Man könnte meinen, die Oberleitungen der Deutschen Bahn rund um Hannover befänden sich in einem desolaten Zustand – schließlich legen zwei Schäden binnen drei Tagen stundenlang den gesamten Fernverkehr lahm. Am Donnerstag war es eine Störung östlich von Hannover, die die Züge Richtung Berlin stoppte. Zunächst verbreitete die Bahn die Vermutung, es seien „Teile der Oberleitung gestohlen” worden. Letztlich stellte sich jedoch heraus, dass ein Stromabnehmer abgerissen war.
Am Samstag traf es dann den Westen Hannovers: Am Bahnhof Wunstorf kamen die Strecken nach Bremen und Hamburg zum Erliegen. Die Bundespolizei erklärte umgehend, es handle sich um eine technische Störung – ohne Umschweife und ohne Verdacht auf Fremdeinwirkung.
Immerhin: Diesmal gab es keine weiteren Meldungen über stundenlang in liegengebliebenen Zügen ausgesetzte Fahrgäste. Für deutsche Verhältnisse verliefen die beiden Ausfälle also noch glimpflich – gemessen an den üblichen Katastrophenmeldungen.
Die Ursache von Oberleitungsschäden bei der Deutschen Bahn ist meist simpel und technischer Natur: Die Leitungen und Stromabnehmer sind zwischen 40 und 80 Jahre alt, obwohl sie ursprünglich nur für maximal 40 Jahre ausgelegt waren. Oder drastischer formuliert: Die Deutsche Bahn hinkt in großen Teilen des elektrifizierten Netzes, das 62 Prozent der 20.000 Schienenkilometer ausmacht, um bis zu 40 Jahre hinter der notwendigen Modernisierung her.
Von den 20.000 Kilometern elektrifizierter Strecken sind nur 10 bis 20 Prozent der Oberleitungen jünger als 40 Jahre. Im vergangenen Jahr wurden gerade einmal 280 Kilometer erneuert. Bei diesem Tempo würde es fast 65 Jahre dauern, bis sämtliche überalterten Leitungen ausgetauscht wären. Oberleitungsschäden werden also auch in Zukunft für reichlich Frust bei den Fahrgästen sorgen – und das ist keine Spekulation, sondern eine nüchterne Prognose.
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