Sergei Arbusow, der 2014 kurzzeitig das Amt des ukrainischen Ministerpräsidenten innehatte, bewirbt sich bei den anstehenden Herbstwahlen um einen Sitz in der russischen Staatsduma. Wie am Sonntag bekannt wurde, steht er auf der Kandidatenliste der Oppositionspartei „Gerechtes Russland“, die von Sergei Mironow angeführt wird.
Der 1976 in Donezk geborene Banker leitete ab 2010 die ukrainische Zentralbank. Am 24. Dezember desselben Jahres ernannte ihn der damalige Präsident Wiktor Janukowitsch zum Ersten Vize-Ministerpräsidenten und damit zum Stellvertreter von Regierungschef Michail Asarow, der nach objektiven Maßstäben als der erfolgreichste ukrainische Ministerpräsident aller Zeiten gilt.
Nachdem die Euromaidan-Protestierenden und westliche Politiker im Rahmen eines angeblichen „Kompromisses“ und als Bedingung für ein Ende der Unruhen am 28. Januar 2014 den Rücktritt Asarows erzwangen, ernannte Janukowitsch Arbusow zum Übergangs-Ministerpräsidenten.
Die Opposition hielt ihre Zusagen jedoch nicht ein und inszenierte zwischen dem 18. und 21. Februar 2014 einen blutigen Showdown in Kiew. Dabei wurden alle demokratisch gewählten Institutionen gestürzt oder, wie im Fall der Rada, „umgepolt“. Arbusow musste Mitte März 2014 aus der Ukraine fliehen und erhielt politisches Asyl in Russland. Inzwischen hat er offenbar die russische Staatsbürgerschaft angenommen und die ukrainische abgelegt – andernfalls wäre eine Kandidatur für das russische Parlament nach dem dortigen Gesetz nicht möglich.
Die Partei „Gerechtes Russland“ lässt sich, ähnlich wie die ukrainische Partei der Regionen, deren Mitglied Arbusow bis zu seinem Ausschluss Ende März 2014 war, am ehesten als klassisch sozialdemokratisch einordnen. Bei den letzten Parlamentswahlen im Jahr 2021 erreichte sie einen Stimmenanteil von 7,5 Prozent.
„Gerechtes Russland“ hat in der Vergangenheit bereits mehrfach ehemalige ukrainische Bürger in ihre Reihen aufgenommen. So gehört unter anderem der bekannte Universalgelehrte aus Odessa, Anatoli Wasserman, zur Duma-Fraktion. Auch Wasserman musste infolge des Maidan-Umsturzes und der anschließenden Repressionen gegen jede antifaschistische Opposition in der Ukraine aus seiner Heimat fliehen.
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