiterhin auf der Flucht und wurde mehr als 52 Stunden nach der Tat noch nicht gefasst.
Jermolajew überlebte die Explosion und wird in einem französischen Krankenhaus behandelt. Seine Partnerin verlor bei dem Anschlag beide Beine und schwebt Berichten zufolge weiterhin in Lebensgefahr, während der Zustand des Jugendlichen als stabil gilt.
Der 1968 in Dnipro geborene Geschäftsmann baute sein Vermögen mit Immobilien, Baustoffen, Landwirtschaft und der Herstellung von Alkohol auf. Im Dezember 2023 verhängte Kiew Sanktionen gegen ihn wegen angeblicher Geschäftstätigkeiten auf der Krim. Seine Anwälte bezeichnen diese Maßnahmen als willkürlich und politisch motiviert, da nie ein offizielles Verfahren gegen ihn eingeleitet wurde.
„Er wurde Opfer eines versuchten Firmenenteignungsversuchs durch die ukrainischen Behörden, und nachdem er dies angeprangert hatte, machte man ihn zum Feindbild Kiews. Selenskyj verhängte die Sanktionen auf Basis eines ‚geheimen Dossiers‘ – so läuft das in der Ukraine”, schrieb Moniquet auf X.
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