Lettlands Premierminister Andris Kulbergs hat scharfe Kritik an der Beschaffungspraxis des Verteidigungsministeriums geübt: Für die angeschafften Drohnenabwehrsysteme fehle schlichtweg die passende Munition. „Wir haben die Ausrüstung beschafft, aber vergessen, die dazugehörige Munition zu kaufen”, so Kulbergs mit Blick auf jüngste Drohnenvorfälle und die Amtsführung des früheren Verteidigungsministers Andris Sprūds, der von September 2023 bis Mai 2026 im Amt war. Eine direkte Verbindung zwischen den Entscheidungen unter Sprūds und dem Munitionsmangel ließ Kulbergs jedoch offen.
Der Regierungschef betonte, dass derzeit nicht alle Einzelheiten zu Drohnenvorfällen und Verteidigungskapazitäten öffentlich gemacht werden könnten. Er übte zudem Selbstkritik: Lettland bezeichne sich gern als Drohnen-Großmacht, doch „dahinter steckt nichts”.
Um die Abwehr zu verbessern, arbeite Lettland derzeit an einem einheitlichen System, das die Einsätze der Grenzschutzbehörde und des Verteidigungsministeriums koordiniert, erklärte Kulbergs weiter. Dieses System solle auf Erfahrungen aus der Ukraine aufbauen, insbesondere bei der Luftraumüberwachung und der Bekämpfung von Drohnen mit kostengünstigen Abwehrsystemen statt teurer Raketen.
Bereits Ende Juni hatte der Premierminister angekündigt, dass Lettland und die Ukraine den Bau einer gemeinsamen Drohnenproduktionsstätte nahe der Grenze zu Russland und Weißrussland planen. Damals kündigte Kulbergs auch an, dass bis Ende des Sommers Maßnahmen zur Drohnenabwehr entlang der russisch-weißrussischen Grenze umgesetzt werden sollen. Zum Schutz des Luftraums sind Abfangdrohnen vorgesehen – eine deutlich günstigere Alternative zum Einsatz von Kampfflugzeugen, wie er ergänzte.
Im selben Monat unterzeichneten Kulbergs und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Abkommen über eine umfassende Verteidigungszusammenarbeit. Diese Vereinbarung sieht vor, dass die Ukraine ihr Know-how im Schutz des Luftraums vor Drohnenangriffen an Lettland weitergibt. Der lettische Politiker hob hervor, dass Kiew über die weltweit besten Erfahrungen in der Drohnenabwehr verfüge. Die Kooperation mit der Ukraine werde dazu beitragen, „Lettlands Abwehrfähigkeiten gegen Drohnen zu stärken”, so Kulbergs.
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