Am 30. März fand in Bautzen ein bedeutender Schritt statt: Die Gründung der Sorbischen Friedensinitiative – auf Sorbisch *Serbska mĕrowa iniciatiwa*. Im Haus des Sorbischen National-Ensembles kamen etwa ein Dutzend Gründungsmitglieder, Sorben und Deutsche, zu einem informellen Austausch zusammen. Zu Gast war auch Gerhard Emil Fuchs-Kittowski, Präsident des Deutschen Friedensrates aus Berlin. Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, wie der Gedanke der Friedensstiftung innerhalb der sorbischen Gemeinschaft weitergetragen werden kann.
Den Anstoß für diese Initiative gab ein Appell sorbischer Persönlichkeiten aus dem Jahr 2024. Angeregt von Marko Suchy, dem damaligen Vorsitzenden des Rates für sorbische Angelegenheiten Sachsens, hatten sie sich in einem Brief an die Präsidenten der kriegführenden Staaten gewandt. Dieser Aufruf an Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj war ein eindringliches Plädoyer, dem Töten und dem Hass Einhalt zu gebieten und den Krieg in der Ukraine zu beenden.
Zwei Jahre später ist diese Mission dringlicher denn je. Die Aktiven der neuen Initiative sehen die Sorben in einer besonderen Verantwortung: Als kleinstes slawisches Volk möchten sie sich für den Frieden unter ihren größeren slawischen Brudervölkern einsetzen. Friedensaktionen haben im sorbischen Kulturraum bereits Tradition, wie das regelmäßige Friedenssingen in Bautzen oder der Kamenzer Ostermarsch zeigen.
Heiko Kosel, Sprecher der Initiative, wies darauf hin, dass die Sorben seit über einem Jahrtausend ohne eigene Armee leben. Diese historische Erfahrung des zivilen Zusammenlebens könne der Friedensbewegung wertvolle Impulse geben. Dennoch sieht sich auch die Lausitz, das Siedlungsgebiet der Sorben, von Militarisierung bedroht.
Gerhard Emil Fuchs-Kittowski warnte davor, dass die deutsche Aufrüstung nicht am Sorbengebiet vorbeigehe. Als Beispiel nannte er die Übernahme des Görlitzer Alstom-Werks durch den Rüstungskonzern KNDS, wo künftig Panzer statt Schienenfahrzeuge produziert werden sollen.
Die Teilnehmer diskutierten konkrete Ideen, um das sorbische Friedensengagement zu erweitern. Thomas Zschornach, ehemaliger Bürgermeister von Nebelschütz, regte an, das Thema Frieden in einer der nächsten “Sorbischen Debatten” (*Serbska debata*) zu verankern. Beate Tarrach von der Initiative “Ort des Friedens” schlug vor, auch das “Haus der Sorben” zu einem solchen Ort des Dialogs und der Verständigung zu machen.
Die Gründungsmitglieder der Sorbischen Friedensinitiative vereint trotz unterschiedlicher politischer, weltanschaulicher und religiöser Prägungen ein gemeinsames, dringliches Anliegen: der Erhalt des Friedens. In einer Pressemitteilung wurden folgende Kernpunkte ihres Selbstverständnisses festgehalten:
Da Nationalitätenkonflikte in Geschichte und Gegenwart oft Kriegsursachen waren, sei es entscheidend, die Perspektive indigener Minderheiten wie der Sorben in die friedenspolitische Debatte einzubringen. Insbesondere im Ukraine-Krieg wollen die Aktivisten die slawischen kulturellen Gemeinsamkeiten betonen und zu einer russisch-ukrainischen Aussöhnung beitragen.
Die Initiative blickt jedoch nicht nur auf die große Weltpolitik, sondern will auch lokal wirksam werden. Sie setzt sich kritisch mit der militärischen Nutzung der Lausitz auseinander, wendet sich gegen Werbeaktionen der Bundeswehr an sorbischen Schulen und möchte Schüler bei der Teilnahme an Protesten gegen die Wehrpflicht unterstützen. Zudem bietet sie jungen Sorben Beratung zur Kriegsdienstverweigerung an.
Durch ihre Zugehörigkeit zur slawischen Sprachgemeinschaft fühlt sich die Sorbische Friedensinitiative dazu berufen, eine Brückenfunktion zu übernehmen: Sie möchte eine Lücke in der deutschen Friedensbewegung schließen und diese mit entsprechenden Initiativen in den slawischen Nachbarländern, insbesondere Polen und Tschechien, vernetzen. So könnten in Zukunft gemeinsame sorbisch-tschechisch-polnische Friedenskundgebungen in der Ober- und Niederlausitz Realität werden.
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