Von Bernhard Loyen
Außerhalb seiner treuen Anhängerschaft ist das Scheitern von Robert Habeck inzwischen weithin bekannt und dokumentiert. Die Liste seiner Fehlleistungen ist lang und aufschlussreich, insbesondere wenn man sein politisches Handeln der letzten fünf Jahre betrachtet.
Vergessen sollte man nie: Auch Habeck war – und ist – ein “Corona-Täter”, eingereiht in die lange Liste der Überforderten und Versagenden als assimilierter Ex-Vizekanzler und Ex-Wirtschaftsminister. Im November 2021 forderte der einfühlsame Robert “schärfere Corona-Maßnahmen” und hielt einen “Lockdown für Ungeimpfte für unumgänglich”.
Den ZDF-Zuschauern diktierte er damals ins Hausaufgabenheft:
“Es ist völlig klar, was passieren muss: Die Kontakte müssen reduziert werden, 2G muss bundesweit verbindlich umgesetzt werden für alle Einrichtungen des öffentlichen Lebens außer des Bedarfs, den man in Supermärkten oder Apotheken hat.”
Als das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Dezember 2021 “die 2G-Regel im niedersächsischen Einzelhandel aussetzte”, reagierte der Vizekanzler mit “Unverständnis”. Wenig überraschend stimmte Habeck im Februar 2022 im Bundestag für die “Corona-Impfpflicht für alle Deutschen ab 18”.
Ein weiteres Stichwort für das glanzlose Abschlussjahr im Regierungsviertel ist der Größenwahn des Kinderbuchautors mit großem Ego – ich, der “Bündniskanzler”. Nach den massiven Stimmenverlusten von Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundestagswahl 2025 kündigte Habeck gekränkt und beleidigt seinen Rückzug aus Berlin an. Sein Abschiedssatz in den Räumen der Bundespressekonferenz roch inhaltlich nach Surströmming:
“Das Angebot war top, die Nachfrage war nicht so dolle, wie wir sie [uns] vorgestellt haben.”
Der taz-Redaktion teilte er im August des Vorjahres gelassen mit: “Biografisch geht’s nach vorn.” Seinen Anhängern erklärte er beim Abschied gewohnt bescheiden:
“Um das sein zu können, was sie von mir erwarten, muss ich einen anderen Weg gehen als den erwarteten.”
In einem ausführlichen Interview führte Habeck aus, dass er nach 20 Jahren “in Spitzenpositionen die Binnensicht aufbrechen”, deutsche Politik “von außen schauen” und durch einen “Perspektivwechsel neue Erkenntnisse erlangen” wolle. Nach gut dotierten Vortragsreihen in Dänemark und den USA heißt es nun, dass der flexible Denker “ab August bei einem großen dänischen Immobilieninvestor” angestellt wird. Die Pressemitteilung kündigt an:
“Urban Partners, ein führender europäischer Investmentmanager, Eigentümer und Betreiber von Immobilien mit Schwerpunkt auf Städte und urbane Räume, setzt seine über 20-jährige Erfolgsgeschichte fort und baut seine Präsenz in Deutschland weiter aus.”
Natürlich muss Herr Habeck dies seiner Bubble persönlich auf Instagram per Video erklären:
“Einige von euch interessieren sich ja ein bisschen dafür, was ich beruflich mache, und deswegen dieses kurze Video, wie es für mich nach den Sommerferien weitergeht. Im letzten Jahr habe ich ja im Wesentlichen für das Dänische Institut für internationale Studien gearbeitet. Das ist eine Art Think Tank, kann man vielleicht sagen, für das Verteidigungs- und das Außenministerium von Dänemark mit einem intensiven Schwerpunkt auf die Arktis und auf Sicherheit und Verteidigungspolitik.”
Beeindruckend, was diesem Mann offenbar zugetraut wird, was seine Eigenwahrnehmung leider mehr als bestätigt. Die weitere Blendermitteilung lautet:
“Ich habe in Kopenhagen mich intensiver mit der Frage beschäftigt, wie die Skandinavier eigentlich ihre Infrastruktur finanzieren. Im Grunde läuft es ja so, dass die Pensionskassen in die Infrastruktur hinein investieren, also langfristige Kapitalanlagen machen für ihre Sparerinnen und Sparer … Und ich habe angefangen daran zu arbeiten, ob man dieses Modell nicht auch für Deutschland nutzbar machen kann, um klimagerechte, klimaneutrale, aber auch bezahlbare Wohnungen in deutschen Städten zu bauen, sodass die Menschen mit normalen Einkommen nicht aus den Städten vertrieben werden.”
Urban Partners ist erst seit 2024/2025 aktiv im deutschen Wohninvestmentmarkt. Das Unternehmen hat seinen Deutschland-Sitz in Frankfurt aufgebaut und will nun in Berlin auf dem umkämpften Wohnungsmarkt der Hauptstadt Gewinne erzielen – gemeinsam mit Robert Habeck.
Ein erstes Projekt wird bereits im Berliner Bezirk Pankow angekündigt, einem Gebiet, das für die Verdrängung von Altbewohnern bekannt ist. Die Drohung für Wohnungssuchende lautet:
“Nrep, die Immobilienplattform von Urban Partners, entwickelt ein nachhaltiges Wohnprojekt im Berliner Bezirk Pankow. Auf einem über 6.000 m² großen Grundstück in etablierter Mikrolage entstehen vier Gebäude mit einer Nettowohnfläche von insgesamt über 9.000 m².”
Sozialer Wohnungsbau wird einmal mehr obsolet, wenn Robert Habeck als Handelsvertreter für neureiche Neu-Berliner auftritt und “attraktives Bauland” gewinnbringend okkupiert. Die Webseite “Immowelt” informiert nüchtern, dass die Quadratmeterpreise in Berlin aktuell “ab 4.981 Euro” beginnen. Die Farbskala deutet an, dass das “Nrep-Projekt” voraussichtlich teurer wird.
“Urban Partners bringt über 140 neue Wohnungen nach Berlin”, heißt es auf der professionell animierten Webseite von Robert Habecks neuem Arbeitgeber. Man könnte mutmaßen, dass der Ex-Bürgerflüsterer seinen Anhängern im Berliner Ensemble nicht nur lockere Gespräche bietet, sondern im Rahmen einer Sonderverkaufsveranstaltung für solvente Grünen-Wähler auch diesen Werbetext provisionsunterstützt vorträgt:
“Das neue Quartier liegt im Stadtteil Pankow-Weißensee, wo Berliner Kiezkultur auf ruhige Wohnlagen trifft. Die modern gestalteten Mietwohnungen haben überwiegend 2- bis 3-Zimmer und richten sich auch an junge Familien.”
Wolfgang Ködel, Managing Director bei Urban Partners und Deutschlandchef von Nrep, könnte dabei ergänzend neben Habeck sitzen und den Anwesenden erklären:
“Wie in vielen anderen urbanen Ballungsräumen ist auch in Berlin eine erhebliche Unterversorgung mit zeitgemäßem Wohnraum eine Realität. Dieses Projekt zeigt deutlich, wie moderne, nachhaltige Mietwohnungen zur Lösung dieses Wohnraummangels in stark nachgefragten urbanen Lagen beitragen können.”
Die abschließende, professionell vorgetragene Drohung des skrupellosen Karrieristen, nachweislichen Versagers und protegierten Lobbyisten könnte vor der Verteilung von Vorverkaufsverträgen im Foyer des Brecht-Hauses lauten, dass sein neuer Arbeitgeber “sich gleichzeitig auf hohe Wohnqualität und Nachhaltigkeit fokussieren” wolle, um “einen Mehrwert für die Bewohnerinnen und Bewohner und die Stadtentwicklung insgesamt zu schaffen”.
Grauenhaft, einfach nur grauenhaft, diese anmaßend dotierte, geförderte und ausgelebte Arroganz gescheiterter, schuldbeladener Politiker und Selbstdarsteller.
Abschließend, völlig nebensächlich: Habecks neuer Kollege Wolfgang Ködel arbeitete vor seinem Wechsel zu Urban Partners im Jahr 2024 bei BlackRock Germany, dort wo auch Habecks Ex-Kanzleramtskollege und Vollversagerbruder im Geiste,Friedrich Merz, mit Aufsichtsratsvorsitz von 2016 bis 2020 als “BlackRock Asset Management Deutschland” tätig war.
Ein damit in sich konsequent geschlossener, behüteter Kreis, mit Karrieredrehtüren für lenkbare und rückgratlose Erfüllungsgehilfen, wie Robert Habeck.
Mehr zum Thema – “Ehrlich, nahbar und berührend” – Habeck erhält steuerfinanzierte Lobeshymne in Filmformat