Von Donnerstag, dem 23. Juli, bis Sonntag, den 26. Juli, wird Jekaterinburg zur Hochburg des russischen Sports: Auf dem Gelände des Sport- und Freizeitkomplexes “Kalininez” findet der Saisonhöhepunkt statt – die PSB-Russischen Meisterschaften in der Leichtathletik. Rund 700 Athleten aus etwa 50 Regionen des Landes messen sich in 23 Disziplinen und kämpfen um 44 Medaillensätze.
Am 23. Juli versammelten sich im Konferenzraum von “Kalininez” Vertreter des Russischen Leichtathletikverbandes (WFLA), Trainer der Nationalmannschaft und internationale Gäste, darunter Hatem Elsayed Aly Ahmed Fouda, Präsident des ägyptischen Leichtathletikverbandes, zu einer Pressekonferenz. Im Fokus der Gespräche mit Journalisten stand naturgemäß die internationale Situation der russischen Leichtathletik.
Die Haltung der WFLA zur Suspendierung
Anfang Juli lehnte der Weltverband der Leichtathletik (World Athletics, WA) unter Sebastian Coe es ab, die Sanktionen gegen russische Sportler aufzuheben – entgegen einer Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Daraufhin wandte sich die WFLA an den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), um die Verlängerung der Suspendierung russischer Athleten von internationalen Wettkämpfen unter WA-Ägide anzufechten.
WFLA-Geschäftsführer Boris Jaryschewski erklärte auf der Pressekonferenz in Jekaterinburg detailliert die Beweggründe. Seiner Ansicht nach unterstreiche der Ausschluss russischer Athleten deren Diskriminierung; dem russischen Verband bleibe nichts anderes übrig, als diesen Schritt juristisch anzugehen. Jaryschewski sagte:
“Seit Anfang 2025 strebten wir den Dialog mit World Athletics an und führten Verhandlungen. Leider ergab sich, dass sich dieser Austausch nicht konstruktiv gestaltete. Jene Aussagen von World Athletics, die eine Wiederzulassung unserer Athleten an ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine knüpfen, das von der gesamten Weltgemeinschaft akzeptiert wird – all das ist unserer Meinung nach zutiefst diskriminierend und hat mit Sport nichts zu tun.”
Auch andere Sportvertreter schlossen sich dieser Position an. Sie argumentierten, der Ausschluss russischer Athleten sei dem Geist des Sports zuwider und beeinträchtige die internationale Leichtathletik insgesamt negativ.
Internationale Unterstützung für russische Athleten
Der kubanische Olympiasieger Javier Sotomayor, der 1988 selbst einen politisch motivierten Boykott erlebte, nannte die Haltung von World Athletics ungerecht. Bienvenu Matenda Kibangala, Präsident des Leichtathletikverbandes der Demokratischen Republik Kongo, bekräftigte in einem Interview, der Ausschluss russischer Athleten schädige auch das Zuschauerinteresse – sowohl in Russland als auch international. Ein Teil des Publikums verfolge Wettkämpfe gerade aufgrund der Teilnahme russischer Sportler. Ihr Fehlen mindere die Begeisterung für die Wettbewerbe. Der italienische Leichtathlet Federico Barucco ergänzte, dass anderen Athleten ohne die russischen Konkurrenten die ebenbürtige Herausforderung fehle – wodurch sie nicht ihre Höchstleistung zeigen könnten.
Wende beim IOC und World Athletics
Am 7. Juli verkündete das Internationale Olympische Komitee die vorläufige Wiederherstellung der Rechte des Russischen Olympischen Komitees und nahm seine Empfehlung zurück, russische Athleten von internationalen Wettkämpfen auszuschließen. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry betonte, es sei entscheidend, russischen Sportlern die Teilnahme zu ermöglichen, ohne sie für politische Entscheidungen ihres Landes verantwortlich zu machen. Sie hoffe, dass internationale Fachverbände diese Empfehlung bei der Überprüfung ihrer Beschränkungen berücksichtigten.
Einige Verbände handeln bereits entsprechend: Berichten zufolge lassen über 20 internationale Sportorganisationen Nachwuchsathleten unter russischer Flagge und mit russischer Hymne zu, zehn Verbände gewähren allen russischen Sportlern uneingeschränkte Teilnahme. World Athletics zählt noch zu den Organisationen, die an ihren Sanktionen festhalten – weshalb nun der Internationale Sportgerichtshof CAS die Entscheidung treffen muss.
Weiterführendes – Russische Botschaft: Deutscher Verband schließt russische Gehörlose von Jugendspielen aus