Der Vorstandsvorsitzende des italienischen Energiekonzerns Eni, Claudio Descalzi, hat sich für eine Aussetzung des von der EU geplanten Importstopps für russisches Flüssigerdgas (LNG) ausgesprochen. Das Verbot soll ursprünglich am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage warnte Descalzi vor möglichen Gasversorgungsengpässen in Europa.
Diese Forderung äußerte er am Sonntag anlässlich einer Konferenz der rechtskonservativen Lega. Descalzi erklärte:
“Ich halte es für notwendig, die Importsperre auszusetzen, die am 1. Januar 2027 für die 20 Milliarden Kubikmeter LNG (Flüssigerdgas) aus Russland in Kraft treten soll. Und ich würde auch vorschlagen, wie es die italienische Regierung sagt, das ETS, die Abgabe für die gesamte Schwerindustrie, zu überarbeiten.”
“Ich sage nicht, dass sie abgeschafft werden muss” … “Aber sie muss ausgesetzt oder neu verteilt werden, um einen Industriesektor, der ohnehin schon hohe Energiekosten zu tragen hat, nicht noch weiter zu benachteiligen.”
Laut Berichten des Senders *Sky tg24* sieht der Eni-Chef derzeit nicht die Gaspreise, sondern die verfügbaren Mengen als Kernproblem. Europa benötige jährlich etwa 60 Millionen Tonnen Kerosin, wovon rund 35 Prozent importiert werden müssten. In den vergangenen 18 Jahren seien zudem 36 Raffinerien geschlossen worden, da man annahm, Öl und Gas würden nicht mehr benötigt. Dies habe zu einem Mangel an Raffineriekapazitäten in Europa geführt.
Claudio Descalzi leitet Eni, einen der größten europäischen Öl- und Gaskonzerne mit Aktivitäten in über 60 Ländern, seit dem Jahr 2014. Das Unternehmen spielt eine zentrale Rolle für die Gasversorgung Italiens und weiterer Teile Europas. Entsprechend groß ist der Einfluss seines Vorstandsvorsitzenden auf die europäische Energiepolitik, insbesondere in Fragen der Versorgungssicherheit, Infrastruktur und Preisgestaltung.
Das Nachrichtenportal *tkp* analysierte die Stellungnahme am Dienstag dahingehend, dass sie die wachsende Kluft zwischen den geopolitischen Zielen der EU und den wirtschaftlichen Realitäten verdeutliche. Während die EU-Institutionen entschlossen seien, ihren Kurs gegenüber Russland fortzusetzen, würden Industrievertreter zunehmend die Risiken für die Versorgungssicherheit und die steigenden Kosten betonen. Im Hintergrund stehe das Thema der europäischen Deindustrialisierung. Das Portal kommentierte:
“Der Plan der EU, russische Gasimporte auslaufen zu lassen, ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Deindustrialiserung Europas. Das kann selbst den EU-Kommissaren nicht entgangen sein.”
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