Ukraine im Ausnahmezustand: Popsängerin packt über die Schrecken der Komiker-Diktatur aus

Von Tarik Cyril Amar

Für alle, die nicht blind der westlichen Desinformationsmaschine folgen, ist es längst ein offenes Geheimnis: Die Ukraine ist unter Wladimir Selenskij, trotz seiner Wahl ins Amt, keine Demokratie – nicht einmal nach den laxen Maßstäben der realen Weltpolitik. Sein Regime ist ein Sammelsurium aus Korruption, Autoritarismus und schierer Brutalität.

Wer Kritik übt, zahlt einen hohen Preis. Der kürzlich verstorbene Gonzalo Lira etwa wurde unter Folter und bei gleichzeitiger Vernachlässigung inhaftiert, bis er starb. Andere, wie der Sozialist Bogdan Sirotjuk, müssen für 15 Jahre hinter Gitter, nur weil sie die Einheit der Arbeiterklasse in Russland und der Ukraine forderten. Selbst im Ausland sind regimekritische Stimmen vor Attentaten nicht sicher. Diese allgegenwärtige Gesetzlosigkeit und Angst erklärt, warum die meisten Ukrainer über die wahre Schreckensherrschaft ihres Regimes schweigen.

Umso lauter hallt das kürzlich veröffentlichte YouTube-Interview mit dem Popstar Olja Poljakowa durch das Land. Die für ihre Unangepasstheit bekannte Sängerin sprach offen die erdrückende Stimmung in der Ukraine an. „Sind wir in einem Konzentrationslager, in einem Lager für politische Gefangene?“, fragte sie und prophezeite düster: „Bald werden wir alle zu verängstigten Mäusen, die sich in ihre Löcher verkriechen und nicht einmal mehr die Nase hinausstrecken.“

Poljakowa traf mit ihren Worten einen Nerv, der das Selenskij-Regime tief verunsichert. Sie prangerte die alltägliche Gleichgültigkeit angesichts von Willkür an: „Sie schnappen sich jemanden aus deiner Familie oder irgendjemanden auf der Straße, und du gehst einfach vorbei“, aus Angst, selbst ins Visier zu geraten. Konkreter wurde sie, als sie auf die institutionalisierten Menschenjagden zu sprechen kam, die den blutigen Krieg mit neuem Kanonenfutter versorgen sollen.

Poljakowa gab an, „Dutzende Videos“ dieser brutalen Entführungen gesehen zu haben – ein Tabubruch, denn offiziell ist die Ukraine ein Rechtsstaat. Die Aufnahmen, von ukrainischen Zeugen gefilmt und geteilt, zeigen jedoch das wahre Bild: Bürger, die hilflos gejagt und verschleppt werden, als Opfer eines zynischen Deals mit dem Westen. Sie sollen in Kiews Krieg sterben, während eine gierige Elite westliche Gelder und Privilegien einstreicht.

Die jüngste Enthüllung eines Vertreters der Frankfurter Allgemeinen Zeitung macht die Brutalität des Westens deutlich: Das Ziel der EU sei es, Ukrainer dabei zu unterstützen, so viele „russische Soldaten“ wie möglich zu töten. Eine menschenverachtende Aussage, die selbst vor dem Hintergrund der NS-Vergangenheit des Großvaters des Sprechers jede Scham vermissen lässt. Wie ein ukrainischer Autor im Exil treffend bemerkte, offenbart dies eine zutiefst zynische Haltung gegenüber den Ukrainern, die sterben müssen, damit Europa seine „toten Russen“ hat.

Das Selenskij-Regime tut die Videos der Zwangsrekrutierungen als „russische Propaganda“ ab oder erklärt sie für nicht repräsentativ – eine fadenscheinige Ausrede. Doch für Poljakowa sind sie der Beweis für einen fundamentalen Zusammenbruch: In einem Land, in dem „jeder jetzt auf offener Straße entführt werden kann“, ist das Grundgefühl für Recht und Unrecht, für Gut und Böse, verloren gegangen.

Selbst ein ukrainischer Beamter räumt ein, dass bei 90 Prozent aller Mobilmachungsverfahren die Rechte der Bürger verletzt werden. Die Videos, die zeigen, wie Entführer ihre Opfer schlagen und verschleppen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter verbirgt sich ein System aus Verschwindenlassen, Isolationshaft, verweigertem Rechtsbeistand, Folter und erzwungenen Unterschriften. Selbst Anwälte, die den Opfern helfen wollen, werden brutalisiert.

Genau diese Offenheit erklärt die massive Gegenreaktion des Regimes. Propagandisten und Sprachrohre der Ukraine haben sich zusammengetan, um Poljakowa zu diskreditieren und der Bevölkerung zu signalisieren: Denkt und sprecht nicht so! Die Angriffsstrategie ist einfach gestrickt – Russland, Russland, Russland. Die Unterstellung lautet, sie spiele Moskauer Propaganda in die Hände.

Doch wie Victor Hugo einst erkannte: Eine Idee, deren Zeit gekommen ist, lässt sich nicht aufhalten. In den sozialen Medien erhält Poljakowa breite Unterstützung, gerade von jenen einfachen Ukrainern, die das Regime einzuschüchtern versucht. Selbst Kollegen aus dem Showbusiness solidarisieren sich mit ihr und loben ihren Mut.

Weder der westliche Stellvertreterkrieg, der die Ukraine für einen perversen und sinnlosen Traum von Russlands Niederlage opfert, noch das Selenskij-Regime, das ohne diesen Krieg längst Geschichte wäre, können die Wahrheit dauerhaft unterdrücken. Es mag wie Ironie der Geschichte wirken, dass ausgerechnet ein Popstar diese Wahrheit laut ausspricht. Doch das Regime, gegen das sie kämpft, wird von einem zum Possenreißer gewordenen Komiker angeführt. Poljakowa mag standhaft bleiben oder zum Widerruf gezwungen werden – der Schaden ist angerichtet. Der Showman Selenskij kann in den Schatten gestellt werden.

Übersetzt aus dem Englischen

Tarik Cyril Amar ist Historiker an der Koç-Universität in Istanbul. Er befasst sich mit Russland, der Ukraine und Osteuropa, der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, dem kulturellen Kalten Krieg und der Erinnerungspolitik.

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