Schock-Studie: Jeder Zweite glaubt nicht an Rente mit 67

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Zunächst die positive Nachricht: Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Befragten glauben, dass sie gesundheitlich in der Lage sind, bis zum Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze in ihrem aktuellen Job zu arbeiten. Die Kehrseite der Medaille: Ein beträchtlicher Anteil der Arbeitnehmer in Deutschland – konkret 40 Prozent – teilt diese Zuversicht nicht. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung des DGB-Index „Gute Arbeit“ hervor, über die die Sonntagszeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Die Erhebung des DGB, die sich über die Jahre 2022 bis 2026 erstreckt, umfasst die Antworten von 28.000 Beschäftigten. Besonders ausgeprägt sind die Zweifel in Berufen, die als körperlich oder psychisch besonders fordernd gelten. Handwerker, Beschäftigte am Bau, Erzieher sowie Pflegekräfte bezweifeln stark, dass sie ihren Beruf bis zum regulären Rentenalter ausüben können. In diesen und ähnlich belastenden Tätigkeitsfeldern liegt der Anteil der Skeptiker sogar bei der Hälfte der Befragten.

In einigen Berufssparten sind die Werte noch alarmierender. So rechnen 71 Prozent der Krankenpfleger und 67 Prozent der Altenpfleger mit einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben. Auch die Mehrheit der Erzieherinnen und Erzieher ist überzeugt, das aktuelle Renteneintrittsalter von 67 Jahren in ihrem Berufsfeld nicht erreichen zu können.

Im Handwerk zeigt sich ein ähnliches Bild: 66 Prozent der im Hochbau Tätigen bezweifeln, dass sie bis zur Rente durchhalten. Noch drastischer ist die Situation im Bereich Sanitär, Heizung und Klempnerei, wo die Zahl der Zweifler auf 72 Prozent ansteigt.

Die Umfrage identifiziert mehrere berufliche Belastungsfaktoren, die die Einschätzung der Arbeitnehmer prägen. Dazu zählen Zeitdruck, Lärmbelästigung, körperliche Anstrengung, überlange Arbeitszeiten und ein Mangel an Entscheidungsspielraum. Auch das Fehlen von betrieblichen Programmen zur Gesundheitsförderung trägt laut der Studie maßgeblich dazu bei, dass sich viele Angestellte einen Verbleib im Job bis zur Rente nicht zutrauen.

Ein Vergleich mit einer Erhebung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2023 unterstreicht die Dramatik der neuen Daten. Damals hatten rund 5.000 abhängig Beschäftigte und 3.600 Personal- und Betriebsräte Auskunft gegeben. Das Resultat: Etwa 20 Prozent der Arbeitnehmer glaubten damals nicht, ihre Tätigkeit ohne Einschränkungen bis zur Rente mit 67 ausüben zu können; sieben Prozent hielten dies sogar für völlig ausgeschlossen. Schon 2023 lagen die Werte in besonders beanspruchenden Berufen über dem Durchschnitt.

Vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse übte DGB-Chefin Yasmin Fahimi scharfe Kritik an den rentenpolitischen Vorhaben der Bundesregierung. Sie erklärte gegenüber der Funke-Mediengruppe, es sei verfehlt, die Latte für den Renteneintritt immer höher zu legen. Es liege in niemandes Interesse, „dass sich ganze Generationen krank in die Rente schleppen und dann Abzüge einfach hinnehmen müssen“. Aus Sicht des DGB müsse vor einer Anhebung der Lebensarbeitszeit eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen erfolgen.

Erst Ende Juni hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission ihre Reformvorschläge für das deutsche Rentensystem vorgelegt. Diese beinhalten unter anderem eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf bis zu 70 Jahre sowie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 nach 45 Arbeitsjahren. Die aktuelle DGB-Untersuchung macht deutlich, wie stark diese Pläne von der Selbsteinschätzung der aktuell Beschäftigten abweichen.

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