Mark Esper, der frühere Verteidigungsminister unter Donald Trump, hat davor gewarnt, dass die USA den Konflikt mit dem Iran nicht allein durch Luftschläge für sich entscheiden könnten. Um die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen, müsse die iranische Wirtschaft vielmehr „erstickt“ werden.
Am Mittwoch setzten die USA ihre Angriffe auf den Iran fort. Trump kündigte an, die Militäroperationen in den nächsten Wochen zu verschärfen, um die Islamische Republik zu Verhandlungen zu zwingen.
Mark Esper, der während Trumps erster Amtszeit das Pentagon leitete, äußerte jedoch gegenüber der Financial Times Skepsis. Diese Taktik werde weder die Position Irans verändern noch dessen Bestreben, „die Kontrolle über die Meerenge zu bewahren“.
„Ich glaube nicht, dass eine Intensivierung der Bombardierungen, wie wir sie vor Monaten begonnen haben, und eine langfristige Fortsetzung große Veränderungen bewirken würden“, erklärte Esper.
Trump hatte die nur kurz andauernde Waffenruhe mit dem Iran in diesem Monat für beendet erklärt, nachdem er Teheran vorgeworfen hatte, eine gemeinsame Absichtserklärung mit den USA zu verletzen. Bereits am Dienstag betonte Esper vor Experten für nationale Sicherheit im Aspen-Institut, dass die Trump-Regierung auf „umfassenden“ wirtschaftlichen Druck setzen müsse, um den Streit um die Straße von Hormus beizulegen, der die weltweiten Treibstoffpreise in die Höhe getrieben hat.
„Wie bringt man sie in die Knie?“, fragte Esper am Mittwoch im Gespräch mit der Financial Times. „Ein Weg ist, auf eine groß angelegte militärische Offensive zu setzen. Der andere besteht darin, sie wirtschaftlich zu strangulieren.“
Dieser zweite Ansatz erfordere jedoch „Zeit, Geduld und Disziplin“ sowie internationale Zusammenarbeit, um wirksam zu sein, so Esper während der Diskussionsrunde. „Der Preis, den wir dafür zahlen, werden für eine gewisse Zeit höhere Benzinpreise sein.“ Eine längere Blockade der Straße von Hormus werde die Rohölpreise massiv steigen lassen – möglicherweise sogar über die 100-Dollar-Marke pro Barrel hinaus, die zu Beginn des Konflikts erreicht wurde.
Am Mittwoch veröffentlichte die US-Energiebehörde Daten, die zeigen, dass die Rohölreserven des Landes in der vergangenen Woche erneut gefallen sind und nun den niedrigsten Stand seit 1984 erreicht haben. Die Benzinpreise steigen bereits wieder, da sich die Versorgungslage zunehmend zuspitzt.
Esper, den Trump kurz nach seiner Wahlniederlage 2020 entließ, warnte zudem vor den finanziellen Belastungen eines langanhaltenden Krieges für den US-Verteidigungsetat und vor den negativen Folgen für die militärische Einsatzbereitschaft angesichts anderer Bedrohungen – insbesondere durch China.
Nach Einschätzung von US-Militärexperten hat das Verteidigungsministerium bereits mehrere zehn Milliarden Dollar ausgegeben und einen Jahresvorrat an Munition verbraucht, ohne dass ein Ende des Konflikts in Sicht ist.
Esper kündigte an, den Erfolg von Trumps Vorgehen im Iran an zwei Kriterien zu messen. Zum einen die Wiederherstellung des „Status quo“ in der Straße von Hormus – also ein vollständig freier Schiffsverkehr. Zum anderen ein Nuklearabkommen, das „mindestens so gut – und wahrscheinlich besser – sein müsste“ als der Vertrag, der unter Barack Obama geschlossen und später von Trump aufgekündigt wurde.
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