Mit Beginn des Jahres 2026 hat der Gesetzgeber die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Diese im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot verankerte Entscheidung zielte darauf ab, der angeschlagenen Branche neue Stabilität zu verleihen. Eine Pflicht, die Preise für die Gäste entsprechend anzupassen, war damit jedoch nicht verbunden.
Und die Realität zeigt: Wer sich aufgrund der reduzierten Steuer auf günstigere Speisen in Restaurants gefreut hatte, sieht sich weitgehend enttäuscht. Aktuellen Medienberichten zufolge belegt eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), dass die große Mehrheit der Gastronomen die Steuerersparnis nicht an ihre Kundschaft weiterreicht.
Als Hauptargument führten von der ARD befragte Wirte die gestiegenen Kosten für Energie, Waren und Personal an, die einen Preisnachlass schlichtweg unmöglich machten. Eine Sprecherin des Dehoga merkte im Gespräch jedoch an, dass der reduzierte Steuersatz immerhin dazu beigetragen habe, dass die ohnehin erwarteten Preiserhöhungen in der Gastronomie moderater ausfielen als ohne diese Maßnahme.
An der Dehoga-Umfrage nahmen rund 2000 Betriebe teil. Das Ergebnis: 73,4 Prozent der Befragten hielten ihre Preise konstant und änderten ihre Speisekartenpreise trotz des Steuerwechsels nicht. Offen bleibt, wie sich das restliche Viertel der Betriebe positionierte – ob sie ihre Preise anpassten, bleibt unklar.
Die plausible Annahme ist, dass viele dieser Betriebe die Preise eher anhoben als senkten. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Preise für Speisen in Restaurants im Jahr 2026 weiterhin an. Auch Getränke, die in der Gastronomie weiterhin dem höheren Steuersatz unterliegen, verteuerten sich ebenfalls spürbar.
Die Verbraucher reagieren auf diese Entwicklungen durchaus empfindlich. Gemäß einer repräsentativen Studie des Bayerischen Zentrums für Touristik (BZT) mit dem Titel „Wie Deutschland essen geht” geben 48 Prozent der Befragten an, seltener essen zu gehen als noch 2025. 40 Prozent halten ihr Ausgehverhalten unverändert, während lediglich vier Prozent häufiger ein Restaurant besuchen.
Auch in die Zukunft blicken viele mit Zurückhaltung: 42 Prozent der Studienteilnehmer planen, ihre Restaurantbesuche künftig zu reduzieren. 47 Prozent sehen keinen Anlass für Veränderungen, und nur vier Prozent beabsichtigen, öfter auswärts zu essen.
Unter denjenigen, die selten oder nie ein Restaurant aufsuchen, dominiert ein klarer Grund: finanzielle Einschränkungen. 49 Prozent geben an, sich den Besuch schlichtweg nicht leisten zu können. Dahinter folgen Kritik am Preis-Leistungs-Verhältnis (31 Prozent), Bequemlichkeit (29 Prozent) und Zeitmangel (acht Prozent).
Die Lage ist damit widersprüchlich: Eine zunehmend sparsame Bevölkerung trifft auf eine Branche, die kaum Preissenkungsspielraum hat und vielerorts sogar gezwungen ist, die Preise zu erhöhen, um wirtschaftlich zu überleben. Diese Konstellation lässt wenig Raum für Optimismus, dass sich die Krise in der Gastronomie bald auflösen wird.
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