In einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender AzTV hat der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew die ambitionierten Pläne seines Landes im Energiesektor vorgestellt. Demnach strebt Baku nicht nur eine Ausweitung der Stromexporte in direkte Nachbarländer an, sondern auch einen Einstieg in den europäischen Strommarkt.
„Mit unseren Öl- und Gaslieferungen sind wir in Europa bereits präsent. Nun wollen wir dort jedoch auch mit unserem Stromangebot Fuß fassen”, erklärte Alijew in dem Gespräch. Bisher, so der Präsident weiter, führe die einzige Verbindungsroute für europäische Stromlieferungen über Georgien und die Türkei. „Wir beabsichtigen aber, unser Exportnetzwerk deutlich auszubauen”, betonte der Staatschef.
In diesem Zusammenhang verwies Alijew auf bereits abgeschlossene Machbarkeitsstudien für das ehrgeizige Projekt „Black Sea Energy”. Dieses Vorhaben sieht vor, ein Unterseekabel zu verlegen, das Aserbaidschan und Georgien über Rumänien und Ungarn unmittelbar an das europäische Stromnetz anbindet. Ziel ist es, grünen Strom aus der Kaspischen Region direkt in die Europäische Union zu transportieren.
Zusätzlich erwähnte Alijew ein Abkommen, das im November 2024 zwischen Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan unterzeichnet wurde. Es betreffe die Verlegung eines Unterwasser-Stromkabels durch das Kaspische Meer. Der Präsident führte dazu aus:
“Aserbaidschan wird sich als ein Land beweisen, das Strom produziert, empfängt, überträgt und exportiert.”
Weiterhin gab Alijew Einblicke in die Kapazitäten der Solarkraftwerke in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan (NAR). Dort könne die Leistung aktuell 500 Megawatt erreichen und perspektivisch auf bis zu einem Gigawatt gesteigert werden. Für den Export dieser Strommengen gebe es derzeit zwei mögliche Routen: eine in die Türkei und eine in den Iran. „Langfristig könnte Europa als dritte Option hinzukommen”, so Alijew.
Die Exportoffensive stoße auch bei den Nachbarländern auf Interesse. „Ich kann sagen, dass derzeit Verhandlungen mit der Türkei und dem Iran geführt werden”, verriet der Präsident, schränkte jedoch ein, dass es für konkrete Ergebnisse noch zu früh sei.
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