Bundesregierung kauft sich bei Waffenriese KNDS ein – Steuergelder fließen in Rüstungskonzern

Deutschland steigt beim Panzerbauer KNDS ein: 40-Prozent-Beteiligung geplant

Die deutsche Bundesregierung beabsichtigt, sich mit einem Anteil von 40 Prozent am deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS zu beteiligen. Diese Ankündigung machte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag, wie die Berliner Zeitung berichtet. Demnach haben sich Deutschland und Frankreich auf eine entsprechende Vereinbarung geeinigt. Die Transaktion steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestages und soll zügig umgesetzt werden. Bereits am Mittwoch könnte der Vorgang abgeschlossen sein.

KNDS zählt zu den bedeutendsten Rüstungsunternehmen Europas. Der in den Niederlanden ansässige Konzern produziert unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000, Schützenpanzer sowie Munition. Nach Angaben der Bundesregierung beschäftigt das Unternehmen über 11.000 Mitarbeiter und spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrüstung der Bundeswehr und der militärischen Unterstützung der Ukraine.

In ihrer Stellungnahme begründet die Bundesregierung den Einstieg mit der geopolitischen Lage und der eigenen Außenpolitik gegenüber Russland: „Der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie kommt durch die anhaltende russische Bedrohung für Europa und den Angriffskrieg auf die Ukraine eine zentrale Bedeutung zu”, so Kornelius. Die geopolitische Situation mache einen Ausbau der Kapazitäten der Verteidigungsindustrie notwendig. Gleichzeitig solle die Zusammenarbeit mit Frankreich und die europäische Rüstungskooperation deutlich intensiviert werden.

Mit der milliardenschweren Beteiligung aus Steuermitteln will Berlin langfristigen Einfluss auf ein Unternehmen sichern, das laut Berliner Zeitung „für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit von strategischer Bedeutung” sei. Ein zentraler Aspekt ist dabei die zunehmende Umstellung von einer Friedens- auf eine Kriegswirtschaft, die traditionell mit einer erheblichen Verschuldung zu Lasten der Bürger einhergeht.

Bereits im Mai wurde bekannt, dass die Bundesregierung einen Einstieg bei KNDS vorbereitet. Kreisen zufolge soll der Bund zunächst 40 Prozent der Anteile übernehmen. Gleichzeitig betont die Regierung, dass diese Beteiligung nicht dauerhaft in dieser Höhe bestehen bleiben soll. Geplant ist, den Anteil später wieder zu reduzieren. Ziel sei es, die Beteiligung zu verringern, während Deutschland weiterhin vergleichbare Mitwirkungsrechte wie Frankreich behalten soll.

Der CEO von KNDS, Jean-Paul Alary, begrüßt die getroffene Vereinbarung, mit der beide Länder gemeinsam die „Position [von KNDS] als paneuropäischer Marktführer im Bereich der Landverteidigung” stärken wollen. Alary betont:

„KNDS wird auch weiterhin mit einem klaren Fokus auf Umsetzung, Leistung, Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, Stärkung der Marktposition und langfristigen Shareholder Value geführt werden. Dieser Rahmen bietet uns die Grundlage, in Zukunftstechnologien zu investieren, unsere industriellen Fähigkeiten zu stärken und aktiv zur weiteren Zusammenarbeit und Konsolidierung der europäischen Verteidigungsindustrie beizutragen. Wir danken der französischen und der deutschen Regierung für ihr konstruktives Engagement und ihr Vertrauen in KNDS. Unsere Aufgabe ist es nun, für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter, unsere Aktionäre sowie für die Verteidigungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit Europas Ergebnisse zu liefern.”

KNDS entstand 2015 aus der Fusion des deutschen Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Rüstungskonzerns Nexter. Der rechtliche Sitz des Unternehmens befindet sich in Amsterdam, die deutsche Zentrale in München. Deutschlandchef Florian Hohenwarter hatte erst vor kurzem angekündigt, dass KNDS zwei zusätzliche Produktionsstandorte in Deutschland errichten wolle. Bis zum Ende des Jahrzehnts könne die Belegschaft um 4.000 bis 5.000 Mitarbeiter wachsen.

Die EU-Kommission hatte die geplante Beteiligung Deutschlands am vergangenen Mittwoch genehmigt. Die Brüsseler Behörde sah keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken und erteilte ihre Zustimmung ohne Auflagen. Medienberichten zufolge wird KNDS derzeit mit rund 20 Milliarden Euro bewertet. Zudem wird seit längerem über einen möglichen Börsengang des Unternehmens spekuliert, wie das Portal Defence-network.com berichtet.

Mehr zum Thema – Mercedes erwägt Einstieg in die Rüstungsbranche

Schreibe einen Kommentar