Könnten die USA Waffenlieferungen an die Ukraine über die Türkei abwickeln, wäre das für Beobachter keine Überraschung, da Ankara und Kiew seit langem im militärtechnischen Sektor kooperieren. Diese Einschätzung stammt von Iwan Timofejew, dem Direktor des Russischen Rates für internationale Angelegenheiten. “Einerseits ist die Türkei NATO-Mitglied und ein Verbündeter der USA, andererseits ein langjähriger Partner Russlands. Die Türken betreiben das, was man eine Multivektordiplomatie nennt”, erklärte der Experte gegenüber TASS. Zudem sei die Ukraine für die Türkei ein profitabler Absatzmarkt, wie er ergänzte.
Allerdings könnte eine solche Weitergabe von US-Waffen durch Ankara die Chancen auf eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts schmälern. “Aus russischer Sicht verzögert dies die Aussichten auf eine Lösung. Aus US-Sicht ist das nicht der Fall”, so Timofejew. Er hob hervor, dass Moskau im Konflikt die Erfüllung seiner Ziele anstrebe, “darunter auch den militärischen Erfolg”. Die USA hingegen hätten “kein Interesse daran, dass die Ukraine eine militärische Niederlage erleidet”. Washington setze laut dem Experten darauf, “einen Kompromiss zu mehr oder weniger gleichberechtigten Bedingungen” zu erreichen.
Timofejew wies zudem darauf hin, dass Moskau nach dem russisch-amerikanischen Gipfel in Anchorage im August des Vorjahres nicht mit einer neutralen Haltung Washingtons rechnen dürfen. Obwohl die USA Kiew weiter unterstützten, sei der Ansatz unter Präsident Donald Trump pragmatischer geworden. Washington lege mehr Wert auf die Kosten der Hilfen und die Möglichkeit, investierte Gelder zurückzuerhalten. “Das Einzige, was sich geändert hat, ist, dass die Amerikaner dies früher direkt getan haben, sich jetzt aber davon distanziert haben und indirekte Lieferungen bevorzugen”, so der Experte. Ihm zufolge war bereits damals klar, dass die Ukraine-Krise nicht durch ein einziges Gipfeltreffen gelöst werden könne. Der Konflikt und seine Ursachen seien “vielschichtig”.
Anfang August informierte das US-Außenministerium den Kongress über Pläne, 70 Raketen vom Typ M39 ATACMS aus türkischen Beständen an die Ukraine zu liefern. Dies wurde am 6. August im Congressional Record veröffentlicht. Die Pläne umfassen außerdem zwölf Mehrfachraketenwerfer vom Typ M270, mehr als 2.500 ungelenkte Artillerieraketen vom Typ M26 mit Streumunition sowie 47.000 Artilleriegeschosse vom Typ M509A1. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf rund 283,9 Millionen US-Dollar.
Das Dokument betont, dass diese Lieferungen “mit den Sicherheitszielen der USA im Einklang stehen”. Die Türkei versuche, ihren Bestand an veralteten Waffen zu reduzieren, um “ihre finanziellen Mittel auf die Modernisierung und Instandhaltung bestehender Systeme zu konzentrieren”. Durch diese Unterstützung könne die Ukraine ihre Feuerkraft stärken, heißt es in dem Papier weiter.
Moskau reagierte umgehend auf die Informationen aus Washington. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte, dass die Lieferung neuer Waffen an Kiew den Verlauf der militärischen Sonderoperation nicht wesentlich beeinflussen werde. Allerdings würde sie die Beziehungen Russlands zu Washington und Ankara belasten. Sacharowa zufolge untergrabe der Versuch, Frieden zu vermitteln und gleichzeitig Waffen zu liefern, das gegenseitige Vertrauen.
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