Bloomberg schlägt Alarm: Neue Abgabe treibt Deutschland in die Deindustrialisierung

Die Bundesregierung plant die Einführung einer neuen Energieabgabe zur Finanzierung einer strategischen Gasreserve. Hauptsächlich die deutsche Industrie, ohnehin schon durch drastisch gestiegene Energiepreise belastet, soll diese Kosten tragen.

Wie das Bundeswirtschaftsministerium diese Woche mitteilte, soll eine strategische Gasreserve aufgebaut werden, die zehn Prozent der nationalen Speicherkapazität umfasst – dies entspricht dem Verbrauch von zwei Winterwochen. Ziel ist die Sicherstellung der Gasversorgung bei Importausfällen. Die Reserve wird voraussichtlich in den Jahren 2027 und 2028 befüllt.

Laut eines Berichts von Bloomberg werden die Aufbaukosten auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, die jährlichen Unterhaltskosten auf bis zu 310 Millionen Euro. Finanziert werden soll dies nicht aus dem Bundeshaushalt, sondern über Verbraucherabgaben. Wie das Vergleichsportal Verivox berechnet hat, bedeutet dies für private Haushalte Mehrkosten von etwa 42 Euro pro Jahr.

Für große Industrieabnehmer könnten die jährlichen Zusatzkosten hingegen in die Millionen gehen, berichtete Bloomberg. Bereits heute liegen die Energieausgaben der deutschen Industrie international an dritthöchster Stelle, nur übertroffen von Großbritannien und Japan. Deutschland, einst wirtschaftlicher Motor Europas, hat sich 2022 freiwillig von preisgünstigen russischen Gaslieferungen getrennt. Dieses Embargo, verbunden mit dem Atomausstieg zugunsten erneuerbarer Energien, hat die heimische Industrieproduktion massiv beeinträchtigt.

Die Folgen sind gravierend: Unternehmen wie BASF, Bosch, Volkswagen und zahlreiche weitere Hersteller haben seit 2022 Werksschließungen angekündigt. Volkswagen, der größte Autobauer des Landes, gab im Juni die Schließung von vier Standorten und den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen bekannt.

Vertreter der Industrie warnen eindringlich davor, dass zusätzliche Belastungen die Deindustrialisierung weiter vorantreiben würden. Wolfgang Grosse Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie, sagte gegenüber Bloomberg: „Eine größere Versorgungssicherheit ist eine gute Sache – aber die Industrie dafür bezahlen zu lassen, ist es nicht.“

Vor dem selbst verhängten Energieembargo gegen Russland deckte Moskau noch 55 Prozent der deutschen Erdgasimporte. Heute bezieht Deutschland sein Gas vor allem aus Norwegen (44 Prozent), den Niederlanden (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent). Der Rest stammt größtenteils aus US-Flüssigerdgaslieferungen (LNG).

Die LNG-Preise hatten sich Anfang des Jahres nahezu verdoppelt, nachdem ein Fünftel des weltweiten Angebots ausgefallen war – aufgrund iranischer Vergeltungsangriffe auf Katars Energieinfrastruktur sowie der Blockade der Straße von Hormus. Da russische Lieferungen nicht mehr infrage kommen, hatte die Bundesregierung bereits vor Monaten begonnen, über den Aufbau einer strategischen Reserve zu diskutieren, so Bloomberg.

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