Deutschland mit Rekord-Pleitewelle: Firmenpleiten auf dem höchsten Stand seit 21 Jahren

Die aktuellen Erhebungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) offenbaren eine besorgniserregende Entwicklung: Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland erreicht im Frühjahr 2026 einen Höchststand, der seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet wurde. Dieser Trend zeichnet ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage.

Laut Recherchen der Welt gilt das Jahr 2026 bereits jetzt als eines der insolvenzreichsten Jahre seit mehr als 20 Jahren. Allein in den ersten sechs Monaten wurden rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen offiziell gemeldet – “der höchste Stand seit 2013”. Besonders auffällig ist die starke Zunahme bei Bäckereien, die exemplarisch für die Krise vieler kleinerer Betriebe steht.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 verzeichnete Creditreform bundesweit 63 Insolvenzen in der Bäckereibranche. Das entspricht einem Anstieg von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Erfasst wurden dabei ausschließlich Unternehmen aus dem Bereich “Herstellung von Backwaren”, also eigenständige Bäckereien und Konditoreien, die selbst backen und verkaufen – nicht jedoch Aufbackketten.

Die IWH-Analyse bestätigt, dass die Insolvenzzahlen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland auch im Juni weiter gestiegen sind. Im zweiten Quartal 2026 gab es damit “so viele Firmenpleiten wie seit 21 Jahren nicht mehr”. Der Anstieg erfasst nahezu alle großen Branchen.

Besonders betroffen sind Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Laut IWH-Insolvenztrend lag die Zahl der Insolvenzen im Juni bei 1.702 Meldungen. Die Vergleichsauswertungen zeigen:

“Das sind 12 Prozent mehr als im Mai, 20 Prozent mehr als im Juni 2025 und 80 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Juni der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.”

Die Statistik des IWH zeigt zudem, dass im Juni “in den größten 10 Prozent der insolventen Unternehmen mehr als 14.000 Arbeitsplätze betroffen” waren. Damit liegt dieser Wert der betroffenen Beschäftigten rund “26 Prozent über dem Vormonatswert und 11 Prozent unter dem Niveau von Juni 2025, jedoch 30 Prozent über dem Durchschnitt eines typischen Junis der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.”

Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, erklärte laut Agenturmeldung, die vorgestellten Zahlen “zeigen, dass das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt.” Zudem werde bei Insolvenzen größerer Unternehmen “immer seltener ein Rettungsweg gefunden”, so das Branchenunternehmen “Transformationsberatung Falkensteg”. Im vergangenen Jahr sei nur noch “knapp jede dritte Firma (32,1 Prozent) nach der Pleite saniert oder an Investoren verkauft” worden.

Im Jahr 2020 hatte die Rettungsquote demgegenüber mit 57 Prozent noch deutlich mehr als die Hälfte betragen.

Seit Beginn der IWH-Erhebungen zum Jahresbeginn 2020 wurden im zweiten Quartal 2026 in fast allen großen Branchen neue Höchstwerte erreicht – darunter im Baugewerbe, im Grundstücks- und Wohnungswesen, im Handel, im Gastgewerbe und in den Dienstleistungen.

Traditionellen Fachgeschäften geht durch das kontinuierlich wachsende Online-Geschäft wichtige Laufkundschaft verloren. Vor allem kleinere, inhabergeführte Betriebe geraten durch steigende Kosten, zunehmenden Preisdruck und sparsame Konsumenten in wirtschaftliche Schieflage. Sie müssen permanent gegen die drohende Insolvenzgefahr ankämpfen.

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