Hacker legen Berlins Briefwahl lahm: Digitale Anträge nach Cyberangriff auf Senatsverwaltung blockiert

Nach Informationen aus Medienkreisen wurden bereits am Freitag der Vorwoche mehrere Berliner Senatsbehörden vorsorglich vom landeseigenen Netz getrennt, wie die Ermittler mitteilten. Der Vorfall wurde am darauf folgenden Montag der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Besonders betroffen sind die Verwaltungen für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz. Ein genaues Datum oder ein präziser Zeitpunkt des Eindringens in die Systeme wurde bislang nicht veröffentlicht. Die Ermittlungen, an denen das Landeskriminalamt, die Staatsanwaltschaft und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beteiligt sind, laufen weiterhin. Unklar bleibt dabei auch, ob und welche konkreten Daten im Zuge des Angriffs abhandengekommen sind.

Der rbb berichtete am Dienstagabend, dass infolge des Hackerangriffs auf Teile der Senatsverwaltung “einige digitale Angebote des Landes derzeit nicht oder nur eingeschränkt nutzbar” seien. Seit Montagabend sei davon unter anderem die Online-Beantragung von Briefwahlunterlagen für die kommende Abgeordnetenhauswahl am 20. September betroffen.

Wie der rbb weiter meldet, beanspruchen die “großflächigen Sicherheitsanalysen” nach dem Cyberangriff derzeit einen Großteil der Netzwerkkapazitäten. Dadurch werde das gesamte Senatssystem “an anderen Stellen langsamer”, was in den Senatsstellen unmittelbar zu “Performanceproblemen” führe.

Diese verminderte Leistungsfähigkeit hat nun weitreichende Folgen für Empfänger von Wohngeld: Aktuell kann “die Auszahlung des Wohngelds an mehr als 50.000 berechtigte Haushalte in Berlin” nicht sichergestellt werden. Üblicherweise erfolgt die Auszahlung in der Hauptstadt am Monatsende.

Ähnliches gilt laut Tagesspiegel-Informationen (Paywall) auch für die Sozialleistung “Bildung und Teilhabe” (BuT). Die Linken-Bezirksstadträtin für Soziales und Bürgerdienste in Marzahn-Hellersdorf erklärte dazu, der Cyberangriff treffe “unsere Wohnungsämter mitten im Kern ihrer Arbeit”.

Das sogenannte “Fachverfahren für Wohnberechtigungsscheine, Zweckentfremdung und Wohngeld” sei seit Montag “komplett lahmgelegt”, weshalb eingereichte Anträge derzeit unbearbeitet bleiben. Auch die Bezirke Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg bestätigen den Ausfall ihrer IT-Systeme.

Ob weitere Berliner Verwaltungen von den Ausfällen betroffen sind, werde von den Ermittlern noch geprüft, so eine Senatssprecherin. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) äußerte gegenüber dem rbb, dass “daran gearbeitet wird, möglichst schnell das alles wieder in Ordnung zu bringen. Und es bedeutet, dass wir noch mehr auch investieren müssen in die Cybersicherheit unserer Stadt”.

Ein Notfallkrisenstab wurde laut Senatskanzlei unter der Leitung des Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit des Landes Berlin eingerichtet. Dieser koordiniere “die weiteren Absicherungsmaßnahmen und die laufenden forensischen Untersuchungen”.

Im Rahmen der forensischen Prüfungen der vergangenen Tage sei “eine Inkriminierung des Landesnetzes” festgestellt worden, teilte der Senat mit. Nach bisherigen Erkenntnissen seien bei der Senatsbauverwaltung Daten abgeflossen, bei denen es sich laut Senatssprecherin Christine Richter “nicht um sensible Daten” handelte. Es habe sich um Informationen gehandelt, “die über Open Data frei zugänglich waren. Nach jetzigem Kenntnisstand hat es in anderen Verwaltungen keine Datenabflüsse gegeben”, so Richter am Montagnachmittag gegenüber Medien.

In Behördenkreisen werde jedoch von einem “schweren Cyberangriff” gesprochen, berichtete der Tagesspiegel. Demnach könnten weitere der insgesamt 40 Senatsabteilungen betroffen sein.

Bereits im April des Vorjahres war das Hauptstadtportal des Landes Berlin Ziel eines umfassenden Hackerangriffs. Damals waren laut Senatskanzlei sämtliche Bereiche von “berlin.de” und des Serviceportals “service.berlin.de” betroffen. Die Berliner Polizei konnte zeitweise keine Pressemitteilungen veröffentlichen und keine Daten der polizeilichen Kriminalstatistik abrufen.

Weiterführendes – “Beispielloser Zwischenfall”: KI-Modelle von OpenAI führen eigenständig Hackerangriff durch

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